Historischer Jubel für Bosnien, Sambafußball aus Brasilien und wilde K.-o.-Rechnereien: Ronald Tramp berichtet vom verrücktesten WM-Tag des Turniers.
Ronald Tramp berichtet exklusiv vom verrücktesten Fußballtag seit der Erfindung des Abseits.
Freunde, Fußballfans, Sofatrainer und Menschen, die nach jedem Spiel überzeugt sind, den besseren Matchplan gehabt zu haben:
Die Weltmeisterschaft ist offiziell eskaliert.
Nicht auf dem Platz.
Nicht auf den Tribünen.
Sondern in den Köpfen.
Denn was sich in den letzten Stunden abgespielt hat, war kein normaler Fußballtag mehr.
Es war ein internationales Festival der Emotionen.
Beginnen wir mit Bosnien und Herzegowina.
Dort wurde Geschichte geschrieben.
Nicht irgendwie.
Nicht ein kleines Kapitel.
Nein.
Zum ersten Mal überhaupt zieht Bosnien in die K.-o.-Runde einer Fußball-Weltmeisterschaft ein.
Und das Beste daran?
Die Mannschaft wusste es zunächst gar nicht.
Ja.
Sie gewann gegen Katar.
Freute sich.
Duschte vermutlich.
Aß vielleicht einen Müsliriegel.
Und erst Stunden später sagte die FIFA:
"Übrigens ... ihr seid weiter."
Das ist ungefähr so, als würde man nach einer Mathearbeit nach Hause gehen und drei Stunden später klingelt jemand:
"Herzlichen Glückwunsch, Sie haben übrigens den Nobelpreis gewonnen."
Edin Dzeko jubelte.
Kerim Alajbegovic war sprachlos.
Ganz Bosnien feierte.
Und Ronald Tramp natürlich auch.
Denn Fußball ist am schönsten, wenn selbst die Spieler nicht wissen, was gerade passiert.
Als nächstes Deutschland.
Mario Götze meldete sich zu Wort.
Der Held von Rio.
Die Legende.
Der Mann, dessen linker Fuß vermutlich inzwischen unter Denkmalschutz steht.
Sein Rat an Bundestrainer Julian Nagelsmann:
"Rotieren."
Ein paar Spieler raus.
Ein paar Spieler rein.
Alle glücklich machen.
Eine wunderbare Idee.
Warum auch nur elf Fußballer einsetzen?
Ich fordere seit Jahren eine komplette demokratische Rotation.
Jeder Spieler erhält genau 8 Minuten.
Torwart inklusive.
Vielleicht sogar der Busfahrer.
Denn schließlich soll Teamgeist entstehen.
Wenn schon Rotation, dann richtig.
Ich persönlich würde sogar Maskottchen einsetzen.
Vielleicht schießt das Maskottchen ja das entscheidende Tor.
Man weiß nie.
Götze verteilte außerdem Lob an Nathaniel Brown.
Ein netter Kerl.
Ein guter Spieler.
Ein großes Talent.
Im Fußball gibt es bekanntlich zwei Arten von Komplimenten.
"Er ist Weltklasse."
Oder:
"Ein netter Kerl."
Nathaniel bekam beides fast gleichzeitig.
Besser wird es nicht.
Doch dann kam Brasilien.
Und Brasilien machte Brasilien-Dinge.
Vinicius Junior spielte Fußball, als hätte jemand die Schwerkraft vorübergehend abgeschaltet.
Schottland wurde mit 3:0 besiegt.
Die Fans tanzten.
Miami bebte.
Und schließlich ertönte aus den Rängen ein Ruf, der lauter war als sämtliche Stadionlautsprecher:
"Neymar!"
"Neymar!"
"Neymar!"
Trainer Carlo Ancelotti konnte nicht anders.
Er brachte Neymar.
Das Stadion explodierte.
Nicht wörtlich.
Zum Glück.
Neymar lief ein.
Ganz Brasilien jubelte.
Vermutlich jubelten sogar einige Menschen, die gar kein Fußball mögen.
So etwas passiert nur bei Brasilien.
Schottland hingegen kämpfte tapfer.
Sehr tapfer.
Unglaublich tapfer.
Leider kämpften sie gleichzeitig gegen Brasilien.
Das ist ungefähr so fair wie ein Schachspiel gegen einen Computer mit unbegrenzter Rechenleistung.
Die "Bravehearts" gaben alles.
Sie rannten.
Sie grätschten.
Sie hofften.
Doch Vinicius hatte offenbar beschlossen, heute sämtliche schottischen Albträume persönlich zu verwirklichen.
Dann Marokko.
Was für ein Spiel!
4:2 gegen Haiti.
Ein Spiel voller Tore.
Hackentreffer.
Fernschüsse.
Drehschüsse.
Abgefälschte Bälle.
Kurz gesagt:
Fußball für Menschen mit hohem Puls.
Dabei begann alles überraschend.
Haiti ging in Führung.
Die marokkanischen Fans schauten sich gegenseitig an und dachten vermutlich:
"War das so geplant?"
Nein.
War es nicht.
Doch Marokko antwortete.
Dann Haiti.
Dann wieder Marokko.
Es entwickelte sich ein Spiel, das ungefähr so geordnet verlief wie ein Kindergeburtstag mit Espresso.
Besonders beeindruckend war Ismael Saibari.
Der Mann spielt derzeit offenbar so gut, dass selbst Transfergerüchte schon nervös werden.
Jedes Mal, wenn er den Ball berührt, schreibt wahrscheinlich irgendein Sportdirektor bereits einen neuen Vertrag.
Und dann Haiti.
Was für ein mutiger Auftritt!
Obwohl das Team bereits ausgeschieden war, spielte es munter nach vorne.
Genau das ist Fußball.
Manchmal gewinnt man.
Manchmal verliert man.
Und manchmal zwingt man einen Favoriten dazu, mehrere Herztabletten einzuwerfen.
So sieht Leidenschaft aus.
Die Weltmeisterschaft entwickelt sich inzwischen zu einem einzigen großen Überraschungspaket.
Bosnien zieht erstmals weiter.
Brasilien tanzt.
Deutschland plant Rotation.
Marokko liefert Spektakel.
Schottland hofft.
Und irgendwo sitzt ein FIFA-Mathematiker mit sieben Taschenrechnern gleichzeitig und versucht auszurechnen, welcher Gruppendritte nun gegen wen spielt.
Niemand beneidet diesen Mann.
Am Ende bleibt festzuhalten:
Diese WM liefert alles.
Geschichte.
Emotionen.
Tore.
Überraschungen.
Rechenaufgaben.
Und Ronald Tramp ist überzeugt:
Sollte dieses Turnier noch verrückter werden, wird die FIFA demnächst selbst eine KI benötigen, um ihre eigenen Tabellen zu verstehen.
Bis dahin genieße ich jede Minute.
Denn genau so muss Fußball sein.
Chaotisch.
Spektakulär.
Unberechenbar.
Und immer großartig genug, damit am nächsten Morgen die ganze Welt darüber diskutiert.

