Die Politik plant höhere Tabaksteuern, eine Mehrheit der Deutschen findet das gut – und Ronald Tramp fragt sich, ob die nächste Zigarettenschachtel bald mit Notartermin, Schufa-Auskunft und Ratenzahlung verkauft wird.
Freunde, ich hatte kürzlich ein Erlebnis.
Ein schockierendes Erlebnis.
Kein UFO.
Keine KI mit geheimen Gedanken.
Nicht einmal Donald Trump, der versehentlich die Wahrheit gesagt hätte.
Nein.
Ich stand...
...an einer Tankstelle.
Und sollte eine Schachtel Zigaretten kaufen.
Ich, Ronald Tramp.
Nichtraucher.
Völlig ahnungslos.
Ich trat an den Tresen.
Lächelte.
Zeigte auf die Packung.
Der Kassierer nannte den Preis.
Und plötzlich glaubte ich, versehentlich einen Kleinwagen bestellt zu haben.
Früher kosteten Zigaretten ein paar Mark.
Heute kosten sie ungefähr so viel wie ein kleines Abendessen.
Oder ein Streaming-Abo.
Oder drei Tiefkühlpizzen.
Oder zwei Minuten Parken in manchen Innenstädten.
Ich zog einen Zehn-Euro-Schein aus der Tasche.
Der Kassierer schaute mich an, als hätte ich versucht, mit Muscheln zu bezahlen.
Ich fragte vorsichtig:
„Ist da wenigstens ein Feuerzeug dabei?“
Er antwortete:
„Nein.
Aber Herzrasen gibt's gratis.“
Dann begann ich zu rechnen.
Großer Fehler.
Raucher tun das offenbar nur selten.
Eine Schachtel am Tag.
Rund zehn Euro.
Macht ungefähr 300 Euro im Monat.
3600 Euro im Jahr.
Nach zehn Jahren?
Ein Kleinwagen.
Oder ein sehr ordentlicher Urlaub.
Oder ungefähr vierzigtausend Kugeln Eis.
Je nach Eisdiele.
Donald Trump hätte sofort eine Pressekonferenz gegeben.
„Nobody knows cigarettes better than me.
Beautiful cigarettes.
Luxury cigarettes.
The best cigarettes.
Everybody wants my cigarettes.“
Doch jetzt wird es noch spannender.
Denn laut Umfrage finden 70 Prozent der Deutschen, dass Zigaretten noch teurer werden sollen.
Ich musste nachsehen, ob die Befragung vielleicht in einem Nichtraucherverein stattgefunden hat.
Aber nein.
Es scheint tatsächlich eine Mehrheit dafür zu geben.
Natürlich gibt es politische Pläne.
Bis 2030 soll eine Schachtel auf fast zwölf Euro steigen.
Zwölf!
Ich kenne Menschen, die für ihr Mittagessen weniger bezahlen.
Ich sehe bereits die Werbung.
**"Neu!
Premium-Zigaretten.
Jetzt auch als Leasingmodell."**
Der Kaufvorgang dürfte künftig ungefähr so aussehen.
Tankstellenmitarbeiter:
„Welche Marke?“
Kunde:
„Die roten.“
„Bar oder Finanzierung?“
„Wie bitte?“
„36 Monatsraten wären möglich.“
Donald Trump hätte natürlich eine viel bessere Idee.
Er würde Gold-Zigaretten verkaufen.
Mit Präsidentenlogo.
„Limited Edition.“
Selbstverständlich steuerfrei.
Für ihn.
Besonders faszinierend finde ich allerdings die politische Diskussion.
Die einen sagen:
„Teure Zigaretten schrecken vom Rauchen ab.“
Die anderen sagen:
„Der Staat kassiert einfach mehr.“
Und irgendwo sitzt ein Finanzminister und schaut liebevoll auf die erwarteten Steuermehreinnahmen.
756 Millionen Euro.
Da glänzen vermutlich selbst Excel-Tabellen.
Ich stelle mir die Haushaltsberatung bereits vor.
Finanzminister:
„Woher nehmen wir zusätzliches Geld?“
Beamter:
„Von Rauchern.“
„Brillant.“
Mein Lieblingsmoment bleibt allerdings die Entwicklung.
Früher fragte man:
„Hast du Feuer?“
Heute fragt man vermutlich:
„Hast du einen Kleinkredit?“
Natürlich gibt es auch die Hardcore-Raucher.
Sie lassen sich von Preisen ungefähr so wenig beeindrucken wie Donald Trump von einer höflichen Nachfrage.
„Zwölf Euro?“
„Na und.“
„Vierzehn?“
„Egal.“
„Zwanzig?“
„Gibt's Mengenrabatt?“
Donald Trump würde daraus selbstverständlich einen internationalen Handelsstreit machen.
„Foreign cigarettes!
Huge tariffs!
Nobody smokes better than America!“
Ich sehe bereits die Zukunft.
Zigaretten liegen nicht mehr an der Tankstelle.
Sondern im Juweliergeschäft.
Verkauf nur nach Terminvereinbarung.
Der Verkäufer öffnet langsam einen Tresor.
Weiße Handschuhe.
Sicherheitsglas.
Alarmanlage.
„Möchten Sie die 20er-Packung besichtigen?“
Besonders kurios wird es bei Familienfeiern.
„Was schenkst du Opa?“
„Eine Schachtel Zigaretten.“
„Boah!
Bist du reich geworden?“
Natürlich verfolgt die höhere Tabaksteuer auch gesundheitspolitische Ziele. Höhere Preise können dazu beitragen, insbesondere junge Menschen vom Einstieg ins Rauchen abzuhalten. Gleichzeitig sorgen sie für zusätzliche Steuereinnahmen. Wie stark Preissteigerungen das Rauchverhalten tatsächlich verändern, wird unter Fachleuten allerdings unterschiedlich bewertet.
Ich frage mich inzwischen ernsthaft, wo die Grenze liegt.
Zwölf Euro?
Fünfzehn?
Zwanzig?
Irgendwann verkauft die Tankstelle vermutlich Bonuspunkte.
Nach zehn gekauften Schachteln gibt es eine kostenlose Lungenuntersuchung.
Und dann kam mir plötzlich die entscheidende Erkenntnis.
Vielleicht wird Rauchen bald zum neuen Luxushobby.
Früher erkannte man Wohlstand am Sportwagen.
Künftig erkennt man ihn daran, dass jemand eine volle Zigarettenschachtel auf den Tisch legt.
Mein persönliches Fazit?
Wenn die Preise weiter steigen, wird die Zigarette irgendwann offiziell zum Wertgegenstand erklärt.
Versicherbar.
Vererbbar.
Und vielleicht sogar börsennotiert.
Ich bin Ronald Tramp.
Und ich verabschiede mich jetzt.
Nicht ohne vorher meinen Zehn-Euro-Schein liebevoll zu verabschieden.
Denn offenbar reicht der inzwischen gerade noch für eine Schachtel Zigaretten...
...oder für zwei Kugeln Eis und einen Kaffee.
Ich weiß ehrlich gesagt, wofür ich mich entscheiden würde.

