Ein Parteitag, ein Mittelfinger und ein Rekordergebnis: Ronald Tramp untersucht, wie Windkraft plötzlich zur internationalen Gestensprache wurde.
Liebe Freunde der gepflegten Demokratie, Liebhaber politischer Redekunst und Menschen, die bisher dachten, ein Mittelfinger sei eher etwas für den Feierabendverkehr als für Parteitage – ich habe sensationelle Nachrichten.
Die deutsche Politik hat eine neue Geheimwaffe entdeckt.
Nicht Steuersenkungen.
Nicht Bürokratieabbau.
Nicht funktionierende Bahnhöfe.
Nein.
Den Mittelfinger.
Und zwar nicht irgendeinen Mittelfinger.
Den klimaneutralen, nachhaltigen, CO₂-reduzierten Premium-Mittelfinger mit Windkraftantrieb.
Die Geschichte beginnt in Troisdorf. Ein Ort, der bis vor Kurzem hauptsächlich dafür bekannt war, dass viele Menschen nicht genau wussten, ob Troisdorf nun eigentlich Bonn, Köln oder bereits das Ruhrgebiet ist.
Doch nun schreibt Troisdorf Geschichte.
Denn dort trat Tim Achtermeyer zur Wiederwahl als Landesvorsitzender der Grünen NRW an.
Ein klassischer Parteitag.
Menschen sitzen auf Stühlen.
Menschen halten Reden.
Menschen applaudieren.
Menschen trinken Kaffee, der ungefähr so schmeckt wie die politische Mitte: völlig unauffällig.
Doch dann geschah etwas.
Etwas Großes.
Etwas Historisches.
Etwas, das zukünftige Politikwissenschaftler vermutlich noch in hundert Jahren analysieren werden.
Achtermeyer sprach über Hoffnung.
Über Mut.
Über Veränderung.
Über Politik.
Die üblichen Dinge also.
Doch plötzlich kam der Iran ins Spiel.
Dann die Energiepolitik.
Dann die Windkraft.
Und dann – völlig unerwartet – der Mittelfinger.
Freunde, ich war nicht dort.
Aber ich stelle es mir ungefähr so vor:
Irgendwo im Publikum sitzt ein Delegierter.
Er rechnet mit Zahlen.
Mit Klimazielen.
Mit Energiequoten.
Vielleicht sogar mit einer PowerPoint-Präsentation.
Und plötzlich hebt der Kandidat den Finger.
Nicht den Daumen.
Nicht den Zeigefinger.
Nicht den kleinen Finger.
Den berühmten Mittelfinger.
Das Schweizer Taschenmesser der internationalen Gestensprache.
Die universelle Antwort auf alles.
Der Esperanto-Dialekt der schlechten Laune.
Und Achtermeyer erklärte sinngemäß, man werde noch eine Windkraftanlage als ausgestreckten Mittelfinger Richtung Iran bauen.
Freunde.
Das ist politisches Marketing auf einem völlig neuen Niveau.
Früher wurden Windräder gebaut, um Strom zu erzeugen.
Heute offenbar auch, um geopolitische Botschaften zu übermitteln.
Ich sehe bereits die Zukunft.
Windparks werden künftig nach Emotionen kategorisiert.
Der „Genervte Windpark“.
Der „Passive-Aggressive Solarpark“.
Das „Beleidigte Pumpspeicherkraftwerk“.
Und irgendwo steht ein einzelnes Windrad mit Sonnenbrille und sagt:
„Diese Kilowattstunde war persönlich gemeint.“
Die Delegierten waren begeistert.
Sie jubelten.
Sie applaudierten.
Sie feierten.
Manche sollen Berichten zufolge spontan versucht haben, ihren Stromanbieter zu wechseln.
Andere wollten sofort weitere Windräder bestellen.
Die Stimmung erreichte Ausmaße, die sonst nur bei WM-Endspielen oder Gratis-Pizza vorkommen.
Und das Ergebnis?
91,2 Prozent.
Ein Traumwert.
Ein politischer Erdrutsch.
Ein Wahlergebnis so deutlich, dass manche Wahlcomputer vermutlich kurz fragten:
„Sind Sie sicher?“
2022 waren es noch 82 Prozent.
Dann 88,5 Prozent.
Jetzt über 91 Prozent.
Wenn diese Entwicklung so weitergeht, erhält er bei der nächsten Wahl mathematisch ungefähr 137 Prozent Zustimmung.
Experten arbeiten bereits an den Formeln.
Natürlich gab es keine Gegenkandidaten.
Und seien wir ehrlich:
Wer möchte nach dieser Rede überhaupt antreten?
Wie soll man dagegen argumentieren?
„Ich möchte ebenfalls kandidieren.“
„Was ist Ihr Programm?“
„Nun ja, ich habe einen Zehn-Punkte-Plan.“
„Hat Ihr Zehn-Punkte-Plan einen Windrad-Mittelfinger?“
„Nein.“
„Nächster bitte.“
Doch der eigentliche Gewinner dieser Geschichte ist die Windkraftbranche.
Jahrelang mussten Windräder kompliziert erklärt werden.
Energiewende.
Versorgungssicherheit.
Klimaschutz.
Jetzt ist alles viel einfacher.
„Warum bauen wir dieses Windrad?“
„Weil es ein gigantischer Stinkefinger ist.“
„Ah.“
„Verstanden.“
Kommunikation kann so einfach sein.
In meiner Recherche stieß ich auf eine noch größere Frage:
Wie groß müsste ein Windrad sein, damit man den Mittelfinger sogar aus dem Weltall erkennen kann?
Die Antwort kennt derzeit niemand.
Aber ich bin sicher, irgendwo arbeitet bereits ein Förderprojekt daran.
Mit Arbeitsgruppen.
Mit Studien.
Mit Workshops.
Mit mindestens drei Beraterfirmen.
Und während Politiker weltweit noch mit Gipfeln, Resolutionen und diplomatischen Erklärungen arbeiten, hat Troisdorf möglicherweise die Zukunft entdeckt.
Symbolpolitik mit Rotorblättern.
Außenpolitik mit Windgeschwindigkeit.
Geostrategie mit Einspeisevergütung.
Vielleicht erleben wir bald internationale Konflikte völlig neu.
Frankreich baut einen Solarpark der Verärgerung.
Spanien errichtet ein beleidigtes Wasserkraftwerk.
Die Niederlande legen einen passiv-aggressiven Fahrradweg an.
Deutschland antwortet mit einem Offshore-Windpark der Entrüstung.
Und die Vereinten Nationen müssen eine neue Behörde gründen:
Die Internationale Agentur für Erneuerbare Gestenpolitik.
Am Ende bleibt festzuhalten:
Viele Politiker gewinnen Wahlen mit Programmen.
Manche mit Visionen.
Andere mit Charisma.
Tim Achtermeyer hat bewiesen, dass man offenbar auch mit einem Windrad-Mittelfinger sehr weit kommen kann.
Und irgendwo dreht sich gerade ein Rotorblatt im Wind und denkt:
„Ich produziere nicht nur Strom.
Ich sende eine Botschaft.“

