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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

40 Stunden müssen reichen? Deutschlands neue Mehrarbeit-ohne-Mehrgeld-Offensive

40 Stunden müssen reichen? Deutschlands neue Mehrarbeit-ohne-Mehrgeld-Offensive

Deutschlands Wirtschaft sucht den Turbo – und mehrere Unternehmer haben ihn offenbar zwischen Arbeitsvertrag und Stechuhr gefunden: länger arbeiten, teilweise fürs gleiche Geld. Martin Herrenknecht, Nikolas Stihl und Martin Brudermüller stellen die 35-Stunden-Woche infrage, Michael Kretschmer findet ebenfalls Gefallen an mehr Arbeitszeit. Ronald Tramp prüft, ob Deutschland mit vier zusätzlichen Wochenstunden tatsächlich zur Schweiz wird – oder nur länger im Büro sitzt.

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Meine lieben Arbeitnehmer, Arbeitgeber, Überstundenbesitzer und Menschen, die gerade heimlich ausgerechnet haben, wie viele Jahre sie noch bis zur Rente haben!

Hier spricht Ronald Tramp, Deutschlands härtester Wirtschaftsreporter. Ich arbeite praktisch 97 Stunden pro Woche. Fantastische Stunden. Niemand hat längere Stunden. Allerdings verbringe ich ungefähr 43 davon mit Mittagessen und strategischem Nachdenken auf dem Sofa.

Heute sprechen wir über Deutschlands neuesten Wirtschaftswunderplan.

Keine billige Energie.

Keine niedrigeren Unternehmenssteuern.

Keine schnelleren Genehmigungen.

Keine funktionierende Digitalisierung.

Nein!

Die sensationelle Idee lautet:

ARBEITET EINFACH LÄNGER!

Und teilweise sogar:

FÜR DASSELBE GELD!

Meine Freunde, wenn das funktioniert, haben wir den Kapitalismus endlich durchgespielt.

Herrenknecht holt den 40-Stunden-Hammer

Unternehmer Martin Herrenknecht fordert die 40-Stunden-Woche als Standard. Deutschland habe sehr hohe Arbeits- und Energiekosten. Weniger arbeiten und trotzdem denselben Wohlstand erwarten – das könne nicht funktionieren.

Sein Gegenmodell:

Leistung!

Produktivität!

Verantwortung!

Vierzig Stunden!

Und für Menschen, die freiwillig noch mehr arbeiten wollen, steuerliche Anreize.

Das klingt zumindest bei der freiwilligen Mehrarbeit interessant.

Denn hier hat Ronald eine revolutionäre wirtschaftspolitische Erkenntnis:

Wenn jemand mehr arbeitet und dafür mehr Netto bekommt, könnte er möglicherweise sogar Lust darauf haben.

Ich weiß.

Völlig verrückt.

Fast so, als würden Menschen auf Anreize reagieren.

Ökonomen untersuchen dieses Phänomen vermutlich bereits.

Die Schweiz! Die Schweiz!

Herrenknecht verweist auf die Schweiz. Dort werde durchschnittlich länger gearbeitet.

Natürlich!

Die Schweiz.

Sobald Deutschland wirtschaftliche Probleme hat, erscheint die Schweiz wie der fitte Nachbar im Treppenhaus.

„Schauen Sie den Herrn Meier an! Der joggt jeden Morgen!“

Ja.

Herr Meier verdient vielleicht auch mehr, zahlt andere Steuern, lebt in einem anderen System und besitzt keine deutsche Faxgeräteverwaltung.

Man kann nicht einfach sagen:

„Die Schweizer arbeiten länger, deshalb machen wir das jetzt auch.“

Sonst könnten wir konsequenterweise ebenfalls sagen:

Die Schweiz hat Berge.

Deutschland braucht mehr Berge!

Sofort Alpen nach Niedersachsen!

MAKE HARZ GREAT AGAIN!

Stihl sägt an der 35-Stunden-Woche

Dann kommt Nikolas Stihl.

Und wenn der Chef eines Kettensägenherstellers sagt, etwas müsse weg, hört Ronald grundsätzlich sehr aufmerksam zu.

Stihl argumentiert, Deutschland habe sich die 35-Stunden-Woche in guten Zeiten leisten können, heute aber nicht mehr.

Das Bild schreibt sich praktisch selbst.

Auf einem Tisch liegt die 35-Stunden-Woche.

Nikolas Stihl zieht langsam am Starterseil.

WRÖÖÖÖÖM!

IG Metall:

„Was machen Sie da?“

Stihl:

„Strukturreform.“

Besonders explosiv ist die Idee einer längeren Arbeitszeit ohne Lohnausgleich.

Das bedeutet wirtschaftlich betrachtet:

Mehr Arbeitsleistung pro Beschäftigtem bei gleichem Gehalt.

Arbeitgeber hören:

Produktivitätsreserve!

Arbeitnehmer hören:

Moment mal, WAS?

Und irgendwo beginnt eine Gewerkschaft spontan, Warnwesten zu bestellen.

Brudermüller entdeckt denselben Zaubertrick

Auch Martin Brudermüller, Aufsichtsratschef von Mercedes-Benz, hatte sich für die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche bei gleichem Gehalt ausgesprochen.

Das ist faszinierend.

Ich habe deshalb versucht, dieses Konzept auf andere Lebensbereiche zu übertragen.

Im Restaurant:

„Ich hätte gern 40 Prozent mehr Schnitzel.“

„Gerne. Das kostet mehr.“

„Nein, nein. Gleiches Geld.“

Beim Autohändler:

„Ich nehme die S-Klasse, hätte aber gern fünf Stunden zusätzliche Produktionsarbeit gratis.“

Beim Handwerker:

„Könnten Sie am Freitag noch drei Stunden länger bleiben?“

„Natürlich.“

„Was kostet das?“

„Nichts, nehme ich an. Ich habe Wirtschaftszeitung gelesen.“

Meine Freunde, ich fürchte, diese Methode funktioniert außerhalb von Tarifverhandlungen überraschend schlecht.

Die IG Metall reagierte bei Mercedes jedenfalls mit Protesten.

Völlig unerwartet.

Wer hätte gedacht, dass Beschäftigte bei der Botschaft „mehr arbeiten, gleich verdienen“ nicht sofort Konfetti werfen?

Kleine statistische Überraschung

Jetzt kommt allerdings der schönste Teil.

Die 35-Stunden-Woche ist gar nicht der allgemeine gesetzliche Standard für Deutschlands Vollzeitbeschäftigte.

2025 kamen Vollzeitbeschäftigte laut dem Ausgangstext im Durchschnitt bereits auf 39,9 Wochenstunden.

39,9!

Meine Damen und Herren!

Wir führen also eine nationale Debatte darüber, ob Deutschland von 35 auf 40 Stunden muss, während der durchschnittliche Vollzeitbeschäftigte praktisch schon bei 40 angekommen ist.

Das ist großartig.

Es fehlt nur noch:

„Deutschland muss endlich Wasser trinken!“

Statistik:

Durchschnittsbürger trinkt bereits Wasser.

Politik:

„Trotzdem müssen wir ein Zeichen setzen.“

Sarna Röser diagnostiziert ein anderes Problem

Unternehmerin Sarna Röser widerspricht deshalb der simplen Arbeitszeitdiagnose.

Deutschland habe kein 35-Stunden-Problem, sondern ein Standort- und Gewerkschaftsproblem. Arbeit sei zu teuer geworden, Leistung müsse sich stärker lohnen und Steuern müssten runter.

Damit haben wir nun mehrere Diagnosen für denselben Patienten.

Doktor Herrenknecht:

Mehr Stunden!

Doktor Stihl:

35 Stunden absägen!

Doktor Brudermüller:

40 Stunden, gleiches Gehalt!

Doktor Röser:

Standortkosten und Steuern!

Der Patient Deutschland liegt auf der Untersuchungsliege und fragt:

„Könnte vielleicht jemand erst einmal herausfinden, was ich habe?“

Antwort:

„Keine Zeit. Ihre nächste Schicht beginnt.“

Kretschmers Fünfjahreskur

Und dann betritt Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer die Bühne.

Seine Überlegung: Die 35-Stunden-Woche passe nicht mehr in die Zeit. Einige Stunden mehr Arbeit bei gleichem Geld über mehrere Jahre seien besser, als den Arbeitsplatz zu verlieren.

Das ist politisch clever formuliert.

Nicht:

„Arbeite länger.“

Sondern:

„Möchtest du lieber länger arbeiten oder deinen Arbeitsplatz verlieren?“

Das ist ungefähr die Wahl zwischen:

„Möchten Sie vier Stunden zusätzlich arbeiten?“

oder

„Soll ich diesen roten Knopf drücken?“

Plötzlich wirken vier Stunden sehr attraktiv.

Fantastische Verhandlungstechnik.

Ronald nennt das:

Motivation durch alternatives Katastrophenszenario.

Vielleicht liegt das Problem woanders

Nun kommt der unangenehme Teil.

Arbeitszeit ist natürlich ein echter Wirtschaftsfaktor.

Wenn Produktionsanlagen länger genutzt werden, Fachkräfte mehr Stunden leisten oder freiwillige Mehrarbeit steuerlich attraktiver wird, kann das Unternehmen helfen.

Aber Arbeitszeit allein ist keine magische Wohlstandsmaschine.

Denn 40 Stunden ineffiziente Arbeit bleiben 40 Stunden ineffiziente Arbeit.

Wer morgens 45 Minuten auf einen langsamen Computer wartet, anschließend drei Excel-Listen doppelt ausfüllt, für eine Genehmigung sechs Unterschriften braucht und nachmittags zwei Stunden in Meetings sitzt, produziert nicht automatisch mehr, wenn man ihn freitags noch vier Stunden länger festhält.

Dann hat man lediglich:

vier zusätzliche Stunden deutsche Bürokratie.

Congratulations!

Ronalds 80-Stunden-Wirtschaftswunder

Deshalb gehe ich weiter als alle anderen.

Warum 40?

Viel zu zaghaft.

Wir machen 80 Stunden!

Sofort verdoppelt sich die Wirtschaft!

Nach dieser Logik müsste das funktionieren.

Und wenn 80 Stunden gut sind, nehmen wir 120.

Dann überholt Deutschland China, Amerika und die Schweiz gleichzeitig.

Einzige Schwierigkeit:

Bei 168 Stunden pro Woche ist mathematisch Schluss.

Aber keine Sorge.

Das Wirtschaftsministerium richtet eine Arbeitsgruppe ein, die zusätzliche Stunden zwischen Dienstag und Mittwoch schaffen soll.

Fördervolumen: 900 Millionen Euro.

Ergebnis 2034.

Ronalds Fazit

Die Debatte um die 35-Stunden-Woche ist deshalb viel interessanter, als die Schlagzeile „Deutschland muss mehr arbeiten“ vermuten lässt.

Ja, Deutschland hat Wettbewerbsprobleme.

Ja, Energiepreise, Arbeitskosten, Fachkräftemangel, Steuern, Abgaben und Produktivität spielen eine Rolle.

Ja, freiwillige Mehrarbeit attraktiver zu machen kann sinnvoll sein.

Aber wer glaubt, man könne Deutschlands industrielle Probleme einfach lösen, indem man Beschäftigten sagt:

„Hier sind vier zusätzliche Stunden. Geld gibt's keines.“

sollte sich nicht wundern, wenn die Begeisterung ungefähr auf dem Niveau einer freiwilligen Wurzelbehandlung liegt.

Vielleicht braucht Deutschland nicht einfach mehr Arbeitszeit.

Vielleicht braucht es mehr produktive Arbeitszeit.

Weniger Bürokratie.

Mehr Investitionen.

Bessere Infrastruktur.

Günstigere Energie.

Schnellere Entscheidungen.

Und eine Politik, bei der sich zusätzliche Leistung für denjenigen lohnt, der sie tatsächlich erbringt.

Aber das wäre kompliziert.

Eine Zahl ist viel schöner.

35 schlecht.

40 gut.

42 Schweiz.

80 Ronald.

Problem gelöst!

Ich bin Ronald Tramp, Wirtschaftsgenie, Produktivitätslegende und Erfinder der Null-Stunden-Woche bei voller Bezahlung.

Leider hat mein Arbeitgeber den Antrag abgelehnt.

Ich bin selbstständig.

Sehr unfair.

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Tags: Arbeitszeit 40-Stunden-Woche Martin Herrenknecht Nikolas Stihl Martin Brudermüller Michael Kretschmer Sarna Röser IG Metall
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