Die EU verhängt eine Rekordstrafe gegen Google – und Donald Trump reagiert wie ein Nachbar, der nach einem Knöllchen die gesamte Straße zur Mautzone erklärt. Ronald Tramp untersucht den wohl spektakulärsten Versuch der Weltpolitik, eine Geldstrafe mit noch mehr Zöllen zu beantworten.
Meine Damen und Herren, ich habe schon viele wirtschaftliche Meisterwerke erlebt. Börsen, die Achterbahn fahren. Minister, die Sparpakete schnüren, während gleichzeitig neue Milliardenprogramme angekündigt werden. Und Behörden, die für einen Antrag einen Antrag verlangen.
Aber was jetzt passiert, hebt die internationale Wirtschaft auf ein völlig neues Niveau.
Die Europäische Union verhängt eine hohe Wettbewerbsstrafe gegen Google.
Und Donald Trump antwortet sinngemäß:
"Dann bekommt ihr eben noch mehr Zölle!"
Ich, Ronald Tramp, vermutlich der erfolgreichste Wirtschaftsreporter zwischen Brüssel und dem Getränkeautomaten im Bundestag, musste dieser sensationellen Logik selbstverständlich sofort nachgehen.
Bereits am Flughafen Washington fiel mir auf, dass überall Zollbeamte standen.
Nicht an den Eingängen.
Nicht an den Ausgängen.
Sondern vorsichtshalber einfach überall.
Man weiß schließlich nie.
Vielleicht versucht irgendwo gerade eine belgische Praline illegal die Grenze zu überqueren.
Im Weißen Haus herrschte Hochbetrieb.
Auf einem riesigen Whiteboard standen sämtliche europäischen Produkte.
Käse.
Wein.
Autos.
Maschinen.
Schokolade.
Gartenzwerge.
Niemand wusste warum die Gartenzwerge dort standen.
Aber sicher ist sicher.
Ein Berater hob vorsichtig die Hand.
"Herr Präsident… Google stellt doch gar keinen Käse her."
Kurze Stille.
Dann die Antwort:
"Noch nicht."
Strategisch gedacht.
Man muss immer einen Schritt voraus sein.
Oder wenigstens glauben, dass man einen Schritt voraus ist.
Trump erklärte, Europa lasse amerikanische Unternehmen ausrauben.
Deshalb müsse jetzt ein erheblicher Zoll her.
Ich begann sofort zu rechnen.
Nicht mit Zahlen.
Mit politischer Mathematik.
Sie funktioniert nämlich völlig anders.
Normale Mathematik:
2 + 2 = 4.
Politische Mathematik:
Google zahlt eine Geldstrafe.
Deshalb wird französischer Käse teurer.
Völlig logisch.
Fragen unerwünscht.
Ich fragte einen fiktiven Ökonomen.
"Verstehen Sie das?"
Er antwortete:
"Seit Dienstag nicht mehr."
Ein weiterer Experte ergänzte:
"Ich habe Volkswirtschaft studiert."
"Und?"
"Jetzt studiere ich Sicherheitshalber noch Philosophie."
Sehr vernünftig.
Denn irgendwann landet man automatisch bei der großen Frage:
Wenn Google eine Strafe bekommt – warum muss dann plötzlich der Parmesan leiden?
Die Antwort lautet vermutlich:
Weil in der internationalen Handelspolitik inzwischen alles mit allem zusammenhängt.
Oder zumindest so getan wird.
Ich stellte mir daraufhin die nächste Eskalationsstufe vor.
Ein italienischer Espresso wird in New York bestellt.
Der Kellner fragt:
"Mit Milch?"
"Ja."
"Dann kommen noch zwölf Prozent Zoll auf den Milchschaum."
"Warum?"
"Wegen einer Suchmaschine."
Der Gast nickt ergeben.
Man gewöhnt sich an vieles.
In Brüssel dürfte die Überraschung ebenfalls groß gewesen sein.
Dort hatte man vermutlich mit einer Pressemitteilung gerechnet.
Nicht mit einer wirtschaftlichen Großoffensive.
Ein Beamter soll angeblich gefragt haben:
"Welche Produkte betrifft das?"
Antwort:
"Ja."
Beeindruckende Präzision.
Trump scheint Zölle inzwischen ähnlich einzusetzen wie andere Leute Gewürze.
Etwas Problem?
Zoll.
Handelsstreit?
Mehr Zoll.
Schlechtes Wetter?
Vorbeugend ebenfalls Zoll.
Man weiß ja nie, woher die Wolken kommen.
Im Weißen Haus soll inzwischen sogar ein neuer Sprachassistent getestet werden.
Man stellt ihm jede beliebige Frage.
"Wie spät ist es?"
"Zoll."
"Wie wird morgen das Wetter?"
"Zoll."
"Wo liegt Luxemburg?"
"Erst nach einer Zollprüfung."
Effizient.
Sehr effizient.
Ich traf anschließend einen fiktiven Zollbeamten.
Er wirkte völlig erschöpft.
"Früher haben wir Container kontrolliert."
"Und heute?"
"Heute kontrollieren wir politische Gefühle."
"Erfolgreich?"
"Wir arbeiten noch an der Einfuhrgenehmigung."
Auch die Wirtschaft versucht sich inzwischen anzupassen.
Große Konzerne entwickeln angeblich neue Produkte.
Ein Auto ohne Motor.
Warum?
Dann kann wenigstens auf irgendetwas kein zusätzlicher Zoll erhoben werden.
Käsehersteller denken über unsichtbaren Gouda nach.
Schokoladenfabriken arbeiten an digitaler Schokolade.
Und Winzer überlegen, Wein künftig als Podcast zu exportieren.
Schließlich kann man schlecht auf eine Tondatei Einfuhrzölle für Trauben verlangen.
Obwohl…
In der aktuellen Weltpolitik sollte man niemals "unmöglich" sagen.
Die eigentliche Hauptrolle spielt jedoch Google.
Der Konzern erhält eine hohe Wettbewerbsstrafe.
Währenddessen diskutiert plötzlich die halbe Welt über Käse, Autos, Stahl und Zolltabellen.
Das muss man erst einmal schaffen.
Es ist ungefähr so, als bekäme der Nachbar ein Knöllchen – und man selbst erhöht daraufhin die Parkgebühren für die gesamte Stadt.
Konsequent.
Irgendwie.
Während ich Washington wieder verließ, begegnete ich einem Touristen.
Er fragte:
"Entschuldigung, wo geht es zum Weißen Haus?"
Ich antwortete:
"Geradeaus."
"Und kostet das etwas?"
Ich überlegte kurz.
"In der aktuellen Lage würde ich sicherheitshalber mit einem kleinen Einfuhrzoll für europäische Wanderschuhe rechnen."
Er wechselte sofort auf Sandalen.
Vorsicht ist Vorsicht.
Kurz vor dem Flughafen entdeckte ich schließlich ein neues Schild.
"Willkommen in den Vereinigten Staaten."
Darunter stand in kleiner Schrift:
"Für gute Laune fallen derzeit keine Zölle an. Änderungen jederzeit möglich."
Ich musste lachen.
Nicht weil die Weltwirtschaft plötzlich einfacher geworden wäre.
Sondern weil sie inzwischen wirkt wie ein gigantisches Brettspiel, bei dem ständig jemand die Regeln austauscht, während alle anderen noch würfeln.
Und Donald Trump scheint dabei der einzige Spieler zu sein, der überzeugt ist, dass jede Strafzahlung irgendwo auf der Welt am Ende mit einem weiteren Zoll beantwortet werden kann.
Ich, Ronald Tramp, nehme deshalb schon einmal vorsorglich meinen Notizblock mit zum nächsten Supermarkt.
Man weiß schließlich nie, ob auf französischen Camembert, italienische Pasta oder belgische Waffeln nicht plötzlich ein internationales Gipfeltreffen im Kühlregal beginnt.

