Washington drückt, Teheran blockt und irgendwo sollen Bessent und Hegseth plötzlich das diplomatische Wunderkaninchen hervorzaubern. Ronald Tramp beobachtet eine Weltmacht beim Versuch, den Schraubstock zur Verhandlungsmethode zu erklären.
Meine Damen und Herren, liebe Strategen, Hobbygeneräle und Menschen, die glauben, Außenpolitik funktioniere ungefähr wie das Nachverhandeln einer Handyrechnung: Willkommen in Washington!
Hier gibt es derzeit eine neue geopolitische Theorie. Eine fantastische Theorie. Vielleicht die beste Theorie seit der Erfindung des Satzes: „Das wird bestimmt nicht eskalieren.“
Die Theorie lautet ungefähr:
Wenn Iran unter Druck nicht das tut, was wir wollen, müssen wir einfach noch stärker drücken.
Brillant.
Das ist internationale Diplomatie nach dem Prinzip Zahnpastatube: Wenn vorne nichts herauskommt, setzt sich Scott Bessent drauf und Pete Hegseth schlägt mit einem Hammer hinten drauf.
Und anschließend wundern sich alle, warum Zahnpasta an der Decke hängt.
Es geht um die Vorstellung, man könne Teheran durch immer größeren wirtschaftlichen, politischen und militärischen Druck zu Zugeständnissen bewegen – teilweise sogar zu solchen, die ursprünglich gar nicht Bestandteil einer Vereinbarung waren.
Das ist natürlich eine fantastische Verhandlungsmethode.
Stellen Sie sich vor, Sie kaufen ein Auto.
Der Händler sagt:
„40.000 Dollar.“
Sie sagen:
„Einverstanden.“
Sie unterschreiben.
Und anschließend erklärt der Händler:
„Sehr gut. Dann bekomme ich zusätzlich Ihr Haus, Ihren Hund und jeden zweiten Donnerstag Ihren Rasenmäher.“
Sie würden wahrscheinlich sagen:
„Moment! Das stand nicht im Vertrag!“
Der Händler antwortet:
„Dann erhöhen wir jetzt den Druck.“
Willkommen in der Weltpolitik.
Ronald Tramp präsentiert: Diplomatie mit Schraubstock
Ich bin Ronald Tramp, möglicherweise der größte investigative Reporter seit Menschen gelernt haben, Gerüchte mit WLAN zu verbinden.
Und ich habe mir die Sache angesehen.
Washington scheint gelegentlich der faszinierenden Überzeugung zu sein, dass Widerstand lediglich bedeutet, dass noch nicht genügend Druck ausgeübt wurde.
Iran sagt Nein.
Washington erhöht den Druck.
Iran sagt wieder Nein.
Washington erhöht den Druck noch einmal.
Iran sagt: „Wir haben Nein gesagt.“
Washington:
„Interessant. Offenbar brauchen wir mehr Druck.“
Das ist keine Verhandlung mehr.
Das ist ein Mann, der seit drei Stunden an einer Tür zieht, auf der „DRÜCKEN“ steht, und inzwischen Sanktionen gegen den Türgriff vorbereitet.
Natürlich kann Druck ein Instrument internationaler Politik sein. Sanktionen können Wirkung entfalten. Militärische Abschreckung kann Wirkung entfalten. Wirtschaftlicher Druck kann Wirkung entfalten.
Aber irgendwann stellt sich eine ziemlich wichtige Frage:
Druck wofür?
Wenn das Ziel ständig erweitert wird, wird aus einer Verhandlung irgendwann eine geopolitische Wunschliste.
Heute Atomprogramm.
Morgen Raketen.
Übermorgen Regionalpolitik.
Am Donnerstag vielleicht Teppiche.
„Wir verlangen außerdem, dass iranische Pistazien künftig einzeln nummeriert werden.“
Warum?
Nationale Sicherheit!
Und jetzt betreten Bessent und Hegseth die Manege
Besonders schön wird die Vorstellung, wenn Scott Bessent und Pete Hegseth als Teil einer Mannschaft betrachtet werden, die nun irgendwie das große Kaninchen aus dem geopolitischen Hut ziehen soll.
Bessent kommt aus der Finanzwelt.
Hegseth aus der Welt der nationalen Sicherheit und des Militärs.
Zusammen ergibt das theoretisch:
Geld plus Pentagon.
Praktisch könnte es gelegentlich wirken wie:
Excel plus Flugzeugträger.
Eine fantastische Kombination.
Bessent erklärt vermutlich:
„Wir erhöhen den wirtschaftlichen Druck.“
Hegseth:
„Und wenn das nicht funktioniert?“
„Noch mehr Druck.“
„Und danach?“
„Extremer Druck.“
„Und wenn das auch nicht funktioniert?“
„Dann nennen wir es maximale strategische Druckoptimierung.“
Washington liebt Begriffe.
Wenn etwas scheitert, braucht man keinen neuen Plan.
Man braucht einen längeren Namen für den alten Plan.
Der magische Kaninchenhut
Das eigentliche Problem ist die Erwartung, irgendjemand könne am Ende ein Wunder produzieren.
Man wirft Sanktionen in einen Hut.
Dazu militärische Drohungen.
Ein bisschen Diplomatie.
Zwei Pressekonferenzen.
Drei streng formulierte Statements.
Dann schüttelt man kräftig.
Und irgendwann soll Pete Hegseth hineinlangen und herausziehen:
Ein vollständig kooperatives Iran!
Ta-daaa!
Applaus!
Leider funktioniert Geopolitik selten wie eine Zaubershow.
Vor allem deshalb, weil das Kaninchen eine Regierung mit eigenen Interessen, Sicherheitsvorstellungen, innenpolitischen Zwängen und jahrzehntelangem Misstrauen ist.
Das Kaninchen sitzt im Hut und denkt:
„Warum sollte ich da rauskommen?“
Washington:
„Weil wir den Hut sanktioniert haben.“
Kaninchen:
„Nein.“
Washington:
„Dann sanktionieren wir die Karotte.“
Das wird funktionieren.
Ganz sicher.
Das große amerikanische Restaurant
Die Situation erinnert mich an ein Restaurant.
Amerika bestellt:
„Ein Abkommen, bitte.“
Der Kellner bringt ein Abkommen.
Amerika schaut darauf und sagt:
„Sehr schön. Jetzt hätten wir gern kostenlos noch Raketenbeschränkungen, Regionalpolitik, zusätzliche Kontrollen und vielleicht einen Nachtisch.“
Der Kellner:
„Das war nicht bestellt.“
Amerika:
„Dann sprechen wir mit Ihrem Manager.“
Der Manager ist Iran.
Das Gespräch entwickelt sich schwierig.
Also ruft man Scott Bessent.
Er friert die Kreditkarte des Restaurants ein.
Dann kommt Pete Hegseth und parkt einen Flugzeugträger vor der Küche.
Und irgendwann fragt jemand:
„Warum dauert das Dessert eigentlich so lange?“
Weil das Restaurant inzwischen brennt, Ronald.
Deshalb.
Die gefährlichste Form von Strategie
Das größte Risiko entsteht jedoch, wenn man anfängt, die eigene Eskalation mit Erfolg zu verwechseln.
Mehr Sanktionen bedeuten nicht automatisch mehr Verhandlungsbereitschaft.
Mehr Drohungen bedeuten nicht automatisch mehr Zugeständnisse.
Mehr militärischer Druck bedeutet nicht automatisch bessere Diplomatie.
Manchmal bedeutet mehr Druck einfach:
mehr Druck.
Das klingt banal, aber Washington verfügt über eine bemerkenswerte Fähigkeit, aus einem politischen Schraubenschlüssel eine komplette Religion zu machen.
„Hat der Schraubenschlüssel funktioniert?“
„Nein.“
„Dann brauchen wir einen größeren Schraubenschlüssel!“
Irgendwann steht jemand mit einem Bagger vor dem Problem.
Und das Problem ist immer noch da.
Nur das Haus fehlt.
Wer räumt eigentlich hinterher auf?
Und dann kommt der entscheidende Punkt.
Wenn man selbst eine Situation verschärft, Ziele erweitert und Erwartungen immer weiter hochschraubt, kann man nicht ewig darauf warten, dass irgendein Minister, General, Banker oder diplomatischer Zauberer das entstandene Durcheinander plötzlich beseitigt.
Das ist wie eine Party.
Man lädt 400 Leute ein.
Entfernt vorsorglich die Haustür.
Stellt einen Swimmingpool ins Wohnzimmer.
Serviert Tequila aus Gartenschläuchen.
Und um drei Uhr morgens sagt man:
„Wo ist eigentlich der Hausmeister?“
Der Hausmeister kommt herein.
Sie zeigen auf das Wohnzimmer.
Dort schwimmt ein Sofa.
Im Kronleuchter sitzt jemand aus dem Finanzministerium.
Ein General versucht, den Kühlschrank zu sanktionieren.
Und Sie sagen:
„Räumen Sie das bitte auf.“
Der Hausmeister kündigt.
Ronalds Friedensplan
Deshalb präsentiere ich jetzt den Ronald-Tramp-Friedensplan™.
Sehr einfach.
Sehr günstig.
Keine PowerPoint-Präsentation erforderlich.
Punkt eins:
Wenn man eine Vereinbarung will, sollte man vorher ungefähr wissen, was Bestandteil dieser Vereinbarung sein soll.
Revolutionär!
Punkt zwei:
Wenn die Gegenseite einem zusätzlichen Punkt nicht zustimmt, sollte man prüfen, ob dieser Punkt verhandelbar ist – statt automatisch anzunehmen, dass lediglich die Sanktionen noch nicht groß genug sind.
Unglaublich!
Punkt drei:
Man sollte einen Plan dafür haben, was passiert, wenn maximaler Druck keine maximale Zustimmung erzeugt.
Denn „noch maximalerer Druck“ ist kein Plan.
Das ist ein Komparativproblem.
Die große Show muss weitergehen
Natürlich wird Washington weiter diskutieren.
Experten werden erklären.
Minister werden versichern.
Militärs werden abschrecken.
Diplomaten werden verhandeln.
Finanzbeamte werden sanktionieren.
Und irgendwo wird jemand wieder sagen:
„Jetzt müssen wir nur noch den Druck erhöhen.“
Darauf wird jemand antworten:
„Wie hoch?“
Und Washington wird sagen:
„Ja.“
Vielleicht erscheint dann tatsächlich irgendwann das berühmte Kaninchen.
Vielleicht zieht Bessent es aus dem Hut.
Vielleicht hält Hegseth den Hut.
Vielleicht applaudiert der gesamte Situation Room.
Oder vielleicht schaut man nach Monaten in den Zylinder und stellt fest:
Das Kaninchen ist weg.
Der Hut brennt.
Die Karotte steht auf einer Sanktionsliste.
Und niemand weiß mehr genau, welches Kunststück ursprünglich aufgeführt werden sollte.
Ich bin Ronald Tramp.
Ich liebe gute Verhandlungen.
Wirklich gute Verhandlungen.
Aber wenn Ihre gesamte Strategie darin besteht, immer härter zu drücken, sollten Sie gelegentlich überprüfen, ob Sie noch verhandeln –
oder bereits versuchen, einen Feueralarm mit einem Flammenwerfer auszuschalten.

