Merriam-Webster empfiehlt sein Wörterbuch als Fundgrube für neue Passwörter – bis das Internet freundlich an den „Dictionary Attack“ erinnert. Ronald Tramp eröffnet daraufhin den Krieg gegen Wörterbücher, Klebezettel und „Passwort123!“.
Von Ronald Tramp, investigativer Sonderkorrespondent für Cybersecurity, Wörterbücher und Passwörter, die garantiert niemand errät
Meine Freunde, wir müssen über Cybersicherheit sprechen.
Sehr wichtiges Thema. Riesiges Thema. Hacker überall. Russen, Chinesen, Teenager im Keller, Leute mit Kapuzenpullis vor sechs Monitoren – und wahrscheinlich irgendein Kevin, der seit 2007 versucht, das WLAN seines Nachbarn zu knacken.
Und jetzt kommt ausgerechnet Merriam-Webster und präsentiert möglicherweise die größte Innovation der Passwortgeschichte.
Das berühmte amerikanische Wörterbuch veröffentlichte auf X sinngemäß:
Wenn du ein neues Passwort brauchst, haben wir ein ganzes Buch voller Vorschläge.
HAHA!
Großartig.
Ein Wörterbuch!
Millionen Wörter!
Endlich sichere Passwörter!
Ich, Ronald Tramp, Experte für alles, was mindestens einen Einschaltknopf besitzt, wusste sofort:
Das verändert Cybersecurity für immer.
Leider dauerte es ungefähr fünf Minuten, bis jemand unter dem Beitrag sinngemäß antwortete:
„Zufälligerweise gibt es auch eine Passwort-Hacking-Technik, die nach euch benannt ist.“
Merriam-Webster antwortete:
„oh no“
Meine Freunde:
Das ist möglicherweise der kürzeste vollständige Cybersecurity-Incident-Report der Geschichte.
Willkommen beim Wörterbuchangriff!
Für Menschen, die ihre Passwörter bisher nach dem hochmodernen Sicherheitsstandard „Sommer2026!“ vergeben haben, erkläre ich das Problem.
Es gibt tatsächlich sogenannte Dictionary Attacks.
Wörterbuchangriffe.
Dabei probiert ein Angreifer systematisch Wörter und typische Kombinationen aus Wortlisten als mögliche Passwörter durch.
Und Merriam-Webster besitzt – halten Sie sich fest – ein Wörterbuch.
Das ist ungefähr so, als würde eine Bank twittern:
„Falls Sie einen guten Ort zum Verstecken Ihres Geldes suchen: Wir haben sehr viele Schließfächer.“
Und jemand antwortet:
„Übrigens gibt es Bankraub.“
Bank:
oh no
Fantastisch.
Ronald entwickelt das perfekte Passwort
Natürlich konnte ich diese Krise nicht unbeantwortet lassen.
Ich setzte sofort mein Cybersecurity-Team zusammen.
Das Team besteht aus mir.
Sehr effizient.
Keine Meetings.
Keine Abstimmung.
Keine Scrum-Master.
Ich öffnete Merriam-Webster und suchte nach einem sicheren Passwort.
„Elephant.“
Zu einfach.
„Democracy.“
Wird ständig angegriffen.
„Beautiful.“
Sehr gutes Wort. Eines meiner Lieblingswörter. Aber vermutlich ebenfalls bekannt.
Dann hatte ich die Lösung:
BeautifulElephantDemocracy2026!
Unglaubliches Passwort.
Lang.
Komplex.
International.
Ich testete es auf einer Website.
Die Website sagte:
„Dieses Passwort wurde bereits in einem Datenleck gefunden.“
WAS?
Wer hat mein Passwort?
Ich hatte es seit mindestens 14 Sekunden!
Das große Passwortproblem
Die Menschheit hat inzwischen eine bemerkenswerte Situation geschaffen.
Jeder Dienst verlangt ein Passwort.
Bank.
E-Mail.
Streaming.
Onlineshop.
Stromanbieter.
Versicherung.
Forum für Modelleisenbahnen.
Eine App, mit der Sie Ihre elektrische Zahnbürste konfigurieren.
Alles braucht ein Passwort.
Und natürlich darf man niemals dasselbe verwenden.
Also benötigen Sie ungefähr 800 unterschiedliche Passwörter.
Mindestens zwölf Zeichen.
Großbuchstaben.
Kleinbuchstaben.
Zahlen.
Sonderzeichen.
Keine Wörter.
Keine Namen.
Kein Geburtsdatum.
Keine früheren Passwörter.
Keine wiederholten Zeichen.
Keine persönlichen Informationen.
Und vermutlich darf Merkur nicht rückläufig sein.
Sie erstellen:
G7!qL9#vX2@p
Perfekt.
Sehr sicher.
Niemand kann es erraten.
Nicht einmal Sie.
Also klicken Sie am nächsten Tag auf:
PASSWORT VERGESSEN.
Cybersecurity funktioniert!
Der Hacker kommt nicht rein.
Sie auch nicht.
Maximale Sicherheit.
Wörterbücher werden beschlagnahmt
Ich fordere deshalb Konsequenzen.
Wenn Wörterbuchangriffe gefährlich sind, müssen wir über Wörterbücher reden.
Diese Bücher enthalten tausende potenzielle Passwörter!
Ein einziges Merriam-Webster ist praktisch ein analoges Hackerwerkzeug mit Hardcover.
Bibliotheken?
Voll davon.
Schulen?
Wörterbücher überall.
Buchhandlungen verkaufen diese Cyberwaffen sogar ohne Alterskontrolle!
Sie gehen hinein:
„Guten Tag, ich hätte gern ein Wörterbuch.“
Verkäufer:
„Natürlich.“
KEINE FRAGEN!
Kein Führungszeugnis.
Keine Zwei-Faktor-Authentifizierung.
Nicht einmal eine Erklärung, was Sie mit „aardvark“ vorhaben.
Skandalös.
Der Ronald-Tramp-Sicherheitsstandard
Ich habe deshalb den RTPS 2026 entwickelt.
Ronald Tramp Password Standard.
Sehr fortschrittlich.
Regel Nummer eins:
Das Passwort darf in keinem Wörterbuch stehen.
Also nehmen Sie Fantasiewörter.
Zum Beispiel:
Flumpendörgel
Sehr sicher.
Allerdings wird Flumpendörgel jetzt vermutlich von Suchmaschinen indexiert.
Damit ist es verbrannt.
Nehmen Sie es NICHT.
Regel Nummer zwei:
Das Passwort muss so kompliziert sein, dass selbst der Besitzer nach drei Sekunden emotional aufgibt.
Beispiel:
xQ7!$pL_92#Kz&4
Hervorragend.
Regel Nummer drei:
Schreiben Sie das Passwort niemals auf einen gelben Klebezettel und kleben Sie ihn unter die Tastatur.
Das ist unsicher.
Kleben Sie ihn hinter den Monitor.
Dort schaut niemand.
Außer Hackern, Reinigungskräften, Kollegen und jedem Menschen mit Augen.
Vielleicht doch keine gute Idee.
Die IT-Abteilung schlägt zurück
Besonders schön ist das Passwortwechseln im Unternehmen.
Montagmorgen.
Sie melden sich an.
„Ihr Passwort läuft heute ab.“
Warum?
War es krank?
Hat es gekündigt?
Geht es in Rente?
Sie geben ein neues Passwort ein.
Passwort1!
„Passwort entspricht nicht den Sicherheitsanforderungen.“
Passwort123!
„Passwort entspricht nicht den Sicherheitsanforderungen.“
IchHasseDiesePasswortregel123!
„Das neue Passwort darf dem vorherigen Passwort nicht ähneln.“
WAS WAR MEIN VORHERIGES PASSWORT?
Genau deshalb bin ich hier!
Nach 45 Minuten wählen Sie:
DienstagIstEinScheisstag#47291
System:
„Passwort erfolgreich geändert.“
Danke.
Produktivität 2026.
Dann kommt der Passwortmanager
Natürlich sagen Experten jetzt:
„Ronald, benutze einen Passwortmanager.“
Sehr gut.
Dann brauche ich nur noch ein einziges Master-Passwort.
Ein Passwort, das alle anderen Passwörter schützt.
Kein Druck.
Es schützt lediglich meine E-Mail, Bankkonten, Cloud, Server, Webseiten, Fotos und wahrscheinlich irgendwann meinen Kühlschrank.
Also brauche ich ein besonders starkes Master-Passwort.
Vielleicht ein langes Wort.
Moment.
Wo finde ich ein langes Wort?
MERRIAM-WEBSTER!
Wir sind wieder am Anfang!
Es ist ein Kreislauf!
Eine Cybersecurity-Endlosschleife!
Der Wörterbuch-Krieg beginnt
Ich stelle mir bereits vor, wie Merriam-Webster jetzt reagiert.
Neue Ausgabe des Wörterbuchs.
Jedes Wort mit Sicherheitshinweis.
apple
Substantiv. Eine Frucht.
⚠ NICHT ALS PASSWORT VERWENDEN.
horse
Substantiv. Pferd.
⚠ WIRKLICH NICHT.
password
Substantiv. Geheime Zeichenfolge zur Authentifizierung.
⚠ KEVIN, NEIN.
Das Wörterbuch wird 4.000 Seiten dicker.
Aber sicherer.
Vielleicht bekommt jedes Wort künftig eine Zwei-Faktor-Authentifizierung.
Sie schlagen „hippopotamus“ nach.
Das Buch sagt:
„Bitte bestätigen Sie den Zugriff über Ihre Authenticator-App.“
Endlich Sicherheit.
Der genialste Teil: „oh no“
Aber das Schönste an der ganzen Geschichte bleibt Merriam-Websters Antwort.
„oh no“
Zwei Wörter.
Kein PR-Sprech.
Kein:
„Wir nehmen die Hinweise unserer Community sehr ernst.“
Kein:
„Cybersecurity hat für uns höchste Priorität.“
Kein:
„Wir befinden uns in engem Austausch mit relevanten Stakeholdern.“
Nur:
oh no
Das ist ehrliche Unternehmenskommunikation!
Ich möchte das überall.
Server ausgefallen?
oh no
Backup kaputt?
oh no
CEO hat auf Phishing-Mail geklickt?
oh no
Admin-Passwort war „admin“?
OH NO.
Vielleicht brauchen wir überhaupt keine 40-seitigen Incident Reports mehr.
Neue internationale Cybersecurity-Skala:
Stufe 1: „hmm“
Stufe 2: „oops“
Stufe 3: „oh no“
Stufe 4: „OH NO“
Stufe 5: „please disconnect the building“
Sehr effizient.
Ronalds endgültige Lösung
Nach intensiver Forschung komme ich deshalb zu einem eindeutigen Ergebnis:
Das perfekte Passwort ist ein Wort, das in keinem Wörterbuch steht, das niemand kennt, das ausreichend lang ist, das Sie niemals wiederverwenden und das Sie sich trotzdem merken können.
Also praktisch:
unmöglich.
Und genau deshalb empfehle ich starke, einzigartige Passwörter beziehungsweise Passphrasen, einen vernünftigen Passwortmanager und zusätzliche Authentifizierung, wo sie angeboten wird.
Ja, ich weiß.
Erschreckend vernünftig.
Ich entschuldige mich.
Aber Merriam-Webster hat mit seinem kleinen Witz unbeabsichtigt etwas Großartiges geschafft:
Ein Wörterbuch empfahl sich selbst als Passwortquelle.
Das Internet erinnerte das Wörterbuch daran, dass Wörterbuchangriffe existieren.
Und das Wörterbuch antwortete mit zwei Worten, die vermutlich ab sofort ebenfalls niemand mehr als Passwort verwenden sollte:
oh no.
Meine Freunde, Cybersecurity war niemals schöner.
Oder ironischer.
Und deshalb mein neuer Sicherheitsslogan:
MAKE PASSWORDS UNGUESSABLE AGAIN!
Und falls Sie jetzt ein neues Passwort brauchen:
Fragen Sie Merriam-Webster.
Sie haben ein ganzes Buch voller Vorschläge.
Was könnte schon schiefgehen?
oh no.

