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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Viagra gegen Krebs? Ronald Tramp entdeckt den härtesten Forschungsdurchbruch des Jahres

Grafik: Viagra gegen Krebs? Die blaue Überraschung

Viagra gegen Metastasen? Forscher entdecken, dass Sildenafil Krebszellen möglicherweise den Zugriff auf Cholesterin erschwert. Ronald Tramp untersucht den wohl härtesten Karrierewechsel der Pharmageschichte – inklusive Lysosomen, Statinen und einer beeindruckend belastbaren blauen Tablette.

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Meine Damen und Herren, wir müssen über Wissenschaft reden. Große Wissenschaft. Vielleicht die größte Wissenschaft, die jemals aus einer kleinen blauen Tablette herausgekommen ist.

Ich bin Ronald Tramp, investigativer Reporter, medizinischer Universalexperte seit ungefähr sieben Minuten und vermutlich der einzige Journalist Europas, der eine Studie über Sildenafil lesen kann, ohne bereits bei der Überschrift zwölf schlechte Witze zu machen.

Gut.

Elf.

Denn die Wissenschaft hat offenbar beschlossen, dass Viagra nach Jahrzehnten beruflicher Spezialisierung eine Umschulung macht.

Bisher war das Stellenprofil relativ übersichtlich:

Abteilung: Männergesundheit.

Aufgabe: Dinge aufrichten.

Arbeitszeit: nach Bedarf.

Doch nun sagen Forscher des Weizmann Institute of Science in Israel sinngemäß: Moment mal – Sildenafil könnte möglicherweise noch etwas anderes können. Und zwar etwas, bei dem plötzlich niemand mehr kichert.

Es geht um Krebs. Genauer gesagt um die Frage, ob Sildenafil über einen neu entdeckten biologischen Mechanismus die Bildung von Metastasen erschweren könnte.

Das ist eine bemerkenswerte Entwicklung.

Andere Medikamente verbringen Jahrzehnte damit, genau eine Aufgabe zu erfüllen. Sildenafil dagegen blickt offenbar morgens auf seinen Lebenslauf und sagt:

„Erektionsstörungen? Erledigt. Was haben wir nach dem Mittagessen? Krebsforschung? Gebt her.“

Der härteste Jobwechsel der Pharmageschichte

Das Entscheidende heißt cGMP.

Ein Name, der klingt wie eine neue EU-Datenschutzverordnung für belgische Kaffeemaschinen, tatsächlich aber ein wichtiger zellulärer Botenstoff ist.

Sildenafil hemmt das Enzym PDE5 und sorgt dadurch dafür, dass mehr cGMP vorhanden ist. Genau dieser Mechanismus spielt auch bei der bekannten Wirkung von Viagra eine Rolle.

Doch die Forscher fanden nun etwas Neues: cGMP kann offenbar an einen Proteintransporter namens NPC1 binden.

NPC1 wiederum kümmert sich um Cholesterin.

Und damit beginnt die Geschichte richtig interessant zu werden.

Denn Cholesterin ist nicht nur das Zeug, von dem Ihnen Ihr Hausarzt nach Weihnachten erzählt, während er Ihre Laborwerte betrachtet und schweigt, als hätte er gerade die Schadensbilanz eines mittleren Industrieunfalls erhalten.

Cholesterin ist ein wichtiger Baustoff für Zellen.

Auch Krebszellen brauchen ihn.

Sehr sogar.

Sie benötigen Cholesterin beispielsweise für Zellmembranen und für Prozesse, die ihnen helfen, zu wachsen, sich zu bewegen und anderes Gewebe zu besiedeln.

Metastasierende Krebszellen sind gewissermaßen die problematischsten Immobilienentwickler des menschlichen Körpers:

Sie besitzen bereits ein Grundstück, aber nein – sie wollen unbedingt expandieren.

„Hier könnte noch eine Niederlassung hin.“

„Und dort.“

„Sehr schöne Leber übrigens. Wäre schade, wenn jemand dort eine Filiale eröffnen würde.“

Doch genau diese Expansion könnte durch den neu beschriebenen Mechanismus erschwert werden.

Cholesterin sitzt plötzlich im biologischen Parkhaus fest

Durch die erhöhte cGMP-Konzentration wird der Cholesterintransport beeinflusst. Cholesterin bleibt stärker in sogenannten Lysosomen eingeschlossen.

Lysosomen sind vereinfacht gesagt die Recyclingzentren der Zelle.

Stellen Sie sich einen riesigen Wertstoffhof vor.

Das Cholesterin fährt hinein.

Der Krebs wartet draußen.

Und der Mitarbeiter am Tor sagt:

„Tut mir leid, heute keine Ausgabe.“

Der Krebs:

„Aber ich brauche das dringend für meine Metastasen!“

Lysosom:

„Hätten Sie einen Abholschein?“

Krebs:

„Nein.“

Lysosom:

„Dann schönen Tag noch.“

Das ist Bürokratie, meine Freunde.

Aber diesmal arbeitet sie möglicherweise für uns.

Eine geradezu revolutionäre Situation.

Normalerweise hält Bürokratie Menschen davon ab, ein Gartenhaus zu bauen. Hier könnte sie möglicherweise Krebszellen daran hindern, irgendwo eine Außenstelle zu eröffnen.

Ich fordere deshalb augenblicklich ein Förderprogramm:

„Lysosom 2030 – Cholesterin bleibt hier.“

Milliardenbudget.

Logo mit Pfeilen.

Mindestens drei Staatssekretäre.

Deutschland wäre dabei.

Dann kommen auch noch die Statine

Doch die Wissenschaftler hatten offenbar noch nicht genug.

Sie untersuchten außerdem Sildenafil zusammen mit Statinen.

Statine sind Medikamente, die häufig eingesetzt werden, um die körpereigene Cholesterinproduktion zu senken.

Damit entsteht für die Krebszelle ein geradezu katastrophales Geschäftsmodell.

Sildenafil sagt:

„Du bekommst das vorhandene Cholesterin schlechter.“

Statine sagen:

„Und neues produzieren wir auch weniger.“

Die Krebszelle schaut auf ihre Bilanz und stellt fest:

Liquidität schlecht.

Cholesterin schlechter.

Expansionsstrategie komplett im Eimer.

Das ist wirtschaftlich gesehen ungefähr so, als würde gleichzeitig Ihre Bank das Konto sperren, Ihr Lieferant nichts mehr liefern und der Finanzminister erklären, er habe noch eine kleine Überraschung vorbereitet.

Großartig – jedenfalls wenn man eine Krebszelle nicht besonders sympathisch findet.

Fünf Millionen Menschen und ein ziemlich interessanter Hinweis

Besonders spannend ist, dass sich die Arbeit nicht nur auf Zellkulturen beschränkte.

Das Forschungsteam verwendete Krebsmodelle bei Mäusen, Kulturen menschlicher Krebszellen sowie Gesundheitsdaten der israelischen Krankenkasse Clalit.

Und hier reden wir nicht über eine Excel-Tabelle namens „Studie_final_neu_WIRKLICHFINAL.xlsx“.

Es ging um Daten von rund fünf Millionen Versicherten über etwa 20 Jahre.

Die statistische Analyse zeigte einen Zusammenhang zwischen Sildenafil-Einnahme und einer besseren Überlebensrate bei Krebspatienten. Besonders deutlich war der Zusammenhang bei Menschen, die zusätzlich Statine einnahmen.

Das ist wissenschaftlich interessant.

Aber jetzt kommt der Satz, der unbedingt dazugehört, bevor irgendein Mann seinen Medikamentenschrank öffnet und beschließt, Ronald Tramp habe ihm gerade eine persönliche Onkologie-Leitlinie geschrieben:

Ein statistischer Zusammenhang ist noch kein Beweis dafür, dass Sildenafil Krebs beim Menschen wirksam behandelt.

Und die Ergebnisse bedeuten ausdrücklich nicht:

„Viagra ersetzt jetzt die Krebstherapie.“

Nein.

Nicht machen.

Nicht einmal, wenn Ihr Schwager auf Facebook einen Mann kennt, dessen Nachbar „auch irgendwas Medizinisches macht“.

Die Forscher sprechen von einem interessanten therapeutischen Ansatz, der weiter untersucht werden muss. Die bisherigen Ergebnisse liefern einen Mechanismus und Hinweise, keine Freikarte für Selbstmedikation.

Die Pharmawerbung der Zukunft wird allerdings schwierig

Sollte aus solchen Forschungsergebnissen irgendwann tatsächlich eine Therapie entstehen, wird die Werbeindustrie vor einer Herausforderung stehen.

Früher:

„Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker, ob Sildenafil für Sie geeignet ist.“

Künftig möglicherweise:

„Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt, Apotheker, Onkologen, Zellbiologen, Cholesterinforscher und vorsichtshalber den Mann, der NPC1 entdeckt hat.“

Und sämtliche Werbespots müssten neu gedreht werden.

Kein Paar mehr, das entspannt in zwei getrennten Badewannen auf einen Sonnenuntergang blickt.

Stattdessen:

Eine Krebszelle läuft hektisch durch ein Lysosom.

Sie rüttelt an einer verschlossenen Cholesterintür.

Dramatische Musik.

Dann erscheint eine blaue Tablette am Horizont.

Und eine Stimme sagt:

„Manchmal kommt medizinischer Fortschritt aus einer Richtung, mit der niemand gerechnet hat.“

Das wäre wenigstens ehrlich.

Ronald Tramps medizinisches Abschlussgutachten

Was lernen wir daraus?

Erstens: Forschung ist fantastisch.

Zweitens: Medikamente können manchmal Wirkungen besitzen, die Jahrzehnte nach ihrer ursprünglichen Entwicklung neue wissenschaftliche Perspektiven eröffnen.

Drittens: Krebsstoffwechsel ist offenbar komplizierter als die Steuererklärung eines multinationalen Konzerns.

Und viertens:

Sildenafil hat möglicherweise den außergewöhnlichsten Karriereweg der Pharmageschichte.

Vom ursprünglich untersuchten Herz-Kreislauf-Medikament zum weltberühmten Potenzmittel – und nun zum Forschungsgegenstand in der Krebsmedizin.

Andere Wirkstoffe wären mit einer solchen Karriere längst auf LinkedIn und würden täglich Beiträge veröffentlichen:

„Ich freue mich, bekanntzugeben, dass ich eine neue Herausforderung im Bereich Oncology angenommen habe. #NewJourney #CancerResearch #NeverStopGrowing“

Wobei „Never Stop Growing“ in diesem Zusammenhang vermutlich ein ausgesprochen schlechter Hashtag wäre.

Die entscheidende Botschaft bleibt deshalb wissenschaftlich nüchtern, auch wenn Ronald Tramp körperlich kaum zur Nüchternheit fähig ist:

Die Ergebnisse sind vielversprechend, insbesondere der entdeckte Zusammenhang zwischen cGMP, NPC1 und der Cholesterinversorgung von Krebszellen. Auch die mögliche Kombination mit Statinen ist interessant.

Doch daraus muss erst weitere Forschung entstehen.

Bis dahin bleibt Viagra das, wofür es zugelassen ist – und die Krebsmedizin bleibt in den Händen von Onkologen statt Hobbypharmakologen mit Internetanschluss.

Aber eines kann ich Ihnen versprechen:

Wenn irgendein Medikament es schafft, innerhalb eines einzigen Lebenslaufs gleichzeitig Herz-Kreislauf-Forschung, Schlafzimmer und Krebsforschung miteinander zu verbinden, dann ist das schon jetzt eine der ungewöhnlichsten medizinischen Karrieren aller Zeiten.

Viele Medikamente haben Potenzial.

Dieses hier hat offenbar sogar Stehvermögen.

Ronald Tramp

Reporter, Cholesterinexperte seit diesem Artikel und Leiter des Instituts für unangemessen naheliegende Pointen

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Tags: Viagra Sildenafil Krebs Metastasen Cholesterin Statine
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