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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Deutschlands längste Unterrichtsstunde – Seit 17 Jahren krank, aber nicht im Ruhestand!

Grafik: Ronald Tramp über Deutschlands längsten Aktenlauf

Eine Lehrerin, die seit 2009 nicht mehr unterrichtet hat, klagt gegen ihre Versetzung in den Ruhestand. Ronald Tramp untersucht den wohl längsten Arbeitstag der deutschen Bildungsgeschichte – irgendwo zwischen Krankenakte, Klassenzimmer und juristischem Dauerschleifenmodus.

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Meine Damen und Herren,

ich dachte wirklich, ich hätte inzwischen alles gesehen.

Behörden, die für einen Stempel drei weitere Stempel verlangen.

Flughäfen, die schneller erweitert werden als sie gebaut werden.

Die Deutsche Bahn, die neuerdings Bier bekämpft, aber mit Verspätungen diplomatische Beziehungen pflegt.

Doch jetzt kommt Nordrhein-Westfalen mit einer Geschichte, bei der selbst Kafka irgendwann gesagt hätte:

„Jetzt übertreibt ihr aber.“

Es geht um eine Lehrerin.

Eine Lehrerin, die seit 2009 keinen Unterricht mehr gehalten hat.

Sie war krankgeschrieben.

Nicht ein paar Wochen.

Nicht ein paar Monate.

Nicht einmal ein paar Jahre.

Sondern ungefähr so lange, wie andere Menschen inzwischen drei Smartphones, vier Bundesregierungen und acht Streaming-Abonnements verschlissen haben.

Und jetzt kommt der eigentliche Knaller.

Nachdem sie amtsärztlich untersucht wurde, soll sie in den Ruhestand versetzt werden.

Dagegen klagt sie.

Fantastisch.

Wirklich fantastisch.

Ich, Ronald Tramp, weltweit führender Experte für Verwaltungsabsurditäten und Ehrenvorsitzender des internationalen Instituts für amtlichen Papierstau, musste dieser Geschichte selbstverständlich persönlich nachgehen.

Meine erste Station:

Das Ministerium für Zeitreisen.

Denn ich war überzeugt, dass sich irgendwo ein Kalender verirrt haben musste.

2009?

Damals liefen noch MP3-Player.

Windows 7 war modern.

Menschen diskutierten darüber, ob Facebook wohl Zukunft habe.

Und trotzdem befindet sich derselbe Vorgang heute noch immer im Verwaltungsmodus.

Das muss man erst einmal schaffen.

Ich fragte einen Taschenrechner, wie viele Tage das ungefähr seien.

Er antwortete:

„Bitte wenden Sie sich an einen Supercomputer.“

Beeindruckend.

Selbst Mathematik gibt irgendwann auf.

Natürlich muss man eines klar sagen:

Wenn jemand tatsächlich dauerhaft dienstunfähig ist, dann gibt es dafür geregelte Verfahren.

Und genau deshalb gibt es amtsärztliche Untersuchungen, beamtenrechtliche Vorschriften und gerichtliche Verfahren.

Das alles ist wichtig.

Doch was mich fasziniert, ist die Geschwindigkeit.

Oder besser gesagt:

Die nahezu vollständige Abwesenheit derselben.

Meine Quellen berichten, dass manche Aktenordner inzwischen so alt sind, dass sie Anspruch auf Denkmalschutz anmelden wollen.

Ein Locher soll bereits in Altersteilzeit sein.

Der Hefter denkt über Pension nach.

Selbst Büroklammern wurden angeblich mehrfach versetzt.

Ich halte das für glaubwürdig.

Denn nichts altert in Deutschland würdevoller als ein unbearbeiteter Verwaltungsvorgang.

Doch jetzt wird es noch kurioser.

Während die Klage läuft, fließen laut Berichten weiterhin die Bezüge.

Ich stelle mir vor, wie irgendwo im Finanzamt der Computer fragt:

„Soll ich weiter überweisen?“

Antwort:

„Bis das Gegenteil rechtskräftig festgestellt wurde.“

Computer:

„Verstanden. Bis ungefähr 2034?“

Das nennt man Planungssicherheit.

Gleichzeitig laufen Ermittlungen wegen des Verdachts auf Betrug.

Dabei gilt selbstverständlich:

Es handelt sich um Ermittlungen.

Über Schuld oder Unschuld entscheiden allein die zuständigen Gerichte.

Aber Satire darf durchaus feststellen, dass die Geschichte inzwischen mehr Handlungsstränge besitzt als manche Fernsehserie.

Es gibt eine Klage.

Ein Disziplinarverfahren.

Eine staatsanwaltschaftliche Ermittlung.

Eine Durchsuchung.

Beamtenrecht.

Verwaltungsrecht.

Und vermutlich bald eine Fortsetzung auf Staffel zwei.

Netflix hat bereits nervös nach den Filmrechten gefragt.

Arbeitstitel:

„Hausmeister Krause trifft Akte X.“

Ich fragte außerdem einen leeren Klassenraum nach seiner Meinung.

Er antwortete:

„Ich habe in den letzten Jahren viele Generationen kommen und gehen sehen.

Nur meine ursprüngliche Lehrkraft leider nicht.“

Ein bewegender Moment.

Selbst die Schultafel wirkte nachdenklich.

Sie erklärte:

„Ich wurde inzwischen sechsmal ausgetauscht.“

Auch die Kreide meldete sich.

„Ich bin längst ausgestorben.“

Traurig.

Sehr traurig.

Besonders spannend finde ich die bürokratische Choreografie.

Irgendwann muss doch jemand gesagt haben:

„Vielleicht sollten wir einmal nachsehen.“

Und ein anderer antwortete:

„Ja.

Aber nicht heute.

Heute haben wir Jour fixe.“

So vergingen offenbar Monate.

Dann Jahre.

Dann Jahrzehnte.

Irgendwann fragte vermutlich der Praktikant:

„Wer ist eigentlich diese Lehrerin auf Seite 847?“

Antwort:

„Nicht anfassen!

Das ist ein historischer Vorgang.“

Ich habe deshalb einen Reformvorschlag.

Jede Akte bekommt künftig einen Schrittzähler.

Wenn sie länger als zwei Jahre denselben Schreibtisch nicht verlässt, beginnt sie laut zu piepen.

Nach fünf Jahren verschickt sie selbst Erinnerungsmails.

Nach zehn Jahren bestellt sie automatisch den Rechnungshof.

Nach fünfzehn Jahren kandidiert sie vermutlich für den Bundestag.

Das wäre wenigstens Bewegung.

Natürlich darf man die ernste Seite der Geschichte nicht vergessen.

Der Staat trägt Verantwortung – sowohl gegenüber seinen Beschäftigten als auch gegenüber den Steuerzahlern.

Verfahren müssen sorgfältig geführt werden.

Gesundheitliche Fragen verdienen Respekt.

Und strafrechtliche Vorwürfe müssen rechtsstaatlich aufgeklärt werden.

Doch gleichzeitig zeigt dieser Fall etwas typisch Deutsches.

Nicht die Geschichte selbst.

Sondern ihre Laufzeit.

Andere Länder bauen in siebzehn Jahren komplette Metrolinien.

Deutschland schafft in derselben Zeit einen Verwaltungsvorgang mit Fortsetzungscharakter.

Das ist eine besondere Disziplin.

Olympiareif.

Goldmedaille im Aktenmarathon.

Silber für Fristenverlängerung.

Bronze für „Bitte reichen Sie das Formular in dreifacher Ausfertigung nach.“

Ich, Ronald Tramp, komme deshalb zu einem eindeutigen Ergebnis.

Der eigentliche Rekord in diesem Fall ist weder die Krankschreibung noch das Gerichtsverfahren.

Der wahre Weltrekord ist das Verwaltungsverfahren selbst.

Es lief so lange, dass vermutlich mehrere Drucker, fünf Kaffeemaschinen und mindestens drei Generationen Büroklammern den Dienst quittiert haben.

Und irgendwo sitzt noch immer ein Aktenordner und flüstert seinem Nachbarn zu:

„Keine Sorge.

Wir schaffen das.

Spätestens bis 2040.“

Ich bleibe selbstverständlich für Sie an der Akte.

Demnächst exklusiv:

„Ronald Tramp beantragt eine Baugenehmigung – die Entscheidung wird voraussichtlich kurz nach der Marsbesiedlung erwartet.“

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Tags: Bürokratie Lehrerin NRW Verwaltungsgericht Wesel Beamtin Ruhestand
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