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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

LinkedIn entdeckt das Atmen als Karrierechance

Grafik: Wenn Atmen zum Karriere-Meilenstein wird

Ronald Tramp untersucht die rätselhafte Welt von LinkedIn, wo selbst das Einatmen zur inspirierenden Erfolgsgeschichte wird.

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Freunde, Netzwerker, Karrierecoaches und Menschen, die einfach nur einen Job haben wollen – wir müssen reden.

Über LinkedIn.

Dieses faszinierende Paralleluniversum, in dem jeder zweite Mensch Visionär, jeder dritte Mensch Thought Leader und jeder vierte Mensch CEO von irgendetwas ist.

Ein Ort, an dem normale Ereignisse nicht existieren.

Alles ist eine Reise.

Alles ist eine Lektion.

Alles ist eine Inspiration.

Und inzwischen offenbar sogar das Atmen.

Denn Freunde, ich habe den Eindruck, dass LinkedIn einen Punkt erreicht hat, an dem Menschen sich gegenseitig zur erfolgreichen Sauerstoffaufnahme gratulieren.

„Ich bin stolz, mitteilen zu dürfen, dass ich heute zum 12.487. Mal erfolgreich eingeatmet habe.“

Gefällt mir: 38.000.

Kommentare: 7.200.

„Inspirierend!“

„Großartige Leistung!“

„Danke fürs Teilen!“

„Kannst du einen Workshop dazu anbieten?“

Freunde, irgendwo ist etwas völlig eskaliert.

Der Beginn einer Bewegung

Früher war LinkedIn einfach.

Menschen suchten Jobs.

Unternehmen suchten Mitarbeiter.

Jemand wechselte den Arbeitgeber.

Fertig.

Heute sieht dieselbe Meldung ungefähr so aus:

„Nach einer intensiven Reise voller Herausforderungen, Wachstum, Reflexion, Authentizität und transformativer Synergien freue ich mich, mitteilen zu dürfen, dass ich meinen Schreibtisch um drei Meter nach links verschoben habe.“

10.000 Likes.

Ein Podcast-Auftritt.

Zwei Keynotes.

Drei Coaching-Anfragen.

Freunde, die Menschen auf LinkedIn schaffen es, aus dem Kauf einer Büroklammer eine Heldengeschichte zu machen.

Die Gratulationsindustrie

Besonders beeindruckend ist die Kultur des gegenseitigen Gratulierens.

Auf LinkedIn wird zu allem gratuliert.

Beförderung?

Natürlich.

Neuer Job?

Selbstverständlich.

Erfolgreiches Projekt?

Logisch.

Aber inzwischen geht es weit darüber hinaus.

„Herzlichen Glückwunsch zu deinem ersten Arbeitstag!“

„Danke!“

„Herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen Abschluss deines ersten Arbeitstags!“

„Danke!“

„Herzlichen Glückwunsch zur erfolgreichen Verarbeitung der Erfahrungen deines ersten Arbeitstags!“

„Danke!“

Freunde, wenn das so weitergeht, wird es bald folgende Meldungen geben:

„Ich freue mich bekanntzugeben, dass ich heute pünktlich aufgewacht bin.“

20.000 Likes.

Die olympischen Spiele der Selbstinszenierung

Irgendwann wurde berufliche Selbstdarstellung von einer Fähigkeit zu einer olympischen Disziplin.

Und LinkedIn ist inzwischen das Olympiastadion.

Goldmedaille:

Der Mensch, der aus dem kleinsten Ereignis die größte Erfolgsgeschichte macht.

Stellen Sie sich die Wettbewerbe vor.

Kategorie 1:

Größter Erkenntnisgewinn aus einer Kaffeemaschine.

Kategorie 2:

Emotionale Reise beim Öffnen einer Excel-Datei.

Kategorie 3:

Transformation durch einen Druckerfehler.

Kategorie 4:

Leadership-Lektionen aus dem Parken eines Autos.

Freunde, die Konkurrenz wäre brutal.

Die berühmte Flughafen-Geschichte

Jeder kennt sie.

Der Klassiker.

„Heute saß ich am Flughafen neben einem älteren Herrn.“

Freunde.

Wenn ein LinkedIn-Beitrag so beginnt, weiß man bereits:

Jetzt wird irgendeine Lebensweisheit kommen.

Vielleicht über Führung.

Vielleicht über Resilienz.

Vielleicht über Innovation.

Vielleicht über die strategische Bedeutung von Croissants.

Niemand weiß es.

Aber am Ende hat der ältere Herr immer etwas gesagt, das das Leben des Autors für immer verändert hat.

Immer.

Jedes Mal.

Ich habe noch nie gelesen:

„Heute saß ich neben einem älteren Herrn. Er aß ein Sandwich. Danach gingen wir beide nach Hause.“

So etwas passiert auf LinkedIn nicht.

Das Wunder der banalsten Tätigkeiten

Besonders faszinierend finde ich die Fähigkeit, alltägliche Dinge in Managementseminare zu verwandeln.

Jemand gießt eine Zimmerpflanze.

Normale Menschen denken:

„Die Pflanze bekommt Wasser.“

LinkedIn denkt:

„Diese Pflanze hat mir drei Dinge über Leadership beigebracht.“

  1. Wachstum braucht Geduld.
  2. Wurzeln sind wichtiger als Sichtbarkeit.
  3. Erfolg beginnt mit der richtigen Umgebung.

Freunde, es ist eine Zimmerpflanze.

Beruhigt euch.

Die Atem-Challenge

Ich bin überzeugt, dass wir nicht mehr weit von folgendem Beitrag entfernt sind:

„Vor 365 Tagen habe ich beschlossen, bewusster zu atmen.“

„Heute kann ich stolz verkünden, dass ich diese Reise erfolgreich abgeschlossen habe.“

„Diese Erfahrung hat mich Demut, Resilienz und authentische Sauerstoffintegration gelehrt.“

Darunter:

„Inspirierend!“

„Stark!“

„Wow!“

„Bitte als Buch veröffentlichen!“

Freunde, die Menschheit hat endgültig die Kontrolle verloren.


Natürlich hat LinkedIn auch viele gute Seiten.

Menschen finden Jobs.

Kontakte entstehen.

Unternehmen vernetzen sich.

Karrieren entwickeln sich.

Doch irgendwo auf dem Weg hat die Plattform beschlossen, dass jede Kleinigkeit eine epische Heldensaga sein muss.

Jeder Schritt ist eine Reise.

Jede E-Mail ist ein Abenteuer.

Jede Beförderung ist die Verfilmung eines Romans.

Und jede Sauerstoffaufnahme hat das Potenzial für einen viralen Beitrag.

Vielleicht sollten wir alle ein wenig entspannter werden.

Vielleicht müssen nicht alle Erfahrungen sofort zu einer Leadership-Lektion werden.

Vielleicht darf man einfach nur existieren.

Andererseits ...

Wenn Sie diesen Artikel bis hierhin gelesen haben, möchte ich Ihnen gratulieren.

Das zeigt Durchhaltevermögen.

Resilienz.

Fokus.

Und eine außergewöhnliche Bereitschaft zur persönlichen Weiterentwicklung.

Bitte liken, kommentieren und teilen Sie diese Erkenntnis.

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