Millionen Babyboomer gehen in Rente, der Arbeitsmarkt schrumpft und plötzlich herrscht Alarm. Ronald Tramp untersucht die größte angekündigte Überraschung Deutschlands.
Freunde,
hier spricht wieder Ronald Tramp, Deutschlands führender Experte für politische Überraschungen, die seit ungefähr 40 Jahren angekündigt wurden.
Heute geht es um eine Nachricht, die von manchen Politikern und Experten ungefähr so präsentiert wird, als wäre plötzlich ein Meteorit auf Berlin zugesteuert.
Die Schlagzeile lautet:
Bis 2036 fehlen Deutschland 4,3 Millionen Arbeitskräfte.
Vier Komma drei Millionen!
Panik!
Alarm!
Sondersendungen!
Expertenrunden!
Arbeitsgruppen!
Taskforces!
Und vermutlich bereits drei neue Ministerien.
Dabei stellt sich eine kleine Frage:
Wer genau dachte eigentlich, dass die Babyboomer ewig 35 Jahre alt bleiben?
Freunde, die Babyboomer wurden nicht heimlich geboren.
Sie kamen nicht überraschend.
Sie wurden nicht aus Versehen entdeckt.
Seit Jahrzehnten weiß jeder Mensch mit einem Taschenrechner und einem Kalender, dass diese Generation irgendwann in Rente gehen wird.
Das ist ungefähr so überraschend wie die Erkenntnis, dass Weihnachten auch dieses Jahr wieder auf den 24. Dezember fällt.
Die größte Überraschung seit der Erfindung des Geburtsdatums
Laut der Studie werden bis 2036 rund 4,3 Millionen Arbeitskräfte fehlen.
Vor zwei Jahren waren es noch drei Millionen.
Jetzt sind es 4,3 Millionen.
Freunde, in Deutschland werden Prognosen offenbar wie Baustellen behandelt:
Sie werden regelmäßig größer und teurer.
Besonders beeindruckend finde ich die Formulierung:
„Deutschland befindet sich mitten im demografischen Wandel.“
Wirklich?
Mitten drin?
Das ist ungefähr so, als würde ein Passagier der Titanic nach dem Zusammenstoß sagen:
„Ich glaube, wir nähern uns einem kleinen Feuchtigkeitsproblem.“
Die große mathematische Verschwörung
Schauen wir uns die Zahlen an.
Jedes Jahr verlassen rund 1,3 Millionen Menschen den Arbeitsmarkt.
Nachrücken tun nur etwa 800.000.
Das bedeutet:
Jedes Jahr fehlen ungefähr eine halbe Million Menschen.
Freunde.
Das ist keine komplizierte Quantenphysik.
Das ist Mathematik auf Grundschulniveau.
Wenn mehr Menschen gehen als kommen, wird es irgendwann leer.
Das gilt für Arbeitskräfte.
Das gilt für Fußballstadien.
Und das gilt sogar für Buffets.
Trotzdem scheint die Erkenntnis manche Politiker regelmäßig zu überraschen.
Ich stelle mir die Sitzung vor.
„Wir haben ein Problem.“
„Welches?“
„Die Menschen gehen in Rente.“
„Warum?“
„Weil sie alt werden.“
Lange Stille.
Sehr lange Stille.
„Können wir das verbieten?“
Der Sozialstaat spielt plötzlich Mathe
Nun wird es spannend.
Denn hinter diesen Zahlen steckt etwas Größeres.
Der Sozialstaat.
Freunde, Deutschlands Sozialsystem funktioniert im Wesentlichen wie ein großes Familienessen.
Viele zahlen ein.
Wenige nehmen heraus.
Das klappt wunderbar.
Bis plötzlich mehr Menschen am Tisch sitzen als in der Küche arbeiten.
Dann wird die Suppe dünn.
Sehr dünn.
Irgendwann besteht sie nur noch aus warmen Erinnerungen.
Und genau deshalb wird die Diskussion immer hitziger.
Denn weniger Arbeitnehmer bedeuten:
Weniger Beiträge.
Weniger Steuern.
Weniger Einnahmen.
Aber gleichzeitig mehr Rentner.
Mehr Gesundheitskosten.
Mehr Pflegebedarf.
Mehr Ausgaben.
Das ist ungefähr so, als würde ein Restaurant immer mehr Gäste aufnehmen und gleichzeitig die Zahl der Köche halbieren.
Die Politik entdeckt zwei revolutionäre Lösungen
Besonders faszinierend sind die vorgeschlagenen Lösungen.
Lösung Nummer eins:
Die Menschen sollen länger arbeiten.
Freunde, das ist der Klassiker.
Wenn Politiker keine Idee haben, entdeckt plötzlich jemand die Arbeitszeit.
„Vielleicht arbeiten wir einfach länger.“
Fantastisch.
Mit 70 Jahren beginnt dann die zweite Karriere.
Mit 75 die Weiterbildung.
Und mit 80 bekommt man die erste Einladung zum betrieblichen Gesundheitstag.
Ich sehe bereits die Stellenanzeigen:
„Gesucht: Auszubildender, 83 Jahre, erste Berufserfahrung erwünscht.“
Lösung Nummer zwei: Fachkräfte aus dem Ausland
Die zweite Lösung lautet:
Mehr Fachkräfte aus dem Ausland.
Grundsätzlich sinnvoll.
Nur gibt es einen kleinen Haken.
Deutschland konkurriert inzwischen mit der halben Welt um dieselben Menschen.
Kanada sucht Fachkräfte.
Australien sucht Fachkräfte.
Die USA suchen Fachkräfte.
Skandinavien sucht Fachkräfte.
Und Deutschland sagt:
„Wir haben übrigens auch Formulare.“
Das macht die Sache nicht unbedingt einfacher.
Der wahre Elefant im Raum
Die eigentliche Frage lautet jedoch:
Warum wurde jahrzehntelang so getan, als käme diese Entwicklung überraschend?
Die Geburtenzahlen waren bekannt.
Die Altersstruktur war bekannt.
Die Renteneintritte waren bekannt.
Die Statistiken lagen auf dem Tisch.
Jahrelang.
Vielleicht sogar jahrzehntelang.
Trotzdem wirkt die aktuelle Debatte manchmal so, als hätte man gestern erstmals entdeckt, dass Menschen altern.
Ronalds Lösung
Ich habe natürlich auch eine Lösung.
Ganz einfach.
Wir gründen ein Bundesministerium für offensichtliche Entwicklungen.
Aufgabe:
Dinge frühzeitig erkennen.
Zum Beispiel:
– Menschen werden älter.
– Babyboomer gehen irgendwann in Rente.
– Winter kommt nach dem Herbst.
– Die Deutsche Bahn wird wahrscheinlich nicht pünktlicher, wenn man weniger Mitarbeiter hat.
Budget:
Drei Milliarden Euro.
Natürlich steuerfinanziert.
Wir sind schließlich in Deutschland.
Am Ende bleibt festzuhalten:
Die Babyboomer gehen nicht plötzlich.
Sie gehen planmäßig.
Seit Jahrzehnten angekündigt.
Die eigentliche Überraschung ist deshalb nicht der Fachkräftemangel.
Sondern dass manche Menschen überrascht sind.
Euer Ronald Tramp.
Der einzige Wirtschaftsreporter Deutschlands, der bereits 1995 vermutet hat, dass Menschen irgendwann tatsächlich älter werden könnten.

