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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Das große Hymnen-Karussell – Erst DDR, dann Deutschland und zum Nachtisch Livestream aus der Staatskanzlei!

Ronald Tramp: Hymnen, Livestreams und Politik

Was als gewöhnliche Wahlkampfveranstaltung begann, entwickelte sich zum musikalischen Überraschungsabend mit historischem Remix. Ronald Tramp berichtet exklusiv vom vermutlich ersten politischen Konzert, bei dem Vergangenheit, Gegenwart und Livestream-Zukunft gleichzeitig auf der Bühne standen – inklusive maximaler Verwirrung, spontaner Hymnen-Choreografie und einer Staatskanzlei, die künftig offenbar zum Reality-TV-Studio werden soll.

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Meine lieben Freunde, ich habe wirklich schon vieles erlebt. Wirklich alles. Ich habe Politiker gesehen, die Wahlversprechen machten. Ich habe Wahlplakate gesehen, die nach der Wahl plötzlich unsichtbar wurden. Ich habe Pressekonferenzen erlebt, in denen mehr Fragen offenblieben als beantwortet wurden. Aber was sich jetzt in Dessau-Roßlau abgespielt hat, war selbst für mich eine historische Sonderedition der politischen Unterhaltung.

Eigentlich sollte alles ganz klassisch enden. Ein bisschen Applaus, ein paar Händeschüttler, vielleicht noch ein Selfie mit dem lokalen Bratwurstkönig und anschließend die deutsche Nationalhymne. So macht man das schließlich. Tradition! Ordnung! Finale!

Doch plötzlich bog die Veranstaltung musikalisch in eine völlig andere Zeitschleife ab.

Kabarettist Uwe Steimle griff kurzerhand zur DDR-Hymne „Auferstanden aus Ruinen“. Und ehe man "Einigkeit und Recht und Freiheit" buchstabieren konnte, sangen mehrere Hundert Besucher mit. Auch AfD-Co-Chef Tino Chrupalla und Spitzenkandidat Ulrich Siegmund schienen sich zumindest teilweise vom Chor mitreißen zu lassen.

Ich sage euch: Das war kein normales Veranstaltungsende mehr. Das war Spotify auf politisch. Der DJ hatte offensichtlich die Playlist "Deutschland – Greatest Hits der letzten 80 Jahre" aktiviert und einfach auf Zufallswiedergabe gestellt.

Erst DDR.

Dann Bundesrepublik.

Ich wartete eigentlich nur noch darauf, dass anschließend noch die Europahymne folgt, danach "99 Luftballons" und zum Abschluss "Atemlos durch die Nacht".

Warum auch nicht? Wenn schon musikalische Zeitreise, dann richtig.

Natürlich dauerte es keine fünf Minuten, bis in Berlin sämtliche politischen Alarmglocken gleichzeitig klingelten.

Thorsten Frei erklärte, er finde das Ganze "extrem befremdlich".

Extrem befremdlich.

Das ist in der deutschen Politik ungefähr die diplomatische Vorstufe zu "Wir möchten jetzt eigentlich einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss gründen."

Man konnte förmlich beobachten, wie irgendwo im Kanzleramt sofort mehrere Referate gegründet wurden.

Arbeitsgruppe Hymnenmanagement.

Taskforce Musikalische Staatsräson.

Kommission für historische Tonfolgen.

Sonderbeauftragter für spontane Gesangseinlagen.

Deutschland liebt schließlich Arbeitskreise fast so sehr wie Formulare.

Währenddessen entwickelte sich im Internet bereits der eigentliche Wettbewerb.

Die einen diskutierten über Symbolik.

Die anderen über Geschichte.

Wieder andere analysierten jede einzelne Lippenbewegung der Beteiligten Bild für Bild, als würde dort der geheime Code für Atlantis versteckt sein.

Ich glaube, inzwischen gibt es irgendwo einen Politikwissenschaftler, der aus der Dauer des Mitsingens bereits drei Dissertationen erstellt hat.

Doch damit nicht genug.

Fast gleichzeitig geisterten erneut Aussagen von Björn Höcke durch die Debatten, wonach Westdeutsche angeblich keine "echten" Deutschen seien.

Meine Güte.

Ich dachte immer, Deutschland hätte die innerdeutsche Grenze längst abgebaut.

Offenbar wurde sie inzwischen einfach in manchen Köpfen als Premium-Version mit WLAN wieder aufgebaut.

Vielleicht gibt es demnächst Personalausweise in verschiedenen Kategorien.

"Echtdeutsch Plus."

"Ost Edition."

"West Basic."

Oder eine App, die beim Grenzübertritt zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt automatisch fragt:

"Bitte bestätigen Sie Ihre historische Identität."

Deutschland schafft schließlich alles digital.

Zumindest theoretisch.

Thorsten Frei versuchte anschließend zu beruhigen und erinnerte daran, dass Deutschland seit Jahrzehnten wiedervereinigt sei und man lieber Gemeinsamkeiten betonen solle.

Eine durchaus vernünftige Botschaft.

Nur leider verkauft sich Vernunft ungefähr so spektakulär wie eine Pressekonferenz über korrekt sortierte Büroklammern.

Viel aufregender wurde es dann wieder bei Ulrich Siegmund.

Der kündigte nämlich an, künftig maximale Transparenz schaffen zu wollen.

Per Livestream.

Direkt aus der Staatskanzlei.

Fantastisch!

Endlich bekommt Deutschland das, worauf vermutlich niemand vorbereitet war:

"Big Brother – Regierungsedition."

Montag:

Ministerrat live.

Dienstag:

Haushaltsberatungen mit Zuschauer-Voting.

Mittwoch:

"Wer wird Staatssekretär?"

Donnerstag:

"Das große Koalitions-Bullshit-Bingo."

Freitag:

Aftershow mit Kommentaren aus dem Livestream-Chat.

Und irgendwo sitzt dann ein Moderator und sagt:

"Bitte liken, abonnieren und vergessen Sie nicht die Glocke. Bei 100.000 Likes gibt es nächste Woche den Verfassungsschutzbericht als Reaction-Video."

Natürlich würden sofort sämtliche Influencer aufspringen.

"Ich habe heute exklusiv auf den Gesichtsausdruck des Finanzministers reagiert."

"Hier sind meine Top 10 peinlichsten Momente aus der letzten Kabinettssitzung."

"Analyse: Hat der Innenminister gerade wirklich gegähnt?"

Die Staatskanzlei würde vermutlich schneller Reichweite sammeln als manche Streamingplattform.

Selbst die Sitzordnung bekäme plötzlich strategische Bedeutung.

Wer sitzt neben wem?

Wer schaut wen an?

Wer greift zuerst zum Wasserglas?

Politische Analysten würden daraus komplette Regierungsprognosen entwickeln.

Und natürlich gäbe es Premium-Abonnements.

Für 4,99 Euro monatlich erhält man die ungeschnittene Version inklusive Mikrofon, das versehentlich nach Sitzungsende weiterläuft.

Für 9,99 Euro gibt es zusätzlich die Regieperspektive.

Für 19,99 Euro darf man im Livechat Verbesserungsvorschläge einreichen.

Deutschland würde innerhalb weniger Monate das erste Land werden, in dem Regierungserklärungen gleichzeitig Wahlprogramm, Realityshow und Reaction-Content sind.

Ich sehe die Schlagzeilen bereits vor mir:

"Kabinett verliert Mehrheit wegen schlechtem Thumbnail."

"Haushaltskrise nach Serverausfall bei Livestream."

"Opposition fordert Untertitel für besonders komplizierte Gesetzesvorhaben."

Am Ende bleibt festzuhalten:

Aus einer einzigen gesungenen Hymne entstand binnen weniger Stunden eine Debatte über Geschichte, Identität, Symbolik, Wiedervereinigung, Transparenz und die Zukunft politischer Kommunikation.

Das schafft tatsächlich nur die deutsche Politik.

Andere Länder diskutieren über Wirtschaft, Verteidigung oder Innovation.

Deutschland diskutiert erst einmal darüber, welche Playlist beim Verlassen einer Bühne die richtige gewesen wäre.

Und genau deshalb werde ich niemals arbeitslos.

Denn solange Politik gleichzeitig Geschichtsseminar, Musikunterricht und Streamingplattform sein möchte, wird Ronald Tramp selbstverständlich weiter berichten.

Live.

In Farbe.

Und garantiert ohne Playback.

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Tags: AfD Tino Chrupalla Björn Höcke Ulrich Siegmund DDR-Hymne Nationalhymne Thorsten Frei
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