BMW zieht ein Leasingangebot zurück, von Storch fragt Elon Musk nach Ersatz und Siegmund setzt auf die Schwalbe. Ronald Tramp begleitet die große Parkplatzkrise.
Von Ronald Tramp, Sonderkorrespondent für große Staatskrisen mit kleinem Kofferraum.
Es gibt Momente, in denen eine Demokratie erschüttert wird. Und es gibt Momente, in denen ein Leasingangebot ausläuft. In Sachsen-Anhalt ist man gerade damit beschäftigt, den Unterschied zu bestimmen.
Tobias Rausch ist Landtagspräsident geworden. BMW hat ein Angebot zur Verlängerung des Leasingvertrags für seinen Dienstwagen zurückgezogen und äußert sich nicht zu den Gründen. Der bisherige Vertrag läuft im November aus. Beatrix von Storch hat daraufhin Elon Musk öffentlich nach einem Auto gefragt.
Liebe Leserinnen und Leser, ich habe viele Krisen gesehen. Riesige Krisen. Aber selten eine, bei der die Rettung des Abendlandes so unmittelbar von einer Sitzheizung abhing.
Von Storchs Anfrage an Musk ist außenpolitisch brillant. Früher telefonierten Staatsmänner miteinander. Heute markiert man einen Milliardär auf X und hofft, dass zwischen Raumfahrt, Weltpolitik und irgendeinem Streit über Emojis noch Zeit für die Fuhrparkverwaltung in Magdeburg bleibt. Das ist Diplomatie mit Push-Benachrichtigung. Sehr modern. Vielleicht bekommt Rausch einen Tesla. Vielleicht einen Antwort-Post. Vielleicht nur ein blaues Häkchen, das er sich selbst bezahlen muss.
Ein Tesla hätte allerdings seine Tücken. Stellen Sie sich vor, der Landtagspräsident sagt: „Fahr mich in die politische Mitte“, und das Navigationsgerät meldet: Ziel außerhalb des verfügbaren Kartenmaterials. Der Autopilot sucht verzweifelt eine gemäßigte Route, dreht dreimal um den Landtag und bittet schließlich den Fahrer, wieder selbst die Verantwortung zu übernehmen. Ein Vorschlag, der in der Politik erfahrungsgemäß wenig Begeisterung auslöst.
Die AfD könnte natürlich ein Fahrzeug aus deutscher Produktion suchen. Aber die Suche scheint schwierig. Das ist bemerkenswert für eine Partei, die sonst zu jeder Frage sofort weiß, was „das Volk“ will. Nur bei der Frage „Welcher Hersteller möchte uns ein Auto leasen?“ herrscht plötzlich eine Stille, in der man sogar den Blinker hören könnte. Falls jemand ihn benutzt.
Ulrich Siegmund hat bereits eine andere Antwort: Er kündigte an, mit seiner Schwalbe zur Staatskanzlei zu fahren, sollte sein Plan für das Ministerpräsidentenamt aufgehen. „Zweitakt statt Bevormundung“, lautet sein Motto. Das ist ein eindrucksvolles Regierungsprogramm. Bei mir stand früher „Wirtschaft, Sicherheit, Weltfrieden“ auf dem Zettel. Aber ich gebe zu: „Brrräng, brrräng“ passt besser auf ein Wahlplakat.
Man sollte den Gedanken konsequent zu Ende führen. Der Landtagspräsident reist im angefragten Tesla an, Siegmund auf der Schwalbe, und die Fraktion folgt in einem Korso aus Einkaufswagen. Vor dem Parlament gibt es keine Regierungserklärung, sondern eine Debatte über Ladezeiten, Ersatzteile und die Frage, ob die Schwalbe bei Gegenwind einen Koalitionspartner braucht. Ich würde darüber berichten. Exklusiv. Mit einer sehr großen Sonnenbrille.
BMW schweigt zu seiner Entscheidung. Musk hat in der mir vorliegenden Geschichte noch kein Fahrzeug zugesagt. Trotzdem ist die Lage bereits klar: Aus einem Leasingvorgang wurde ein Drama über Freiheit, Würde und die unerträgliche Vorstellung, einen Termin anders zu erreichen.
Mein Vorschlag ist der größte von allen: Man stellt Rausch einen goldenen Thron auf Rollen bereit. Musk liefert die Software, Siegmund schiebt, von Storch postet ein Foto. Und sobald alle vor dem Landtag angekommen sind, fragt jemand vorsichtig, ob drinnen vielleicht noch Politik gemacht werden sollte.

