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Ronald Tramp
★ Macht Meinung wieder Gross! ★

Der Cyberkrieg um die Tiefkühltruhe

Grafik: Cyberkrieg um die französische Tiefkühltruhe

Hacker tauen aus der Ferne französische Supermarkt-Kühlanlagen ab. Ronald Tramp berichtet vom ersten Cyberkrieg zwischen Firewall, Fischstäbchen und schmelzendem Eis.

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Von Ronald Tramp, Sonderkorrespondent für Cyberkrieg, Crème brûlée und strategisch aufgetaute Fischstäbchen

Frankreich ist angegriffen worden.

Nicht Paris.

Nicht das Verteidigungsministerium.

Nicht einmal irgendein streng geheimes Atomlabor tief unter einem Berg.

Nein.

Die Hacker gingen offenbar dorthin, wo es wirklich wehtut:

an die Tiefkühltruhe.

Hunderte Supermärkte sollen von einem Cyberangriff auf vernetzte Kühlanlagen betroffen sein. Die Angreifer lösten aus der Ferne das Abtauen aus – und plötzlich verwandelte sich der französische Lebensmitteleinzelhandel in eine gigantische Folge von „Wer schafft es zuerst, die Garnelen zu retten?“.

Ronald Tramp muss anerkennen:

Das ist ein völlig neues Niveau digitaler Kriegsführung.

Früher wollten Hacker Passwörter.

Dann wollten sie Geld.

Dann Daten.

Heute sagen sie offenbar:

„Nein. Wir nehmen euch das Eis.“

Brutal.

Rücksichtslos.

Fast barbarisch.

Man stelle sich den Moment vor.

Ein Mitarbeiter läuft morgens durch den Supermarkt.

Die Türen öffnen sich.

Das Licht geht an.

Und irgendwo beginnt eine Packung Tiefkühlpizza leise zu schwitzen.

Dann die Pommes.

Dann das Eis.

Dann das Lachsfilet.

Innerhalb kürzester Zeit wird aus der Tiefkühlabteilung eine Art tropisches Wellnesscenter für Lebensmittel.

Das Problem: Die Kühlsysteme moderner Märkte sind vernetzt.

Sehr praktisch.

Temperaturen überwachen.

Anlagen steuern.

Energie sparen.

Wartung aus der Ferne.

Alles wunderbar.

Bis irgendwo jemand mit Laptop beschließt:

„Heute ist Auftautag.“

Das ist Digitalisierung mit Überraschungseffekt.

Früher musste ein Saboteur wenigstens persönlich in den Laden gehen und den Stecker ziehen.

Heute sitzt er möglicherweise mehrere Länder entfernt auf dem Sofa, trinkt Kaffee und taut nebenbei französische Kroketten auf.

Fortschritt!

Ronald Tramp sieht schon die Cybersecurity-Schulung der Zukunft:

„Klicken Sie niemals auf verdächtige E-Mail-Anhänge.“

„Warum?“

„Sonst wird der Camembert warm.“

Plötzlich hört wirklich jeder zu.

Besonders bemerkenswert: In einigen Märkten sollen als Folge der Attacke sogar Brände ausgebrochen sein.

Damit erreichte der Angriff die höchste denkbare Eskalationsstufe des Einzelhandels:

Erst Tiefkühlware auftauen, dann den Laden vorheizen.

Das ist nicht mehr Cybercrime.

Das ist digitales Sous-vide.

Und während Ermittler versuchen herauszufinden, wer hinter dem Angriff steckt, dürften Supermarktmanager vor ganz anderen strategischen Herausforderungen stehen.

Was macht man mit einer Tiefkühlabteilung, die beschlossen hat, spontan Frühling zu feiern?

Kann man dreitausend Packungen Erbsen gleichzeitig kochen?

Braucht man dafür einen sehr großen Topf?

Könnte Frankreich kurzfristig das größte Buffet Europas veranstalten?

„Mesdames et Messieurs, heute kostenlos: alles.“

Bitte bringen Sie Hunger und Kühlbox mit.

Auch die Versicherungsfrage klingt wie ein eigener satirischer Höhepunkt.

Denn offenbar sind derartige Schäden nicht unbedingt gedeckt.

Natürlich nicht.

Versicherungen funktionieren schließlich nach einem sehr einfachen Prinzip:

Alles ist versichert.

Bis etwas passiert, das man wirklich versichern müsste.

Dann entdeckt irgendwo jemand Seite siebenundachtzig, Absatz zwölf:

„Nicht abgedeckt sind Schäden durch Krieg, Kernschmelze, Meteoriteneinschlag und ferngesteuertes Auftauen von Vanilleeis.“

Sehr bedauerlich.

Ronald Tramp erwartet deshalb schon neue Policen:

Cyber-Frost Premium Plus.

Schutz vor Hackerangriffen auf Tiefkühlpizza.

Optionaler Zusatzbaustein Fischstäbchen.

Selbstbeteiligung bei Eiscreme.

Die entscheidende Erkenntnis aus diesem Angriff ist jedoch größer als ein Supermarkt.

Wir haben inzwischen Kühlschränke im Netz.

Heizungen im Netz.

Staubsauger im Netz.

Kameras im Netz.

Türschlösser im Netz.

Kaffeemaschinen im Netz.

Vermutlich gibt es längst Toaster, die mit irgendeiner Cloud kommunizieren, bevor sie entscheiden, ob das Brot braun genug ist.

Alles ist smart.

Bis jemand das Passwort errät.

Dann wird es sehr schnell dumm.

Vielleicht sollte deshalb künftig auf jeder vernetzten Kühltruhe ein Warnhinweis kleben:

Dieses Gerät enthält Lebensmittel und möglicherweise eine Angriffsfläche.

Ronald Tramp sieht bereits eine völlig neue NATO-Doktrin.

Artikel fünf:

Ein Angriff auf einen Mitgliedstaat gilt als Angriff auf alle.

Artikel sechs:

Ein Angriff auf die Tiefkühlpizza gilt als persönliche Provokation.

Die französische Regierung könnte Spezialeinheiten einsetzen.

Cyberexperten sichern Router.

Soldaten bewachen Tiefkühltruhen.

Ein General steht vor einer Karte:

„Der Feind hat die Gemüseabteilung genommen. Wir halten noch Fisch und Dessert.“

Paris mobilisiert.

Brüssel tagt.

Deutschland liefert vorsichtshalber Kühlakkus.

Denn diese Geschichte zeigt vor allem eines:

Der Cyberkrieg der Zukunft entscheidet sich vielleicht nicht in geheimen Bunkern.

Sondern zwischen Tiefkühlspinat und Familienpackung Eis.

Und Ronald Tramp hat daraus eine ganz klare Sicherheitsregel gelernt:

Wenn selbst die Tiefkühltruhe Internet braucht, sollte wenigstens das Backup kalt bleiben.

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Tags: IT-Sicherheit Hacker Cyberangriff Cybersecurity Frankreich Supermarkt Kühlanlagen
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