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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Der Tag, an dem die Hacker ihr Passwort vergaßen

Grafik: Microsoft dreht Hackern den Stecker raus

Microsoft, Europol und das BKA schlagen zurück: Tausende infizierte Computer werden befreit. Ronald Tramp berichtet vom Cyber-Fiasko der Hacker.

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Ronald Tramp berichtet vom größten Cyber-Krimi seit der Erfindung des Passworts „123456“.

Freunde, Computernutzer, Passwortvergesser und Menschen, die immer noch glauben, dass ihr Antivirenprogramm von 2017 völlig ausreichend ist:

Die Welt erlebt einen historischen Moment.

Einen gigantischen Moment.

Einen digitalen D-Day.

Einen Cyber-Tsunami.

Einen Hacker-Weltuntergang.

Denn Europol, das Bundeskriminalamt und Microsoft haben gemeinsam etwas geschafft, das bislang ungefähr so wahrscheinlich erschien wie ein störungsfreier Druckauftrag im öffentlichen Dienst.

Sie haben gewonnen.

Ja.

Gewonnen.

Gegen Cyberkriminelle.

Und zwar gewaltig.

Mehr als 200 sogenannte Command-and-Control-Server wurden abgeschaltet.

Über 18.000 infizierte Computer wurden befreit.

Und irgendwo auf diesem Planeten sitzen nun vermutlich mehrere Hacker vor schwarzen Bildschirmen und sagen:

"Moment mal ... warum funktioniert denn nichts mehr?"

Im Zentrum der Operation standen zwei berüchtigte Schadprogramme:

Amadey.

Und StealC.

Bereits diese Namen klingen wie die Teilnehmer einer besonders unseriösen Boyband.

"Hallo Berlin! Wir sind Amadey und StealC!"

Tatsächlich waren die beiden deutlich weniger musikalisch und deutlich mehr kriminell.

Amadey war für das Eindringen zuständig.

StealC kümmerte sich um das Stehlen.

Die Arbeitsteilung war vorbildlich.

Fast deutsch.

Fast schon konzernartig.

Wenn Cyberkriminalität eine Industrie wäre, hätten diese beiden vermutlich eigene Organigramme.

Abteilung Einbruch.

Abteilung Passwortklau.

Abteilung Datendiebstahl.

Abteilung Kundenunzufriedenheit.

Doch diesmal trafen sie auf einen Gegner, mit dem offenbar niemand gerechnet hatte:

Die Bürokratie.

Und Künstliche Intelligenz.

Eine Kombination, die ungefähr so wirkt wie Batman und ein Steuerberater.

Die Ermittler nutzten KI, um den Schadcode zu analysieren.

Früher dauerte das Tage.

Heute dauert es Minuten.

Minuten!

Die Hacker schrieben jahrelang komplizierten Schadcode.

Die KI antwortete ungefähr mit:

"Okay. Fertig. Nächster bitte."

Man stelle sich die Szene vor.

Cyberkrimineller:

"Wir haben sechs Monate an dieser Verschlüsselung gearbeitet."

KI:

"Interessant. Das waren 38 Sekunden."

Cyberkrimineller:

"..."

KI:

"Außerdem habt ihr in Zeile 147 einen Fehler."

Besonders bitter dürfte die Situation für die Täter sein, weil sie offenbar alles richtig gemacht hatten.

Die Schadsoftware funktionierte.

Die Infrastruktur funktionierte.

Die Angriffe funktionierten.

Allein in der ersten Maihälfte wurden über 140.000 Infektionen registriert.

140.000!

Das ist ungefähr die Einwohnerzahl einer mittelgroßen Stadt.

Oder die Zahl der Menschen, die täglich auf "Sie haben ein iPhone gewonnen" klicken.

Deutschland war dabei besonders beliebt.

Direkt hinter den USA.

Herzlichen Glückwunsch.

Bei Fußballweltmeisterschaften wäre Platz zwei großartig.

Bei Malware-Infektionen eher weniger.

Warum Deutschland so beliebt ist?

Die Antwort ist einfach.

Deutschland besitzt Millionen Computer.

Millionen Nutzer.

Und ungefähr 37 Millionen Menschen, die gelegentlich denken:

"Diese E-Mail von Prinz Horst aus Niederoberluxemburg sieht seriös aus."

Doch diesmal schlugen die Ermittler zurück.

Und zwar nicht langsam.

Nicht bürokratisch.

Nicht mit einem 400-seitigen Antrag.

Sondern schnell.

Sehr schnell.

Microsoft schaltete die Server ab.

Europol koordinierte.

Das BKA arbeitete mit.

Und plötzlich brach das digitale Kartenhaus zusammen.

Es muss ein wenig gewesen sein wie bei einer Fernbedienung, deren Batterien leer sind.

Die Hacker drückten auf ihre Knöpfe.

Die Computer reagierten nicht mehr.

Die Server antworteten nicht mehr.

Die Kontrolle war weg.

Panik.

Verwirrung.

Verzweiflung.

Und vermutlich zahlreiche Meetings mit schlechter Stimmung.

Besonders faszinierend ist die Vorstellung, dass die Cyberkriminellen selbst nun Opfer moderner Technologie geworden sind.

Jahrelang hörten wir:

"Künstliche Intelligenz wird die Welt verändern."

Viele Menschen dachten dabei an Roboter.

An autonome Fahrzeuge.

An sprechende Kühlschränke.

Niemand dachte an eine KI, die Cyberkriminellen die Geschäftsgrundlage zerstört.

Doch genau das geschah.

Und plötzlich wird klar:

Vielleicht ist die Zukunft gar nicht "Mensch gegen Maschine".

Vielleicht ist die Zukunft:

"Maschine gegen Malware."

Das klingt deutlich angenehmer.

Natürlich wird dies die Cyberkriminalität nicht beenden.

Kriminelle verschwinden nicht einfach.

Sie entwickeln neue Tricks.

Neue Schadsoftware.

Neue Methoden.

Neue Namen.

Vermutlich arbeiten irgendwo bereits die Nachfolger.

Vielleicht heißen sie:

StealD.

MegaSteal.

Oder PasswordMcPasswordface.

Doch für einen Moment hat die gute Seite gewonnen.

Ein seltenes Ereignis im Internet.

Normalerweise liest man dort:

"Hacker stehlen Daten."

"Hacker erbeuten Millionen."

"Hacker legen Systeme lahm."

Diesmal lautet die Schlagzeile:

"Hacker verlieren."

Und das ist ungefähr so ungewöhnlich wie ein Kommentarbereich voller Höflichkeit.

Am Ende bleibt festzuhalten:

Über 18.000 Computer wurden befreit.

200 Server wurden abgeschaltet.

Eine der größten Cyberoperationen der letzten Jahre war erfolgreich.

Und irgendwo sitzt nun ein ehemaliger Cyberkrimineller vor seinem Bildschirm und fragt sich:

"Hat jemand das WLAN kaputtgemacht?"

Nein.

Microsoft, Europol und das BKA waren einfach schneller.

Und das passiert Hackern offenbar genauso ungern wie allen anderen Menschen.

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Tags: BKA Cyberkriminalität Microsoft StealC Amadey Malware Europol
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