Kap Verde bringt Weltmeister Argentinien an den Rand der Sensation, Paraguay freut sich auf 46 Grad im Schatten und Jürgen Klopp meldet Interesse am Bundestrainer-Job. Ronald Tramp berichtet exklusiv über die verrückteste WM seit der Erfindung des runden Balls.
Meine fantastischen Freunde,
ich sage euch:
Diese Weltmeisterschaft liefert inzwischen mehr Drama als sämtliche Netflix-Serien zusammen.
Gestern dachte ich noch, Fußball bestehe aus 22 Spielern und einem Ball.
Heute weiß ich:
Fußball besteht aus Tränen, Hitzewellen, Eigentoren, Trainergerüchten und Lionel Messi, der sich weigert, den Fußball endlich in Ruhe altern zu lassen.
Fantastisch.
Kap Verde erklärt der Welt den Begriff "Mut"
Beginnen wir mit den Helden.
Kap Verde.
Ein kleines Inselreich.
Weniger Einwohner als manche Großstadt.
Aber auf dem Platz?
Gigantisch.
Diese Mannschaft spielte gegen den Weltmeister Argentinien, als hätte sie vergessen, dass der Gegner Weltmeister ist.
Genau so muss man das machen.
Keine Ehrfurcht.
Keine Angst.
Nur Fußball.
Und plötzlich wurde aus einem vermeintlich kleinen Außenseiter eine Mannschaft, die ganz Argentinien kollektiv den Blutdruck messen ließ.
Lionel Scaloni sah aus, als hätte ihm jemand erzählt, der VAR überprüfe jetzt rückwirkend die letzten zwanzig Jahre.
Lopes Cabral spielt Fußball wie aus einem Videospiel
Und dann...
Sidny Lopes Cabral.
Meine Damen und Herren.
Was war DAS bitte?
Der Mann schoss ein Tor, bei dem selbst die Physik kurz die Arbeit niederlegte.
Der Ball flog in den Winkel.
Der Torwart schaute.
Die Zuschauer schrien.
Messi nickte vermutlich innerlich anerkennend.
Ich bin überzeugt:
Noch während der Ball unterwegs war, eröffnete irgendein Fernsehsender bereits eine Dokumentation mit dem Titel:
"War das überhaupt erlaubt?"
Fantastisch.
Messi macht... Messi-Dinge
Natürlich musste Lionel Messi antworten.
Das macht er immer.
Andere Menschen trinken Kaffee.
Messi erzielt Traumtore.
Der Mann pflückt Bälle aus der Luft, als hätte die Schwerkraft persönlich gekündigt.
Er nimmt den Ball mit.
Außenrist.
Lattenkreuz.
Jubel.
Normale Menschen nennen so etwas Weltklasse.
Messi nennt das offenbar Donnerstag.
Der Torwart wird zum Nationalheiligtum
Kap Verdes Torwart Vozinha entwickelte sich im Laufe des Spiels langsam zu einem Naturgesetz.
Argentinien schoss.
Vozinha hielt.
Argentinien schoss noch einmal.
Vozinha hielt wieder.
Ich bin überzeugt, irgendwann begannen sogar die Tornetze zu applaudieren.
Wenn der Mann so weitermacht, bekommt er demnächst wahrscheinlich einen eigenen Flughafen.
Das tragischste Eigentor seit Erfindung des Eigentors
Dann kam die Verlängerung.
Und plötzlich...
Eigentor.
Natürlich.
Fußball liebt Tragödien.
Das Eigentor fühlte sich ungefähr so an, als würde man kurz vor dem Ziel feststellen, dass man den Haustürschlüssel innen stecken gelassen hat.
Kap Verde kämpfte weiter.
Bis zum letzten Freistoß.
Bis zur letzten Hoffnung.
Bis zur letzten Träne.
Und genau deshalb wird dieses Spiel unvergessen bleiben.
Nicht wegen des Ergebnisses.
Sondern wegen des Mutes.
Jetzt übernimmt die Sonne die Tabellenführung
Doch die WM hatte noch nicht genug.
Nein.
Jetzt spielt plötzlich das Wetter mit.
Frankreich gegen Paraguay.
Temperatur:
Ungefähr vierzig Grad.
Gefühlt:
Sechsundvierzig.
Das ist keine Wettervorhersage.
Das ist ein Pizzaofen.
Paraguay reagiert fantastisch.
"Wir hoffen, es wird noch wärmer."
Großartig.
Ich liebe diesen Optimismus.
Während Frankreich nach Kühlung sucht, bestellt Paraguay vermutlich noch eine zusätzliche Sonne.
Die neue Taktik heißt Schwitzen
Ich sehe das Trainergespräch bereits vor mir.
"Wie greifen wir Frankreich an?"
"Mit Ballbesitz?"
"Nein."
"Schnellem Umschalten?"
"Nein."
"Mit Hitze."
Fantastischer Plan.
Die FIFA verteilt Trinkpausen.
Paraguay verteilt Sonnencreme.
Frankreich verteilt Elektrolyte.
Die Sonne verteilt allen dieselbe Rechnung.
Und plötzlich meldet sich Jürgen Klopp
Natürlich durfte auch Deutschland nicht fehlen.
Kaum ist Julian Nagelsmann weg...
...taucht Jürgen Klopp auf.
Er möchte Bundestrainer werden.
Natürlich möchte er.
Ganz Deutschland möchte inzwischen Bundestrainer werden.
Ich glaube, wenn morgen jemand beim DFB die Tür öffnet, stehen bereits acht Kandidaten davor.
Mit Lebenslauf.
Und Trainingsanzug.
Der DFB sucht... mal wieder
Ich liebe diese Phase.
Der DFB befindet sich traditionell nach jedem größeren Turnier in seinem natürlichen Lebensraum.
Der Krisensitzung.
Es wird analysiert.
Diskutiert.
Bewertet.
Neu bewertet.
Eine Taskforce gegründet.
Eine Kommission eingerichtet.
Und irgendwo erklärt jemand:
"Wir müssen grundlegend etwas verändern."
Dieser Satz gehört beim DFB inzwischen genauso zum Inventar wie der Mittelkreis zum Fußballplatz.
Klopp spricht Klartext
Klopp sagt:
"Wir stehen an einem Wendepunkt."
Fantastisch.
Das stimmt.
Nur weiß beim DFB vermutlich niemand, wo genau dieser Wendepunkt eigentlich liegt.
Vielleicht steht dort ein Schild.
Vielleicht sucht ihn gerade eine Arbeitsgruppe.
Vielleicht muss erst ein Gutachten erstellt werden.
Mein exklusiver WM-Plan
Ich schlage Folgendes vor.
Kap Verde erhält sofort einen Ehrenpokal für Mut.
Messi bekommt einen eigenen Außenrist-Paragrafen im Fußballregelwerk.
Paraguay darf entscheiden, wie heiß Fußball künftig gespielt wird.
Und Jürgen Klopp erhält zunächst einen Schlüssel zum DFB-Gebäude.
Den Rest regeln wir später.
Diese Weltmeisterschaft beweist etwas Erstaunliches.
Man braucht nicht immer den größten Namen, um die Herzen der Menschen zu gewinnen.
Kap Verde hat verloren.
Und trotzdem Millionen begeistert.
Messi bleibt der Magier.
Paraguay vertraut der Sonne.
Frankreich vertraut dem Wasser.
Der DFB vertraut darauf, dass Klopp ans Telefon geht.
Und ich?
Ich vertraue darauf, dass diese Weltmeisterschaft morgen wieder etwas Verrückteres liefert.
Denn bisher schafft sie das zuverlässig.
Ich bin Ronald Tramp.
Und ich sage euch:
Wenn ein kleines Inselland fast den Weltmeister stürzt, die Sonne plötzlich als zwölfter Mann aufläuft und Deutschland gleichzeitig seinen nächsten Bundestrainer sucht...
...dann ist das keine normale Weltmeisterschaft mehr.
Dann ist das die großartigste Fußball-Soap der Welt.
Und ich will keine einzige Folge verpassen.
Fantastisch.
Einfach fantastisch.

