Ein Parasitenverdacht im Salat, Waldbrandrauch aus Kanada und plötzlich hagelt es Zölle. Ronald Tramp deckt auf, wie Gemüse, Wetter und Grillrauch offenbar zur neuen Außenpolitik werden – und warum künftig selbst Kopfsalat einen Reisepass brauchen könnte.
Meine Damen und Herren, unglaublich. Wirklich historisch. Ich dachte immer, Handelskriege würden wegen Öl beginnen. Oder wegen Autos. Vielleicht wegen Computerchips. Aber nein.
Jetzt beginnt offenbar der erste internationale Salatkrieg der Weltgeschichte.
Ich, Ronald Tramp, wahrscheinlich der größte Gemüsediplomat seit Erfindung der Gewürzgurke, musste selbstverständlich sofort ermitteln.
Alles begann mit einer Durchfallwelle in mehreren US-Bundesstaaten. Die Gesundheitsbehörden untersuchen einen möglichen Zusammenhang mit einem Parasiten. Im Fokus: klein geschnittener Eisbergsalat aus Mexiko. Die Ermittlungen laufen noch, endgültige Beweise gibt es zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht.
Doch in der Welt der großen politischen Show gilt offenbar inzwischen eine neue Regel:
Wenn der Magen grummelt, grummelt kurz darauf auch der Zoll.
Donald Trump kündigte an, hohe Zölle gegen Mexiko zu verhängen.
Nicht wegen Autos.
Nicht wegen Stahl.
Nicht wegen Öl.
Wegen Salat.
Ich war sprachlos.
Nicht lange.
Dann begann ich zu lachen.
Im Weißen Haus soll inzwischen eine völlig neue Abteilung entstanden sein.
Das Ministerium für Gemüsebasierte Außenpolitik.
Dort sitzen hochbezahlte Experten vor riesigen Weltkarten.
Eine Tomate rollt vom Tisch.
Sofort wird geprüft:
"Aus welchem Land stammt sie?"
"Mexiko."
"Dann bereitet schon einmal einen Zollentwurf vor."
Ein Mitarbeiter hebt vorsichtig die Hand.
"Herr Präsident... was ist, wenn die Tomate aus Spanien kommt?"
"Dann verschieben wir die Sitzung."
Konsequent.
Ich stellte mir vor, wie künftig internationale Krisen entstehen.
Eine Avocado ist zu weich.
Zoll.
Eine Paprika hat Druckstellen.
Zoll.
Eine Gurke ist krumm.
Doppelter Zoll.
Der internationale Gemüsehandel dürfte inzwischen unter Schock stehen.
Eisbergsalate treffen sich nachts heimlich in Kühlhäusern.
"Was hast du gehört?"
"Die kontrollieren jetzt sogar unsere Blätter."
"Wir wollten doch nur knackig sein."
Tragisch.
Doch damit war der politische Gemüseeintopf noch lange nicht fertig.
Denn plötzlich rückte Kanada in den Mittelpunkt.
Nicht wegen Ahornsirup.
Nicht wegen Eishockey.
Nicht wegen Elchen.
Wegen Rauch.
Waldbrandrauch zieht über die Grenze.
Die Natur macht das, was Wind nun einmal macht.
Und irgendwo klingelt offenbar wieder die Zollglocke.
Ich musste die Logik erst einmal verstehen.
Also zeichnete ich eine Skizze.
Baum brennt.
Wind weht.
Rauch fliegt.
Zoll.
Einfach.
Fast poetisch.
Ich fragte einen fiktiven Meteorologen.
"Kann man Wind eigentlich verzollen?"
Er dachte kurz nach.
"Falls nicht, arbeitet bestimmt schon jemand daran."
Beruhigend.
Im Weißen Haus soll inzwischen sogar eine neue Wetterkarte hängen.
Sie zeigt nicht nur Hoch- und Tiefdruckgebiete.
Sondern auch die voraussichtlichen Zollgebiete.
Kommt der Wind aus Kanada?
50 Prozent.
Kommt Regen aus Mexiko?
Sicherheitshalber ebenfalls.
Ein leichter Westwind aus Europa?
Vorläufige Untersuchung läuft.
Die Zollbeamten haben inzwischen offenbar ebenfalls neue Aufgaben erhalten.
Früher kontrollierten sie Container.
Heute stehen sie mit Ferngläsern am Himmel.
"Chef!"
"Ja?"
"Da kommt eine Wolke."
"Aus welchem Land?"
"Das prüfen wir noch."
Großartige Verwaltungseffizienz.
Ich begann mir auszumalen, wohin diese Strategie noch führen könnte.
Sollte irgendwann ein italienischer Espresso zu heiß sein...
Zoll.
Französischer Käse riecht zu intensiv...
Zoll.
Japanischer Reis klebt...
Selbstverständlich Zoll.
Australische Kängurus hüpfen zu laut...
Einfuhrprüfung.
Vorsichtshalber.
Die eigentliche Sensation besteht jedoch darin, dass inzwischen beinahe alles außenpolitisch werden kann.
Früher unterschieden wir zwischen Wetter, Landwirtschaft und Handel.
Heute scheint das alles in einen riesigen Mixer geworfen worden zu sein.
Ein Smoothie der internationalen Beziehungen.
Mit extra Bürokratie.
Ich traf anschließend einen fiktiven amerikanischen Zollbeamten.
Er wirkte erschöpft.
"Früher hatten wir Zolltabellen."
"Und heute?"
"Jetzt haben wir zusätzlich Gemüsekalender, Wetterberichte und Waldbrandkarten."
"Warum?"
"Man weiß nie, was morgen verzollt wird."
Der arme Mann hatte Augenringe bis zur kanadischen Grenze.
Auch Supermärkte reagieren bereits.
An den Salatregalen hängen angeblich neue Hinweisschilder.
"Dieser Eisbergsalat könnte internationale Spannungen verursachen."
Daneben:
"Bitte Blatt für Blatt konsumieren."
Und ganz unten:
"Der Preis kann sich je nach Windrichtung ändern."
Die Kunden wirken irritiert.
Die Kassierer ebenfalls.
Besonders kreativ zeigt sich inzwischen die Reisebranche.
Neue Pauschalreisen werben mit:
"Urlaub ohne Zollgefahr."
Reiseziele:
Atlantischer Ozean.
Mond.
Vielleicht Mars.
Dort gibt es bislang weder Salat noch Waldbrandrauch.
Soweit bekannt.
Währenddessen verschlechtern sich die Beziehungen zwischen den USA und Kanada weiter.
Sogar gemeinsame Zeremonien werden abgesagt.
Man gewinnt fast den Eindruck, dass inzwischen selbst Brückeneinweihungen diplomatische Hochrisikoveranstaltungen geworden sind.
Ich stelle mir die Einladung vor.
"Bitte erscheinen Sie zur Eröffnung."
"Unter einer Bedingung."
"Welche?"
"Bringen Sie keinen Rauch mit."
Zum Schluss verließ ich Washington und entdeckte am Flughafen ein neues Schild.
"Willkommen in den Vereinigten Staaten."
Darunter stand:
"Bitte deklarieren Sie Obst, Gemüse, Rauch, Wolken, Nebel, Grillduft und ungewöhnliche Windrichtungen."
Noch kleiner darunter:
"Sollten Sie einen Eisbergsalat bei sich führen, empfehlen wir anwaltliche Beratung."
Ich musste laut lachen.
Denn eines scheint inzwischen sicher zu sein:
Früher entschieden Handelskonflikte über Stahl, Öl oder Autos.
Heute genügt offenbar ein Kopf Salat mit schlechtem Timing oder eine Rauchwolke mit Rückenwind, damit irgendwo auf der Welt eine neue Zollidee geboren wird.
Und ich, Ronald Tramp, werde künftig beim Einkaufen nicht mehr nur auf das Mindesthaltbarkeitsdatum achten.
Sondern vorsichtshalber auch auf die außenpolitische Wetterlage.

