Deadlines leugnen, Praktikanten zu Ministern ernennen und Meetings per Edding regieren: Ronald Tramp zeigt, wie man Karriere macht, ohne von Arbeit abgelenkt zu werden.
Von Ronald Tramp, Management-Guru für maximale Beförderung bei minimaler Arbeitsbeteiligung
Meine lieben Angestellten, Führungskräfte, Praktikanten und Menschen, die seit zwölf Jahren zuverlässig arbeiten und deshalb mit einer Urkunde über 25 Euro für die Kantine ausgezeichnet wurden!
Ich habe eine schlechte Nachricht:
Sie machen Karriere falsch.
Sie kommen pünktlich.
Sie halten Deadlines ein.
Sie beantworten E-Mails.
Sie lösen Probleme.
Sie erstellen Excel-Tabellen.
ABSOLUTE KATASTROPHE!
Wer so arbeitet, bekommt am Ende noch mehr Arbeit.
Ich, Ronald Tramp, habe deshalb das revolutionärste Managementprogramm entwickelt, seit jemand beschlossen hat, einen Obstkorb als Mitarbeiterbenefit zu bezeichnen:
THE ART OF THE OFFICE™
Fünf Strategien. Null Selbstzweifel. Maximale Karriere.
1. Deadlines sind Fake News
Ihr Chef erscheint Montagmorgen:
„Ronald, wo ist die Präsentation?“
Anfänger antworten:
„Leider bin ich noch nicht fertig.“
FALSCH!
Damit geben Sie zu, dass eine sogenannte „Realität“ existiert.
Profis antworten:
„Die Präsentation ist fertig. Komplett fertig. Vielleicht die fertigste Präsentation, die jemals fertig war.“
Chef:
„Wo ist sie?“
„Auf dem Server.“
„Da ist nichts.“
Jetzt kommt die FAKE-NEWS-VERTEIDIGUNG™:
„Natürlich sehen Sie nichts. Die IT hat sie verschwinden lassen. Schreckliche Leute. Wahrscheinlich Serveradministratoren. Sehr verdächtig.“
Ihr Chef zeigt Ihnen das Logfile.
Sie:
„MANIPULIERT!“
Er zeigt Ihnen Ihren leeren Projektordner.
„HEXENJAGD!“
Er zeigt Ihnen eine E-Mail, in der Sie Freitag geschrieben haben: „Ich habe noch nicht angefangen.“
Sie:
„Aus dem Zusammenhang gerissen!“
Danach verlassen Sie das Büro Richtung Kantine.
Ganz wichtig: niemals stehen bleiben.
Wer selbstbewusst geht, sieht aus, als hätte er einen Termin.
2. Finden Sie Ihren persönlichen Büro-Elon
Große Führungskräfte arbeiten nicht.
Große Führungskräfte finden Menschen, die begeistert für sie arbeiten.
Suchen Sie den motiviertesten Kollegen.
Am besten einen Praktikanten namens Tim.
Tim kommt morgens um 6:45 Uhr.
Tim sagt Dinge wie:
„Ich könnte das Wochenende nutzen.“
PERFEKT!
Ernennen Sie ihn zum:
Sonderbeauftragten für Büroeffizienz und strategische Kaffeemaschinenoptimierung
Keine Gehaltserhöhung.
Aber eine sensationelle Stellenbezeichnung.
Machen Sie ein LinkedIn-Foto.
Schreiben Sie:
„Proud to announce Tim as Head of DOGE – Department of Office Grinding Efficiency.“
Tim arbeitet daraufhin 83 Stunden.
Er kündigt drei Drucker.
Fusioniert Buchhaltung und Hausmeisterei.
Reduziert den Kaffeeverbrauch um 72 Prozent, indem er die Kaffeemaschine abschafft.
Am Donnerstag rebelliert die Belegschaft.
Freitag brennt der Wasserkocher.
Sie erklären:
„Tim ist ein großartiger Typ. Sehr talentiert. Aber ich kannte ihn eigentlich kaum.“
Führung!
3. Drucken Sie Ihr eigenes Geld
Die Geschäftsleitung genehmigt keinen ergonomischen Bürostuhl für 899 Euro?
Kein Problem.
Sie brauchen keine Euros.
Sie brauchen:
TRAMP OFFICE DOLLARS™
Gehen Sie zum Farbdrucker.
Drucken Sie Gutscheine mit Ihrem Gesicht.
Aufschrift sinngemäß:
500 RONALD BUCKS
Kollegin Sandra soll Freitag Ihre Spätschicht übernehmen?
„Sandra, ich gebe dir 2.000 Ronald Bucks.“
Sandra:
„Was kann ich damit kaufen?“
„Momentan nichts.“
Sandra:
„Dann sind sie wertlos.“
FALSCH!
Sie sind eine strategische Zukunftswährung.
Der Wert explodiert, sobald Sie die Kontrolle über die Kaffeemaschine übernehmen.
Wenn Sandra trotzdem ablehnt, verkünden Sie beim nächsten Teammeeting:
„Sandra glaubt nicht an unsere Firma.“
Montag besitzt Sandra 14.000 Ronald Bucks und weiß nicht genau, warum.
Sie sind jetzt praktisch Zentralbankpräsident.
4. Regieren Sie Meetings per Executive Order
Meetings sind gefährlich.
Menschen bringen Fakten mit.
Diagramme.
Kennzahlen.
Argumente.
Manchmal sogar Quellen.
Das müssen Sie sofort unterbinden.
Kollege Müller präsentiert:
„Wie Sie auf Folie 17 sehen, ist unser Umsatz im dritten Quartal um—“
STOP!
Holen Sie einen schwarzen Edding hervor.
Nehmen Sie ein leeres Blatt.
Unterschreiben Sie.
Halten Sie es hoch.
Und verkünden Sie:
„HIERMIT SIND WIR MARKTFÜHRER.“
Müller:
„Aber unser Marktanteil beträgt 4,7 Prozent.“
Sie:
„Jetzt 51.“
„Wie kommen Sie darauf?“
Zeigen Sie auf Ihre Unterschrift.
„EXECUTIVE ORDER.“
Fantastisch!
Sie haben gerade eine komplizierte Marktanalyse durch einen Edding ersetzt.
McKinsey hasst diesen Trick.
Danach verlassen Sie das Meeting.
Niemals auf Fragen warten.
Fragen sind nur Antworten mit schlechter Einstellung.
5. Krisenmanagement: Feuern, bevor Sie gefeuert werden
Jetzt kommt die Königsdisziplin.
Jahresabschluss.
Umsatz runter.
Kosten hoch.
Großkunde weg.
Geschäftsführung sauer.
Jemand wird verantwortlich gemacht.
Warten Sie niemals darauf, wer.
Übernehmen Sie die Initiative!
Zeigen Sie auf den stillsten Kollegen.
„Müller.“
Alle schauen Müller an.
„Was ist mit Müller?“
Sie:
„TOTAL DISASTER.“
Müller:
„Ich bin Hausmeister.“
„Genau! Und trotzdem sind die Quartalszahlen schlecht.“
Dann kommt der entscheidende Satz:
„YOU’RE FIRED!“
Personalabteilung:
„Sie dürfen Herrn Müller überhaupt nicht kündigen.“
Sie:
„Zu spät. Leadership.“
Bis HR geklärt hat, was gerade passiert ist, haben Sie bereits einen Termin mit dem Vorstand.
Thema:
„Ronald Tramp – entschlossenes Krisenmanagement und Potenzial für höhere Führungsverantwortung.“
Müller repariert währenddessen den Aufzug.
Er ist der einzige Mensch im Unternehmen, der tatsächlich etwas kann.
BONUS: Erfinden Sie Ihre eigenen Kennzahlen
Hier scheitern viele Führungskräfte.
Sie verwenden die Zahlen aus dem Controlling.
Warum?
Das sind fremde Zahlen!
Wenn das Controlling sagt:
„Kundenzufriedenheit: 61 Prozent“,
antworten Sie:
„Unsere interne Analyse ergibt 94 Prozent.“
„Welche Analyse?“
„Meine.“
„Wie viele Kunden wurden befragt?“
„Mich.“
100 PROZENT ZUFRIEDEN!
Statistisch sensationell.
Wenn der Umsatz sinkt, messen Sie nicht Umsatz.
Messen Sie Umsatzpotenzial.
Wenn Kunden gehen, messen Sie nicht Kundenverlust.
Messen Sie strategische Kundenbereinigung.
Wenn Mitarbeiter kündigen, nennen Sie es:
„Dynamische Personaloptimierung durch freiwillige Marktfreisetzung.“
Und wenn die Firma pleitegeht:
„Historische Liquiditätsverschlankung.“
Das ist Managementsprache.
Ronalds Weg zum CEO
Nach wenigen Monaten haben Sie es geschafft.
Sie erledigen keine Projekte mehr.
Sie beantworten keine kritischen Fragen.
Sie besitzen 800 Millionen wertlose Büro-Dollar.
Tim schläft unter seinem Schreibtisch.
Müller wurde inzwischen dreimal gekündigt und kommt trotzdem jeden Morgen, weil niemand HR informiert hat.
Die Kaffeemaschine wurde privatisiert.
Ein Espresso kostet 47 Ronald Bucks.
Und die Geschäftsführung sagt:
„Dieser Mann denkt wirklich strategisch.“
Beförderung!
Sie werden CEO.
Bei Ihrer ersten Vorstandssitzung präsentieren Sie die neue Unternehmensstrategie:
„Wir werden wachsen. Sehr stark. Vielleicht stärker als jemals zuvor. Unsere Zahlen werden unglaublich sein.“
Finanzvorstand:
„Wie genau?“
Sie unterschreiben ein leeres Blatt.
Stehen auf.
Gehen zur Tür.
Drehen sich noch einmal um:
„Details sind Sache des operativen Geschäfts.“
Meine Damen und Herren:
Das ist Führung.
Warum kompetent sein, wenn man überzeugend kompetent aussehen kann?
Warum Fehler eingestehen, wenn man sie in Erfolge umbenennen kann?
Warum Verantwortung übernehmen, wenn irgendwo ein Müller arbeitet?
Und sollte dieser Karriereplan wider Erwarten dazu führen, dass Sie tatsächlich gefeuert werden, gilt Ronald Tramps wichtigste Managementregel:
Gehen Sie niemals mit einem Karton persönlicher Sachen aus dem Gebäude.
Gehen Sie mit erhobenem Kopf hinaus und verkünden Sie:
„ICH WURDE NICHT GEFEUERT. ICH HABE DIE FIRMA STRATEGISCH VERLASSEN.“
Und wenn der Sicherheitsdienst hinter Ihnen die Tür abschließt:
„HISTORISCHER ERFOLG!“
MAKE THE GROSSRAUMBÜRO GREAT AGAIN!
Believe me.

