Alarmstufe Grammatik! Im Auswärtigen Amt verschwinden Sternchen, Doppelpunkte und Unterstriche aus amtlichen Texten. Ronald Tramp berichtet exklusiv von der größten Rettungsaktion der deutschen Rechtschreibung seit der Erfindung des Duden – inklusive panischer Satzzeichen, flüchtender Sternchen und einer Behörde auf der Suche nach dem verlorenen Doppelpunkt.
Meine Damen und Herren, Freunde der gepflegten Kommasetzung und Überlebende deutscher Behördenformulare – haltet euch fest.
Es ist passiert.
Wirklich passiert.
Im Auswärtigen Amt wurde offenbar eine der spektakulärsten Rettungsaktionen der jüngeren Sprachgeschichte gestartet.
Nicht wegen einer internationalen Krise.
Nicht wegen einer Botschaft.
Nicht wegen eines diplomatischen Zwischenfalls.
Nein.
Wegen eines kleinen Sternchens.
Ja, genau dieses Sternchen.
Das berühmteste Satzzeichen Deutschlands.
Der winzige Fünfzack, der in den vergangenen Jahren häufiger durch deutsche Behörden wanderte als so mancher Staatssekretär.
Doch jetzt ist Schluss.
CDU-Außenminister Johann Wadephul hat offensichtlich beschlossen, der Tastatur eine kleine Kur zu gönnen.
Nach Informationen soll künftig im amtlichen Schriftverkehr wieder gelten:
Keine Sternchen.
Keine Doppelpunkte.
Keine Unterstriche mitten im Wort.
Mit anderen Worten:
Die Shift-Taste bekommt endlich wieder Urlaub.
Ich kann euch sagen – als ich davon hörte, eilte ich sofort nach Berlin.
Vor dem Auswärtigen Amt herrschte Ausnahmezustand.
Mehrere Sternchen standen mit kleinen Koffern vor dem Gebäude.
Ein Doppelpunkt weinte leise.
Ein Unterstrich hatte sich bereits vorsorglich in einem Word-Dokument versteckt.
Die Satzzeichen wussten offenbar:
Heute endet eine Ära.
Drinnen liefen gleichzeitig Hunderte Beamte hektisch durch die Flure.
Nicht wegen eines internationalen Konflikts.
Sondern weil plötzlich niemand mehr wusste, wie viele Tastaturanschläge künftig eingespart werden.
Ein Referent rief panisch:
"Wir brauchen sofort neue Textbausteine!"
Ein anderer schrie:
"Wo ist der Duden?"
Wieder ein anderer fragte:
"Hat jemand noch eine Paarform auf Lager?"
Deutschland in seiner schönsten Verwaltungsromantik.
Natürlich blieb die Lösung maximal deutsch.
Keine Sonderzeichen.
Aber dafür wunderschöne Paarformulierungen.
"Bürgerinnen und Bürger."
"Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter."
Ich rechne fest damit, dass künftig jede zweite Behördenmail doppelt so lang wird.
Früher:
"Liebe Kolleg:innen"
Heute:
"Sehr geehrte Kolleginnen, sehr geehrte Kollegen, liebe Mitarbeitende, verehrte Beschäftigte, geschätzte Anwesende sowie alle weiteren Personen, die sich angesprochen fühlen könnten."
Der eigentliche Gewinner ist natürlich Microsoft Word.
Die Dokumente wachsen künftig schneller als der Bundeshaushalt.
Besonders faszinierend finde ich die neue Regel, dass "Kolleg/innen" verschwinden soll, "Mitarbeiter/innen" aber teilweise bestehen bleiben.
Ich wusste gar nicht, dass Satzzeichen inzwischen unterschiedliche Aufenthaltsgenehmigungen besitzen.
Der Schrägstrich muss offenbar vor einer internen Behördengruppe erscheinen.
"Dienstlicher Einsatz genehmigt."
Beim Wort "Kolleg" dagegen heißt es:
"Leider erfüllen Sie die sprachlichen Einreisebestimmungen nicht."
Selbst Satzzeichen brauchen inzwischen Verwaltungsvorschriften.
Ich liebe dieses Land.
Währenddessen herrschte vermutlich in irgendeinem Keller des Auswärtigen Amts höchste Alarmbereitschaft.
Dort tagte die "Taskforce Sonderzeichen".
Ein Krisenstab bestehend aus Germanisten, Verwaltungsjuristen und drei besonders erfahrenen Korrekturlesern.
Auf der Leinwand stand:
Operation Sternchen.
Priorität Rot.
Mission:
Sämtliche Sternchen unauffällig entfernen.
Der Einsatzleiter flüsterte:
"Niemand bewegt sich. Das Sternchen befindet sich zwischen 'Bürger' und 'innen'."
Ein anderer antwortete:
"Wir holen es da raus."
Dann rückte das Sonderkommando Textverarbeitung mit STRG+H an.
Suchen.
Ersetzen.
Mission erfüllt.
Applaus.
Deutschland kann eben alles.
Vor allem Serienbriefe.
Besonders spannend ist natürlich der Ort des Geschehens.
Ausgerechnet das Ministerium, das unter Annalena Baerbock häufig als Vorreiter geschlechtersensibler Sprache wahrgenommen wurde.
Man könnte sagen:
Im selben Gebäude wurden innerhalb weniger Jahre zwei völlig unterschiedliche Sprachphilosophien verwaltet.
Das Büro musste vermutlich gar nicht umgebaut werden.
Lediglich die Autokorrektur bekam einen Regierungswechsel.
Ich stelle mir vor, wie irgendwo noch alte Word-Vorlagen liegen.
Datei:
"Rede_final_final_NEU_final_Genderstern_final2.docx"
Daneben jetzt:
"Rede_final_wirklich_final_ohne_Sternchen.docx"
So funktioniert Fortschritt in deutschen Ministerien.
Natürlich wäre Deutschland nicht Deutschland, wenn daraus nicht sofort eine gesellschaftliche Grundsatzdebatte entstünde.
Fernseh-Talkshows laden bereits Experten ein.
Professoren analysieren Sternchen.
Sprachwissenschaftler diskutieren Doppelpunkte.
Politiker streiten über Unterstriche.
Währenddessen fragt sich ein durchschnittlicher Bürger wahrscheinlich nur:
"Kann ich meinen Reisepass trotzdem verlängern?"
Aber das ist viel zu einfach.
Deutschland diskutiert lieber Satzzeichen.
Es gibt Länder, die bauen Mondraketen.
Deutschland gründet vermutlich demnächst eine Bundeskommission für orthografische Spezialzeichen.
Mit Unterausschuss.
Und Expertenrat.
Natürlich inklusive Jahresbericht.
Ich sehe schon die Pressekonferenz.
"Wie viele Sternchen wurden entfernt?"
"Nach aktuellem Stand konnten wir 14.728 Sternchen, 9.431 Doppelpunkte und 5.203 Unterstriche erfolgreich in den orthografischen Ruhestand versetzen."
Großer Beifall.
Anschließend erklärt ein Sprecher:
"Für die verbliebenen Schrägstriche gilt Bestandsschutz."
Deutschland.
Das einzige Land der Welt, in dem Satzzeichen vermutlich bald Übergangsregelungen erhalten.
Ich persönlich mache mir allerdings Sorgen um die Sternchen.
Was passiert jetzt mit ihnen?
Gründen sie eine eigene Partei?
Wandern sie zu Social Media aus?
Werden sie Influencer?
Oder eröffnen sie gemeinsam mit den ausrangierten Faxgeräten ein Museum der ehemaligen Verwaltungstechnik?
Vielleicht erleben wir bald Demonstrationen.
"Sternchen sind auch nur Zeichen!"
"Doppelpunkte haben Gefühle!"
"Unterstriche gehören zur Mitte der Gesellschaft!"
Nichts würde mich mehr überraschen.
Denn in Deutschland wird aus einem Satzzeichen schneller eine Staatsaffäre als anderswo aus einem Regierungswechsel.
Am Ende bleibt aber eine Erkenntnis:
Während andere Staaten über Zölle, Kriege, Energie oder künstliche Intelligenz sprechen, führt Deutschland mit bewundernswerter Leidenschaft Debatten über die richtige Platzierung eines Sternchens.
Und genau deshalb werde ich auch morgen wieder berichten.
Live.
Ohne Unterstrich.
Ohne Doppelpunkt.
Ohne Sternchen.
Aber garantiert mit maximal vielen Ausrufezeichen!!!

