Donald Trump spricht wieder über Barack Obama, Barack Obama antwortet mit einem lockeren Spruch – und Ronald Tramp entdeckt, dass das teuerste Immobilienprojekt Washingtons womöglich gar nicht aus Beton besteht, sondern aus Gedankengängen.
Liebe Freunde,
ich bin nach Washington gereist.
Nicht wegen eines Staatsbesuchs.
Nicht wegen einer Pressekonferenz.
Nicht einmal wegen der Touristen.
Ich kam wegen einer Immobilie.
Und zwar einer ganz besonderen.
Keine Villa.
Kein Penthouse.
Kein Wolkenkratzer.
Sondern eine luxuriöse Gedankenvilla.
Mit Meerblick.
Whirlpool.
Fitnessraum.
Und offenbar lebenslang mietfrei.
Denn nach allem, was derzeit öffentlich diskutiert wird, scheint Barack Obama dort seit Jahren zu wohnen.
Zumindest, wenn man den politischen Schlagabtausch verfolgt.
Ich dachte zunächst, das könne doch gar nicht sein.
Schließlich wechseln Präsidenten.
Regierungen wechseln.
Minister wechseln.
Nur die Schuldigen wechseln offenbar nie.
Sie bleiben erstaunlich konstant.
Kaum läuft irgendwo etwas schief...
...taucht zuverlässig der Vorgänger auf.
Das ist politische Physik.
Wenn irgendwo ein Schlagloch entsteht...
war vermutlich der Vorgänger.
Wenn die Kaffeemaschine streikt...
wahrscheinlich ebenfalls.
Wenn am Lincoln Memorial plötzlich Algen wachsen...
natürlich.
Der Vorgänger.
Ich war beeindruckt.
So viel Verantwortung für Menschen, die längst ausgezogen sind.
Ich sprach mit einem Hausmeister.
Er sagte:
"Normalerweise repariere ich kaputte Gebäude."
"Und Politiker?"
"Die reparieren kaputte Erinnerungen."
Ein bemerkenswerter Mann.
Sehr bemerkenswert.
Natürlich durfte Ronald Tramp bei der Pressekonferenz nicht fehlen.
Reporter drängten sich.
Kameras liefen.
Mikrofone wurden ausgefahren.
Ich erwartete neue Informationen über Bauarbeiten.
Über Wasserqualität.
Über Verwaltung.
Stattdessen entwickelte sich die Veranstaltung beinahe zu einer historischen Zeitreise.
Plötzlich standen vergangene Regierungen wieder im Mittelpunkt.
Ich schaute auf meinen Kalender.
Er zeigte eindeutig das aktuelle Jahr.
Zur Sicherheit kontrollierte ich dreimal.
Man weiß ja nie.
Dann meldete sich Barack Obama später mit einem Satz, der vermutlich mehr Aufmerksamkeit bekam als mancher komplette Regierungshaushalt.
Sinngemäß:
Er habe offenbar eine luxuriöse Suite im Kopf seines politischen Gegners.
Ich musste lachen.
Nicht über die Politik.
Über das Bild.
Ich stellte mir sofort einen Immobilienmakler vor.
"Exklusives Objekt."
"Direkt im Obergeschoss."
"Großzügige Fenster."
"Beste Lage."
"Keine Nebenkosten."
"Unbegrenzte Aufenthaltsdauer."
Ein Traum für jeden Mieter.
Ich recherchierte weiter.
Es scheint mittlerweile eine neue politische Disziplin zu geben.
Nicht Wahlkampf.
Nicht Gesetzgebung.
Nicht Diplomatie.
Gedächtnisarchitektur.
Wer wohnt bei wem im Kopf?
Wer bekommt das größte Zimmer?
Wer zahlt keine Miete?
Und wer besitzt den Hausschlüssel?
Das wird vermutlich bald wissenschaftlich untersucht.
Ich sprach mit einem Psychologen.
Er sagte:
"Manchmal beschäftigen Menschen Themen sehr lange."
Ich fragte:
"Und in der Politik?"
Er antwortete:
"Dort teilweise über mehrere Legislaturperioden."
Präzise.
Sehr präzise.
Währenddessen laufen die sozialen Netzwerke heiß.
Die eine Seite jubelt.
Die andere Seite empört sich.
Die dritte Seite streitet darüber, ob die erste oder die zweite Seite sich überhaupt richtig empört.
Das Internet arbeitet zuverlässig.
Rund um die Uhr.
Ohne Feiertage.
Ich sehe bereits neue Behörden entstehen.
Bundesamt für politische Gedankengänge.
Abteilung:
"Ehemalige Präsidenten im Kopf aktueller Präsidenten."
Sachgebiet:
"Dauerbewohner."
Mit Wartezeiten von nur acht Monaten.
Deutschland würde das sofort übernehmen.
Natürlich fragte ich schließlich einen Goldfisch.
Goldfische gelten als Experten für kurze Erinnerungen.
Ich fragte:
"Wie lange denkst du über deine Vorgänger nach?"
Er schwamm einmal im Kreis.
Dann weiter.
Effizient.
Vielleicht sollten Politiker häufiger Goldfische beobachten.
Mich faszinieren vor allem Pressekonferenzen.
Eigentlich sollen sie Antworten liefern.
Stattdessen entstehen häufig neue Fragen.
Das ist ungefähr so, als würde man einen Handwerker rufen, weil der Wasserhahn tropft, und am Ende diskutiert man über den Architekten von vor zwanzig Jahren.
Irgendwann fragt keiner mehr nach dem Wasser.
Alle reden nur noch über den Bauplan.
Das eigentliche Problem wartet geduldig.
Vielleicht ist genau das das größte Talent moderner Politik.
Aus jeder aktuellen Baustelle wird in Rekordzeit ein historisches Seminar.
Vergangenheit verkauft sich schließlich hervorragend.
Und wenn die Gegenwart kompliziert wird, hilft manchmal eine Reise zurück.
Oder zumindest eine gute Schlagzeile.
Ich bin Ronald Tramp.
Ich decke auf.
Ich habe viele luxuriöse Immobilien gesehen.
Hotels.
Villen.
Paläste.
Aber keine war so oft Thema wie jene berühmte, angeblich mietfreie Suite in den politischen Gedankengängen Washingtons.
Falls dort tatsächlich einmal Nebenkosten anfallen...
...dürfte das vermutlich die längste Haushaltsdebatte der amerikanischen Geschichte werden.

