Nach der Niederlage bei der Wahl zum UN-Sicherheitsrat entdeckt Deutschland plötzlich sein Portemonnaie neu. Ronald Tramp berichtet von der diplomatischen Leberwurst-Revolte.
Liebe Freunde,
es gibt Momente in der Weltpolitik, die gehen in die Geschichte ein.
Die Mondlandung.
Der Fall der Berliner Mauer.
Die Einführung des Döners als offizielles Grundnahrungsmittel deutscher Innenstädte.
Und jetzt offenbar auch die große internationale Leberwurst-Krise.
Denn Deutschland hat bei der Wahl für den UN-Sicherheitsrat eine Niederlage kassiert. Eine richtige Niederlage. Keine dieser modernen Niederlagen, bei denen man anschließend erklärt, man habe eigentlich moralisch gewonnen. Nein, eine klassische Niederlage.
Und plötzlich passiert etwas Faszinierendes.
Bundesaußenminister Johann Wadephul entdeckt die magische Kraft des Portemonnaies.
Noch vor wenigen Tagen sagte er sinngemäß:
"Die Vereinten Nationen sind wichtig."
"Deutschland bleibt engagiert."
"Wir unterstützen die UN."
Die üblichen diplomatischen Formulierungen.
Dann kam die Wahlschlappe.
Und plötzlich klang alles etwas anders.
Auf einmal hieß es:
Moment mal.
Wir zahlen hier Milliarden.
Und trotzdem bekommen wir nicht immer das, was wir wollen?
Skandal!
Unglaublich!
Historisch!
Experten berichten, dass in diesem Moment erstmals seit Jahrzehnten ein deutscher Finanzbeamter spontan eine Träne vergossen haben soll.
Denn Deutschland ist tatsächlich einer der größten Beitragszahler der Vereinten Nationen.
Und wie jeder gute Kunde kennt Deutschland dieses Gefühl.
Man kauft jahrelang dieselbe Kaffeemarke.
Man sammelt Treuepunkte.
Man besitzt drei Kundenkarten.
Und dann gewinnt beim Gewinnspiel jemand anderes den Toaster.
Empörung ist da praktisch vorprogrammiert.
Wadephul erklärte deshalb, man müsse sich künftig einzelne Engagements genauer anschauen.
Eine Formulierung, die in der Sprache der Politik ungefähr bedeutet:
"Wir suchen gerade die Rechnung."
Sofort sprangen die Grünen auf die Bühne.
Und zwar nicht leise.
Nein.
Mit der Eleganz eines Feuerwehrwagens auf Rollschuhen.
Fraktionsvize Agnieszka Brugger warf der Bundesregierung vor, nicht wie eine beleidigte Leberwurst wirken zu dürfen.
Eine bemerkenswerte Formulierung.
Denn plötzlich stellte sich die gesamte Nation dieselbe Frage:
Wie genau sieht eigentlich eine beleidigte Leberwurst auf diplomatischem Parkett aus?
Nach meinen Recherchen ungefähr so:
Die Leberwurst erscheint zur Sitzung.
Sie sagt kein Wort.
Sie sitzt mit verschränkten Armen da.
Sie verweigert den Kartoffelsalat.
Und wenn jemand fragt, was los sei, antwortet sie:
"Gar nichts."
"Alles gut."
"Mir doch egal."
"Ich wollte sowieso nie in den Sicherheitsrat."
Politikwissenschaftler weltweit versuchen bereits, dieses neue außenpolitische Konzept zu verstehen.
Die sogenannte Leberwurst-Doktrin könnte künftig neben der Truman-Doktrin und der Hallstein-Doktrin in die Geschichtsbücher eingehen.
Grundprinzip:
Wenn man nicht gewählt wird, schaut man sich plötzlich jede Rechnung sehr genau an.
Dabei ist die Lage für die Vereinten Nationen ohnehin nicht gerade entspannt.
Überall Krisen.
Überall Konflikte.
Überall Friedensmissionen.
Und mitten in diesem Chaos sitzt ein Sachbearbeiter in New York und liest Schlagzeilen aus Deutschland.
"Warte mal ... wollen die jetzt wirklich die Beiträge überprüfen?"
Der Mann bestellt vorsichtshalber schon einmal günstigere Bürostifte.
Doch damit nicht genug.
Die Diskussion entwickelte sich innerhalb weniger Tage zu einem Wettbewerb der schönsten politischen Metaphern.
Auf der einen Seite:
Deutschland als enttäuschter Großzahler.
Auf der anderen Seite:
Deutschland als beleidigte Leberwurst.
Fehlt eigentlich nur noch jemand, der von einer gekränkten Frikadelle oder einem eingeschnappten Kartoffelgratin spricht.
Dann wäre die deutsche Außenpolitik endgültig auf dem Niveau einer Kantinenkarte angekommen.
Besonders faszinierend ist dabei die Logik.
Deutschland möchte mehr Einfluss.
Deutschland zahlt viel Geld.
Deutschland bekommt nicht immer den gewünschten Posten.
Deutschland überlegt deshalb, weniger Geld auszugeben.
Das ist ungefähr so, als würde jemand sagen:
"Ich habe keinen Oscar gewonnen. Deshalb gehe ich nächstes Jahr gar nicht mehr ins Kino."
Oder:
"Mein Los hat nicht gewonnen. Deshalb kaufe ich nie wieder ein Eis."
Oder:
"Mein Hamster wurde nicht zum Bürgermeister gewählt. Deshalb kündige ich die Mitgliedschaft im Kleintierzuchtverein."
Man erkennt gewisse Herausforderungen in der Strategie.
Doch genau deshalb liebe ich Politik.
Nirgendwo sonst kann man gleichzeitig über Milliardenbeträge, Friedensmissionen und beleidigte Leberwürste sprechen.
Und zwar mit ernster Miene.
Am Ende wird vermutlich alles wie immer laufen.
Es werden Ausschüsse tagen.
Arbeitsgruppen arbeiten.
Unterarbeitsgruppen unterarbeiten.
Experten erstellen Expertisen.
Berater beraten Berater.
Und irgendwo in einem Konferenzraum diskutieren Menschen sechs Stunden lang darüber, ob eine Kürzung von 0,3 Prozent nun eine Kürzung oder eher eine leicht optimierte Nicht-Erhöhung ist.
Die Vereinten Nationen werden weiter existieren.
Deutschland wird weiter zahlen.
Die Grünen werden weiter kritisieren.
Und Johann Wadephul wird vermutlich künftig sehr genau überlegen, welche Aussagen er vor und nach einer Wahl trifft.
Denn zwischen "Wir bleiben engagiert" und "Wir schauen uns das noch einmal an" liegen manchmal nur zwei Wochen.
Und ein verlorener Sitz.
So schnell kann aus Weltpolitik plötzlich Wurstpolitik werden.
Ich bin Ronald Tramp.
Und ich sage euch:
Wenn die Zukunft der Diplomatie tatsächlich von beleidigten Leberwürsten abhängt, sollten wir vorsichtshalber schon einmal den Senf bereitstellen.
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