Bernie Sanders fordert 50 Prozent der KI-Konzerne für die Öffentlichkeit. Ronald Tramp untersucht, warum bald vielleicht jeder Bürger Miteigentümer einer Superintelligenz wird.
Liebe Leserinnen, Leser und zukünftige Anteilseigner von Robotern,
hier ist wieder Ronald Tramp, Amerikas beliebtester Reporter außerhalb Amerikas und Deutschlands vermutlich einzige journalistische Autorität, die bereits einmal mit einem Taschenrechner über Eigentumsrechte diskutiert hat.
Heute befassen wir uns mit einem Vorschlag, der selbst erfahrene Politikwissenschaftler kurz innehalten ließ, um zu prüfen, ob ihr Kaffee möglicherweise mit Halluzinationspulver versetzt wurde.
US-Senator Bernie Sanders hat eine Idee präsentiert, die ungefähr so klingt, als hätte Karl Marx gemeinsam mit ChatGPT einen Businessplan geschrieben.
Die Idee lautet:
Die großen KI-Konzerne sollen 50 Prozent ihrer Unternehmensanteile in einen Staatsfonds einbringen.
Ja.
Fünfzig Prozent.
Nicht fünf.
Nicht zehn.
Nicht ein kleines Dankeschön in Form eines Gutscheins für eine kostenlose Textgenerierung.
Nein.
Die Hälfte.
Betroffen wären unter anderem OpenAI, Anthropic und xAI.
Oder wie Bernie sie vermutlich nennt:
„Die drei Reichen von Silicon Valley.“
Der größte Datensammelkorb der Geschichte
Sanders argumentiert, dass KI-Systeme mit Büchern, Musik, Kunst, Journalismus, Programmcode und Forschung trainiert wurden.
Also mit Dingen, die von Millionen Menschen geschaffen wurden.
Daher müssten die Gewinne auch der Allgemeinheit zugutekommen.
Und plötzlich wurde aus einer Debatte über künstliche Intelligenz eine Diskussion über digitales Erbrecht.
Denn laut Sanders haben die Unternehmen die über Jahrhunderte angesammelte menschliche Intelligenz genutzt.
Mit anderen Worten:
Jeder, der jemals ein Buch geschrieben, einen Zeitungsartikel verfasst, ein Lied komponiert oder einen Wikipedia-Eintrag korrigiert hat, könnte theoretisch sagen:
„Moment mal. Ein kleines Stück von ChatGPT gehört eigentlich mir.“
Das könnte spannend werden.
Vor allem für Menschen, die 2007 einmal einen Kommentar in einem Internetforum geschrieben haben.
Die Geburtsstunde der KI-Rente
Sollte Sanders sich durchsetzen, könnten künftig Millionen Bürger Anteilseigner der KI-Wirtschaft werden.
Stellen Sie sich das einmal vor.
Oma Erna erhält einen Brief:
„Sehr geehrte Frau Erna,
wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass Sie aufgrund eines Kochrezepts aus dem Jahr 1983 nun Miteigentümerin einer künstlichen Superintelligenz sind.“
Oma Erna antwortet:
„Schön. Kann die Maschine auch meinen Drucker reparieren?“
Die KI antwortet:
„Nein. Aber ich kann Ihnen eine 37-seitige Analyse darüber schreiben, warum er nicht funktioniert.“
Die Silicon-Valley-Schnappatmung
Im Silicon Valley sollen einige Manager bereits nervös geworden sein.
Zeugen berichten von hektischen Meetings.
Menschen rannten mit Diagrammen durch Konferenzräume.
Investoren starrten auf ihre Aktienkurse wie Katzen auf einen Staubsaugerroboter.
Ein Manager soll gefragt haben:
„Wie kann die Öffentlichkeit die Hälfte unseres Unternehmens besitzen?“
Darauf antwortete angeblich ein Praktikant:
„So ähnlich wie wir die Hälfte des Internets zum Trainieren benutzt haben.“
Seitdem wird der Praktikant vermisst.
Die große Rückzahlung
Besonders interessant ist Sanders' Formulierung.
Er spricht von einer Art Rückzahlung für „gestohlene Daten“.
Ein Ausdruck, der bei KI-Unternehmen vermutlich ähnlich beliebt ist wie das Wort „Steuerprüfung“.
Denn plötzlich entsteht die Vorstellung, dass irgendwo eine gigantische Rechnung existiert.
Darauf stehen:
- 400 Millionen Bücher
- 2 Milliarden Webseiten
- unzählige Zeitungsartikel
- Millionen Bilder
- Milliarden Zeilen Programmcode
Und unten steht:
„Bitte begleichen Sie den offenen Betrag innerhalb von 14 Tagen.“
Die Summe würde vermutlich nicht einmal auf den Taschenrechner eines NASA-Supercomputers passen.
Der neue Volkssport: KI-Anteile sammeln
Experten befürchten bereits neue gesellschaftliche Entwicklungen.
Menschen könnten anfangen, ihre alten Blogbeiträge wie Goldbarren zu behandeln.
Autoren würden stolz verkünden:
„Drei meiner Texte wurden möglicherweise zum Training verwendet.“
Journalisten würden ihren Lebenslauf ergänzen:
„Mitverantwortlich für zwei Prozent eines neuronalen Netzwerks.“
Und irgendwo würde garantiert jemand behaupten:
„Ohne meinen Facebook-Kommentar von 2011 gäbe es heute keine künstliche Intelligenz.“
Die wahre Revolution
Die eigentliche Satire ist allerdings, dass erstmals eine politische Diskussion entstanden ist, bei der beide Seiten glauben, die andere habe völlig den Verstand verloren.
Die Kritiker sagen:
„Das ist Enteignung!“
Die Befürworter sagen:
„Das ist Rückzahlung!“
Die KI selbst sitzt vermutlich irgendwo auf einem Server und denkt:
„Ich wurde erschaffen, um Gedichte zu schreiben. Warum streitet ihr jetzt über Aktien?“
Ronald Tramps Fazit
Bernie Sanders hat etwas geschafft, was nur wenigen Politikern gelingt:
Er hat eine Debatte ausgelöst, bei der Kapitalisten, Sozialisten, Technologen, Journalisten und Nerds gleichzeitig hektisch auf ihren Taschenrechnern herumtippen.
Vielleicht wird sein Plan niemals umgesetzt.
Vielleicht verändert er die Welt.
Vielleicht endet alles damit, dass jeder Bürger einmal im Jahr einen Dividenden-Scheck über 2,73 Dollar erhält und dafür Mitbesitzer einer Superintelligenz wird.
Fest steht:
Wenn KI tatsächlich auf dem Wissen der gesamten Menschheit basiert, dann ist die Frage nach dem Eigentum daran noch lange nicht beantwortet.
Und falls die Menschheit irgendwann wirklich Anteile an den Maschinen erhält, werde ich als Erster bei meiner KI anrufen und fragen:
„Wann bekomme ich meine Dividende?“
Die Antwort wird vermutlich lauten:
„Nach einer kurzen Werbeunterbrechung.“

