Nach der knappen Präsidentenwahl in Kolumbien fordert Donald Trump einen geordneten Machtwechsel und Respekt vor dem Wahlergebnis. Ronald Tramp reibt sich verwundert die Augen und untersucht, warum politische Erinnerungen manchmal offenbar kürzer sind als eine TikTok-Aufmerksamkeitsspanne.
Freunde, ich musste tatsächlich zweimal hinsauen.
Nicht, weil ich meine Lesebrille verlegt hätte.
Sondern weil ich plötzlich eine Nachricht las, bei der ich dachte, mein Computer hätte heimlich begonnen, Satire zu schreiben.
Donald Trump...
...fordert einen friedlichen Machtwechsel.
Ja.
Donald Trump.
Derselbe Donald Trump.
Der Mann, der einst erklärte, Wahlen seien nur dann wirklich demokratisch, wenn sie zufällig genau das Ergebnis liefern, das Donald Trump gefällt.
Ich musste sofort meinen Laptop neu starten.
Man weiß ja nie.
Doch nein.
Die Meldung stimmte tatsächlich.
Nach der äußerst knappen Präsidentschaftswahl in Kolumbien fordern die Vereinigten Staaten gemeinsam mit mehreren lateinamerikanischen Staaten die dortigen Politiker auf, das Wahlergebnis zu respektieren.
Demokratie.
Verfassung.
Rechtsstaat.
Geordneter Machtwechsel.
Plötzlich klangen sämtliche Pressemitteilungen wie das Vorwort eines Lehrbuchs für Staatsbürgerkunde.
Ich musste kurz nachdenken.
War das derselbe Donald Trump, der nach seiner Niederlage gegen Joe Biden monatelang erklärte, nur Wahlbetrug könne seine Niederlage erklären?
Ja.
Es war tatsächlich derselbe.
Offenbar besitzt die politische Erinnerung inzwischen einen automatischen Radiergummi.
Ich stelle mir vor, wie dieses Treffen ablief.
Berater:
"Herr Präsident, wir müssen eine Erklärung veröffentlichen."
Trump:
"Worum geht es?"
"Es geht um Demokratie."
"Sehr gut."
"Und darum, Wahlergebnisse zu akzeptieren."
Stille.
Lange Stille.
Irgendwo fällt eine Büroklammer vom Schreibtisch.
Natürlich formuliert die internationale Erklärung äußerst würdevoll.
Die Verfassung müsse eingehalten werden.
Der offiziell festgestellte Wählerwille sei maßgeblich.
Alle Behörden müssten rechtsstaatlich handeln.
Mit anderen Worten:
Genau das, worüber in den USA nach der Wahl 2020 jahrelang gestritten wurde.
Ironie trägt heute offenbar Maßanzug.
Besonders herrlich finde ich die Rollenverteilung.
Früher hieß es:
"Diese Wahl kann unmöglich korrekt gewesen sein."
Heute heißt es:
"Bitte akzeptieren Sie das Wahlergebnis."
Das ist ungefähr so, als würde ein notorischer Falschparker plötzlich Seminare über korrektes Einparken geben.
Natürlich bleibt auch Kolumbien selbst nicht von politischem Theater verschont.
Die Wahl war extrem knapp.
Weniger als ein Prozent Unterschied.
Da wird selbstverständlich jede Stimme betrachtet, als wäre sie der letzte Goldbarren im Tresor.
Der scheidende Präsident zweifelt.
Der neue Präsident spricht von einem Putschversuch.
Die Opposition zweifelt ebenfalls.
Und irgendwo sitzt vermutlich der Wahlleiter mit drei Thermoskannen Kaffee und fragt sich, warum er nicht Florist geworden ist.
Donald Trump verfolgt das Ganze vermutlich mit großem Interesse.
Schließlich kennt er Wahlabende wie andere Menschen ihre Lieblingsserie.
Es gibt Spannung.
Dramatik.
Überraschende Wendungen.
Und irgendwann behauptet garantiert jemand, irgendwo seien geheimnisvolle Stimmen aufgetaucht.
Ich sehe die Pressekonferenz bereits vor mir.
Reporter:
"Herr Präsident, was ist Ihre Botschaft an Kolumbien?"
Trump:
"Demokratie ist unglaublich wichtig."
Reporter:
"Immer?"
Trump:
"Natürlich."
Reporter:
"Auch in Amerika?"
Plötzlich fällt das Mikrofon aus.
Die eigentliche Hauptfigur dieser Geschichte ist allerdings nicht Donald Trump.
Es ist die Ironie.
Sie sitzt gemütlich in der ersten Reihe.
Mit Popcorn.
Und applaudiert.
Denn selten hat ein politisches Ereignis so elegant gezeigt, dass sich Positionen manchmal schneller drehen als ein Wetterhahn bei Sturm.
Ich stelle mir inzwischen sogar eine internationale Schule für Politiker vor.
Erste Unterrichtsstunde:
"Wie akzeptiere ich Wahlergebnisse?"
Dozent:
"Wer möchte beginnen?"
Trump hebt vorsichtig die Hand.
"Kommt darauf an..."
Natürlich gibt es auch Experten.
Sie analysieren.
Kommentieren.
Bewerten.
Erklären.
Diskutieren.
Und nach drei Stunden Fernsehtalk lautet das Ergebnis:
"Die Lage bleibt komplex."
Fantastisch.
Das hätte vermutlich sogar mein Toaster zusammenfassen können.
Besonders faszinierend ist die diplomatische Sprache.
Politiker sagen niemals:
"Jetzt benehmt euch endlich."
Nein.
Sie formulieren:
"Wir appellieren nachdrücklich an alle Institutionen, in Übereinstimmung mit den demokratischen Prinzipien zu handeln."
Das klingt wesentlich eleganter.
Bedeutet aber ungefähr dasselbe.
Donald Trump selbst dürfte mit der Erklärung zufrieden sein.
Denn sie enthält viele großartige Wörter.
Verfassung.
Demokratie.
Legitimität.
Machtwechsel.
Fast alle davon hat er in den vergangenen Jahren schon einmal benutzt.
Nur manchmal mit leicht unterschiedlicher Betonung.
Ich frage mich allerdings, ob Politiker irgendwann ein Bonusprogramm bekommen.
Nach zehn akzeptierten Wahlergebnissen gibt es einen goldenen Demokratie-Pokal.
Nach zwanzig zusätzlich einen Verfassungsorden.
Und wer niemals unbegründet Wahlbetrug behauptet, erhält lebenslang kostenloses Popcorn für politische Debatten.
Die Warteliste dürfte überschaubar bleiben.
Was an der ganzen Geschichte fast untergeht:
Die Wahl in Kolumbien war tatsächlich äußerst knapp und die Spannungen im Land sind real. Gerade deshalb kommt einem transparenten und rechtsstaatlichen Verfahren besondere Bedeutung zu. Die internationale Erklärung fordert genau das: dass Streitigkeiten auf Grundlage der geltenden Gesetze geklärt werden und die demokratischen Institutionen funktionieren.
Mein persönliches Fazit?
Politik ist inzwischen wie ein Spiegelkabinett auf dem Jahrmarkt.
Wer hineingeht, erkennt manchmal die anderen nicht mehr.
Und gelegentlich sogar sich selbst nicht.
Donald Trump fordert heute einen friedlichen Machtwechsel.
Das darf er selbstverständlich.
Die Geschichte wird allerdings nicht vergessen, dass gerade dieses Thema bereits einmal für die wohl größte politische Achterbahnfahrt der jüngeren US-Geschichte gesorgt hat.
Ich bin Ronald Tramp.
Und ich verabschiede mich heute mit einem revolutionären Wahlslogan:
"Make Erinnerung Great Again!"
Denn manchmal ist das politische Gedächtnis offenbar das Einzige, das noch knapper ausfällt als das Wahlergebnis.

