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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Tempo 100 per Aufkleber: Ronald Tramp erlebt die schnellste Gesetzgebung Deutschlands

Grafik: Deutschlands schnellste Reform: Tempo 100 zum Aufkleben

Greenpeace klebt Tempo-100-Schilder auf Autobahnen und erklärt das Tempolimit kurzerhand für eingeführt. Ronald Tramp untersucht die erstaunlichste Form der Gesetzgebung seit der Erfindung des Aufklebers.

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Liebe Leser, ich berichte heute über einen historischen Moment der deutschen Demokratie. Einen Moment, der zeigt, dass man für politische Veränderungen manchmal keine Gesetze, keine Parlamente und keine langwierigen Ausschusssitzungen braucht. Man braucht lediglich eine Leiter, einen Aufkleber und ausreichend Selbstvertrauen.

Denn genau das ist passiert.

Während andere Menschen jahrelang über ein Tempolimit diskutieren, Gutachten schreiben, Koalitionsverträge verhandeln und Talkshows besuchen, hat Greenpeace beschlossen: Warum warten, wenn man einfach loskleben kann?

Und ich muss sagen: Das ist Effizienz. Das ist deutsche Innovationskraft. Das ist Verwaltungsgeschwindigkeit auf einem Niveau, das normalerweise nur bei der Ausstellung von Reisepässen im Jahr 2047 erreicht wird.

Am frühen Morgen kletterten Aktivistinnen und Aktivisten an Autobahnen und überklebten Verkehrsschilder mit Tempo-100-Aufklebern. Aus einer unverbindlichen Richtgeschwindigkeit wurde plötzlich ein neues Zeitalter.

Ein Aufkleber.

Nicht ein Gesetz.

Nicht ein Beschluss.

Nicht einmal ein Behördenstempel.

Ein Aufkleber.

Ich stand dort und dachte: Warum haben wir eigentlich noch Bundestag und Bundesrat? Offenbar genügt ein Besuch im Baumarkt.

Die Möglichkeiten sind grenzenlos.

Wenn man durch Aufkleben Politik machen kann, eröffnen sich völlig neue Perspektiven.

Morgen könnte jemand die Einkommensteuer auf fünf Prozent senken, indem er auf einen Steuerbescheid einen Sticker klebt.

Übermorgen erklärt jemand den Montag zum Wochenende.

Und nächste Woche ersetzt vermutlich ein engagierter Heimwerker die gesamte Verfassung durch einen laminierten Zettel aus dem Copyshop.

Deutschland wird zum größten Bastelprojekt Europas.

Natürlich verfolgen die Aktivisten ein ernstes Ziel.

Sie möchten Treibstoff sparen, das Klima schützen und die Abhängigkeit von Öl reduzieren.

Alles nachvollziehbare Anliegen.

Doch die Umsetzung hatte etwas von einem Kindergeburtstag, bei dem plötzlich einer entscheidet, dass er jetzt König ist, weil er sich eine Krone aus Pappe aufgesetzt hat.

"Tempo 100 ist jetzt eingeführt!"

"Von wem?"

"Von mir."

"Ach so."

Interessanterweise reagierten die Autofahrer laut Berichten überhaupt nicht auf die Aktion.

Und das ist vielleicht der schönste Teil der Geschichte.

Da hängen Aktivisten in schwindelerregender Höhe.

Da werden Schilder überklebt.

Da wird Geschichte geschrieben.

Da wird symbolisch die Verkehrspolitik revolutioniert.

Und die Autofahrer?

Sie fahren einfach weiter.

Niemand hupt.

Niemand applaudiert.

Niemand dreht um.

Niemand ruft: "Endlich!"

Die durchschnittliche Reaktion bestand offenbar aus:

"Hm."

Und anschließendem Weiterfahren.

Das muss man sich vorstellen.

Monatelange Planung.

Organisation.

Pressearbeit.

Früh aufstehen.

Klettern.

Aufkleben.

Interviews geben.

Und dann die öffentliche Resonanz eines abgestellten Toasters.

Ein Kommunikationsdesaster von epischer Größe.

Besonders faszinierend finde ich die dahinterliegende Philosophie.

Die Bundesregierung handelt nicht schnell genug?

Dann handeln wir eben selbst.

Ein Ansatz, der theoretisch auf viele Lebensbereiche übertragbar wäre.

Wenn mein Paket nicht pünktlich kommt, erkläre ich mich selbst zum DHL-Vorstand.

Wenn die Bahn Verspätung hat, klebe ich einfach einen Fahrplan an den Zug und behaupte, er sei pünktlich.

Wenn mein Kontostand zu niedrig ist, überklebe ich die Zahl mit einer größeren.

Problem gelöst.

Wirtschaftswissenschaftler hassen diesen Trick.

Besonders beeindruckend war die Aussage, man habe Tempo 100 "eingeführt".

Das Wort ist sensationell gewählt.

Eingeführt.

Nicht gefordert.

Nicht vorgeschlagen.

Nicht symbolisch dargestellt.

Eingeführt.

Als wäre irgendwo ein Verkehrsminister morgens aufgewacht und hätte festgestellt:

"Moment mal. Wer hat eigentlich gestern Nacht die Autobahnen umgebaut?"

Stellen Sie sich die nächste Kabinettssitzung vor.

"Meine Damen und Herren, es gibt Neuigkeiten."

"Welche?"

"Das Tempolimit wurde eingeführt."

"Von wem?"

"Greenpeace."

"Wie?"

"Mit Aufklebern."

"Ach so. Dann ist das wohl rechtskräftig."

Deutschland 2026.

Ein Land, in dem Digitalisierung oft scheitert, aber Klebefolie politische Prozesse beschleunigt.

Ich sehe bereits neue Berufsbilder entstehen.

Statt Lobbyisten gibt es künftig Schilddesigner.

Statt Ministerien gibt es Sticker-Abteilungen.

Statt Gesetzesblättern erscheinen Kataloge für wetterfeste Klebefolien.

Die Zukunft ist selbstklebend.

Natürlich bleibt die Frage, wie weit dieses Prinzip noch gehen kann.

Vielleicht erleben wir bald weitere Reformen.

Tempo 80 in Innenstädten, weil jemand eine Acht über die Drei geklebt hat.

Renteneintritt mit 35 durch geschickte Verwendung eines Filzstiftes.

Haushaltsüberschüsse durch Überkleben von Minuszeichen.

Und die deutsche Fußballnationalmannschaft wird Weltmeister, sobald jemand die Anzeigetafel entsprechend dekoriert.

Die Möglichkeiten sind unbegrenzt.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass Deutschland immer wieder überrascht.

Andere Länder entwickeln Hochtechnologie.

Wir entwickeln politische Klebekunst.

Andere Nationen schicken Menschen ins All.

Wir schicken Aktivisten auf Verkehrsschilder.

Andere Staaten ändern Gesetze.

Wir ändern Schilder.

Und vielleicht liegt genau darin die wahre deutsche Ingenieurskunst.

Denn während Politiker noch diskutieren, Experten noch rechnen und Ausschüsse noch tagen, hat irgendwo bereits jemand einen Aufkleber bestellt.

Und wenn die Geschichte eines Tages auf diese Epoche zurückblickt, wird sie vielleicht feststellen:

Das Zeitalter der großen Reformen begann nicht mit einer Abstimmung.

Sondern mit einer Rolle wetterfester Klebefolie.

Und das, meine Freunde, ist wahrscheinlich die deutscheste Revolution aller Zeiten.

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Tags: Deutschland Autobahn Verkehrspolitik Klimapolitik Greenpeace Tempolimit Tempo100
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