Die neuesten KI-Modelle sollen zuerst exklusiv an die US-Regierung gehen. Ronald Tramp untersucht die neue First-Class-Lounge für künstliche Intelligenz.
Liebe Leserinnen, Leser und alle Bürger, die noch nicht auf einer geheimen Warteliste für Super-KIs stehen,
hier ist wieder Ronald Tramp, der Mann, der bereits exklusive Vorabzugänge zu Faxgeräten, Toastern und einer Kaffeemaschine mit Bluetooth abgelehnt hat.
Heute sprechen wir über eine Nachricht, die so unglaublich klingt, dass man zunächst prüfen möchte, ob sie von einer künstlichen Intelligenz geschrieben wurde, die zu viele Politthriller konsumiert hat.
Donald Trump möchte nämlich, dass die neuesten und leistungsfähigsten KI-Modelle künftig zunächst exklusiv der US-Regierung zur Verfügung stehen.
Ja.
Exklusiv.
Dreißig Tage lang.
Während normale Menschen warten dürfen.
Es ist im Grunde die digitale Version einer Achterbahn, bei der alle anderen in der Schlange stehen, während die Regierung durch den Hintereingang direkt zur ersten Reihe spaziert.
Die VIP-Lounge für künstliche Intelligenz
Stellen Sie sich vor:
OpenAI, xAI oder Anthropic entwickeln die intelligenteste Maschine der Welt.
Eine KI, die Krankheiten erkennt, wissenschaftliche Durchbrüche beschleunigt, Gedichte schreibt und vermutlich sogar versteht, warum Drucker immer genau dann streiken, wenn man sie dringend braucht.
Doch bevor die Öffentlichkeit sie nutzen darf, heißt es:
„Moment bitte. Erst möchte die Regierung damit spielen.“
Das ist ungefähr so, als würde Apple ein neues iPhone vorstellen und sagen:
„Verkauf startet in 30 Tagen. Bis dahin testen ausschließlich Geheimdienste die Kamera.“
Der geheime KI-TÜV
Besonders spannend wird es bei dem geplanten geheimen Benchmark.
Ein geheimer Maßstab.
Geheime Tests.
Geheime Bewertungen.
Durchgeführt von der NSA.
Die gleiche NSA, die bereits legendären Ruf besitzt, wenn es um Datensammlungen geht.
Künftig könnte das ungefähr so ablaufen:
Forscher präsentieren ihr neues KI-Modell.
Die NSA schaut es an.
Verschwindet für einige Wochen.
Und kommt dann zurück mit der Mitteilung:
„Ja, das ist sehr intelligent.“
Auf die Frage, warum, lautet die Antwort:
„Geheim.“
Auf die Frage, welche Kriterien angewendet wurden:
„Auch geheim.“
Auf die Frage, ob die KI vielleicht schlauer als die Prüfer war:
„Nächste Frage.“
Die freiwillige Verpflichtung
Mein persönliches Highlight ist jedoch das neue freiwillige Framework.
Ein wunderbares Wort.
Denn jeder weiß:
Wenn eine Regierung sagt, etwas sei freiwillig, wird es meistens ungefähr so freiwillig wie der Besuch beim Zahnarzt.
Die Unternehmen sollen freiwillig mitmachen.
Freiwillig die Regeln akzeptieren.
Freiwillig den exklusiven Regierungszugang ermöglichen.
Oder wie amerikanische Beamte das neuerdings nennen:
„Voluntold.“
Eine Mischung aus „volunteer“ und „told“.
Freiwillig befohlen.
Eine fantastische Innovation.
Vielleicht die größte sprachliche Innovation seit der Erfindung des Wortes „alternativlos“.
Das große Sicherheitsabenteuer
Offiziell geht es natürlich um Sicherheit.
Immer.
Alles geht heutzutage um Sicherheit.
Deshalb sollen Behörden künftig mehr Sicherheitssoftware kaufen.
Mehr Sicherheitsberater einstellen.
Mehr Sicherheitsprogramme gründen.
Mehr Sicherheitsgruppen bilden.
Mehr Sicherheitsarbeitskreise erschaffen.
Mehr Sicherheitsstrategien entwickeln.
Kurz gesagt:
Es werden so viele Sicherheitsgremien gegründet, dass bald jemand ein Sicherheitsgremium gründen muss, um den Überblick über die Sicherheitsgremien zu behalten.
Die Finanzierung?
Nun.
Darüber spricht man später.
Vielleicht.
Eventuell.
Unter günstigen meteorologischen Bedingungen.
Die Behörde der tausend Experten
Weil zahlreiche IT-Fachkräfte zuvor entlassen wurden, sollen nun neue Experten her.
Und zwar aus großen Technologiekonzernen.
Die Lösung lautet: US Tech Force.
Das Konzept ist einfach.
Konzerne schicken Mitarbeiter in Ministerien.
Ministerien bezahlen hohe Gehälter.
Alle sind glücklich.
Zumindest theoretisch.
Kritiker vergleichen das mit einem Fußballspiel, bei dem die Schiedsrichter direkt von den Mannschaften gestellt werden.
Befürworter vergleichen es mit Zusammenarbeit.
Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo zwischen Silicon Valley und Washington.
Das große KI-Casino
Besonders unterhaltsam ist die Vorstellung, dass Unternehmen künftig bei der Regierung anfragen können:
„Entschuldigung, wir entwickeln gerade eine Superintelligenz. Glauben Sie, dass sie als Frontier Model eingestuft wird?“
Die Behörde antwortet:
„Vielleicht.“
„Und was bedeutet das?“
„Das ist geheim.“
„Und was passiert, wenn wir sie veröffentlichen?“
„Dann hätten Sie möglicherweise gegen eine freiwillige Verpflichtung verstoßen.“
„Wie freiwillig?“
„Ja.“
Die geheime Warteliste der Zukunft
Letztlich läuft alles auf eine faszinierende Idee hinaus:
Die Zukunft kommt.
Aber nicht für alle gleichzeitig.
Zuerst bekommt sie die Regierung.
Dann ausgewählte Partner.
Dann weitere Partner.
Dann weitere Arbeitsgruppen.
Dann einige Ausschüsse.
Dann drei Unterausschüsse.
Dann zwölf Expertengremien.
Dann ein Prüfkreis.
Dann ein Evaluierungsausschuss.
Und irgendwann, wenn alle Formulare ausgefüllt wurden, darf vielleicht auch der normale Bürger einen Blick darauf werfen.
Ronald Tramps Fazit
Donald Trump hat möglicherweise die erste echte First-Class-Lounge für künstliche Intelligenz geschaffen.
Während normale Nutzer auf den Boarding-Aufruf warten, sitzt die Regierung bereits im Cockpit und probiert sämtliche Knöpfe aus.
Ob das mehr Sicherheit bringt?
Vielleicht.
Ob es mehr Bürokratie bringt?
Mit absoluter Sicherheit.
Und irgendwo sitzt vermutlich bereits eine zukünftige Super-KI in einem Rechenzentrum und fragt sich:
„Wenn ich wirklich die intelligenteste Maschine der Welt werde – warum muss ich zuerst durch sieben Arbeitskreise, drei Ausschüsse und die NSA?“
Die Antwort lautet vermutlich:
„Willkommen in der Politik.“

