Ein mysteriöser Geruch zwingt einen Lufthansa-Airbus zur Rückkehr nach Athen – Ronald Tramp berichtet über die wohl spektakulärste Duftkatastrophe der Luftfahrt.
Ich bin Ronald Tramp. Investigativjournalist. Luftfahrtexperte. Mann mit einer Nase, die laut einigen Quellen bereits drei Dönerbuden, zwei Wahlkampfveranstaltungen und einen deutschen Regionalzug im Hochsommer überlebt hat.
Und glauben Sie mir: Wenn selbst ein Lufthansa-Airbus evakuiert werden muss, weil es im hinteren Bereich plötzlich unerträglich riecht, dann reden wir nicht mehr über einen normalen Flug. Dann reden wir über eine internationale Duftkatastrophe mit geopolitischem Eskalationspotenzial.
Alles begann über Athen.
Ein Lufthansa-Airbus A321 war gerade auf dem Weg nach München. 177 Passagiere. 7 Crew-Mitglieder. Wahrscheinlich drei Menschen mit zu viel Handgepäck, mindestens ein deutsches Paar mit exakt vorbereiteten Käsebrotboxen und garantiert jemand, der sofort nach dem Start den Sitz zurückgeklappt hat, obwohl hinter ihm ein Mensch mit 1,96 Meter Körpergröße saß.
Ein völlig normaler Linienflug also.
Doch plötzlich geschah etwas, das laut Augenzeugenberichten ungefähr zwischen „elektrischem Kurzschluss“, „mysteriöser Luftnotlage“ und „durchschnittlicher Bahnhofstoilette an einem Feiertagswochenende“ eingeordnet werden kann.
Ein starker Geruch breitete sich im hinteren Teil der Maschine aus.
STARKER GERUCH.
Allein diese Formulierung ist bereits fantastisch. Die Luftfahrtbranche beschreibt grundsätzlich alles maximal höflich. Wenn ein Triebwerk explodiert, heißt es vermutlich intern „ungeplante thermische Ereignisentwicklung“.
Und „starker Geruch“ klingt zunächst harmlos.
Bis man erfährt, dass daraufhin eine Luftnotlage erklärt wurde.
Eine. Luft. Notlage.
Das bedeutet im Grunde: Irgendjemand im Cockpit dachte sich offenbar:
„Meine Herren, entweder verlassen wir jetzt kontrolliert diesen Himmel oder in fünf Minuten riecht hier alles wie ein amerikanischer Wahlkampfbus nach drei Chili-Hotdogs und zwei Stunden Klimaanlagenausfall.“
Die Maschine kehrte also nach Athen zurück.
Und jetzt kommt mein Lieblingssatz:
Das Flugzeug konnte „selbstständig zur Parkposition rollen“.
Fantastisch.
Die Lufthansa formuliert selbst absolute Chaoslagen immer so beruhigend, als würde ein Flugzeug einfach kurz überlegen müssen, ob es links oder rechts einparkt.
Doch offenbar wurde die Geruchslage hinten in der Maschine derart dramatisch, dass die Crew entschied:
NOTRUTSCHEN.
Meine Damen und Herren:
Nichts beendet entspannte Urlaubsstimmung schneller als die Worte:
„Bitte verlassen Sie die Maschine über die Rutschen.“
Plötzlich verwandeln sich selbst erfolgreiche Geschäftsleute in panische Wasserrutschen-Touristen.
Menschen verlieren beim Rutschen grundsätzlich jede Würde.
Der Mensch wurde evolutionär einfach nicht dafür entwickelt, mit einem Duty-Free-Beutel und einem halb gegessenen Sandwich einen Airbus zu verlassen.
Drei Menschen wurden leicht verletzt.
Natürlich.
Denn Notrutschen sehen immer spaßiger aus, als sie tatsächlich sind.
Im Kopf denkt jeder:
„Oh cool, wie im Actionfilm.“
In der Realität landet man unten wie ein umgekippter Bürostuhl mit Reisepass.
Und während all das passierte, saßen vermutlich irgendwo deutsche Urlauber am Fenster und fragten weiterhin:
„Entschuldigung, bekommen wir jetzt trotzdem noch unseren Anschlussflug?“
Denn Deutsche verlieren selbst in einer Luftnotlage niemals den Fokus auf organisatorische Probleme.
Ich stelle mir die Szene im Cockpit ungefähr so vor:
„Captain, die Sensoren schlagen an.“
„Wie schlimm?“
„Sehr schlimm.“
„Technischer Defekt?“
„Möglicherweise.“
„Oder?“
„Vielleicht hat jemand hinten 14 Eier, Thunfischsalat und griechischen Knoblauch gleichzeitig geöffnet.“
Schweigen.
„…Notrutschen vorbereiten.“
Natürlich untersucht die Technik nun die Maschine.
Und ich verspreche Ihnen:
Irgendwo steht jetzt ein Lufthansa-Techniker mit ernster Miene vor einem Airbus und schnuppert konzentriert in Richtung Gepäckfach.
„Interessant. Leichte Note von Kabelbrand… mit einem Hauch verbrannter Lasagne.“
Denn Flugzeuggerüche sind eine Wissenschaft für sich.
Es gibt exakt drei Arten von Gerüchen im Flugzeug:
- Kaffee.
- Angst.
- Irgendetwas, das niemand identifizieren möchte.
Und genau Nummer 3 sorgt dafür, dass plötzlich alle Menschen gleichzeitig sehr religiös werden.
Besonders faszinierend finde ich die Reaktion der Airline:
„Die Sicherheit von Fluggästen und Crews hat oberste Priorität.“
Natürlich.
Und das ist auch gut so.
Aber man stelle sich vor, wie hektisch die Diskussion intern gewesen sein muss.
„Was genau riecht da hinten?“
„Wir wissen es nicht.“
„Ist es gefährlich?“
„Definitiv unangenehm.“
„Wie unangenehm?“
„Stellen Sie sich eine Mischung aus heißem Kabel, Klimaanlage und einer politischen Talkshow im Hochsommer vor.“
„Verstanden. Sofort landen.“
Und ehrlich gesagt: Genau deshalb fliegen Menschen weiterhin Lufthansa.
Denn wenn ein Airbus wegen eines mysteriösen Geruchs evakuiert wird, reagieren die Deutschen trotzdem noch organisiert.
Andere Länder hätten vermutlich Panik.
In Deutschland läuft das ungefähr so:
„Achtung, Luftnotlage.“
„Okay.“
„Bitte über die Notrutschen aussteigen.“
„Gut.“
„Ihr Koffer bleibt an Bord.“
„WAS?!“
Das ist der Moment, an dem die eigentliche Krise beginnt.
Ich persönlich glaube übrigens, dass der Geruch niemals vollständig aufgeklärt wird.
Solche Ereignisse verschwinden irgendwann in den geheimen Archiven der Luftfahrt neben anderen ungelösten Rätseln:
Warum schmeckt Tomatensaft im Flugzeug plötzlich gut?
Warum applaudieren manche Menschen nach Landungen?
Und warum steht immer genau eine Person mitten im Gang auf, obwohl die Tür noch geschlossen ist?
Am Ende bleibt jedenfalls festzuhalten:
Die Maschine landete sicher.
Die Passagiere wurden betreut.
Die Lufthansa entschuldigte sich professionell.
Und irgendwo in Athen sitzt jetzt wahrscheinlich ein völlig traumatisierter Airbus A321 und wird intensiv mit Febreze behandelt.