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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Deutschland rastet aus: Ronald Tramp im Krieg der Autofahrer

Grafik: Deutschland rastet aus: Krieg auf unseren Straßen

Drängeln, schneiden, fluchen und Vorfahrt erobern: Deutschlands Straßen werden aggressiver. Ronald Tramp untersucht den täglichen Kampf zwischen Lichthupe, Fahrradhelm und dem festen Glauben, dass grundsätzlich immer nur die anderen schlecht fahren.

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Meine Damen und Herren, Ronald Tramp hier – Deutschlands führender Verkehrsexperte, solange niemand meinen Führerschein sehen möchte.

Wir müssen über eine dramatische Entwicklung sprechen. Eine Entwicklung, die unser Land bedroht, unsere Gesellschaft spaltet und jeden Morgen zwischen 7:15 und 8:45 Uhr auf der A3 sichtbar wird:

Die Deutschen werden aggressiver im Straßenverkehr.

Unglaublich!

Deutschland!

Das Land der Dichter, Denker und Menschen, die bei Tempo 183 auf der linken Spur fünf Zentimeter hinter deinem Kofferraum hängen, weil du mit 179 offenbar einen unangemessenen Akt der Verkehrsbehinderung begehst.

Eine Langzeitstudie der Unfallforschung der Versicherer zeigt: Die Aggressivität nimmt zu. Seit ungefähr zehn Jahren.

Zehn Jahre!

Das ist kein kurzfristiger Trend mehr. Das ist inzwischen automobile Tradition.

Früher hieß es: „Freie Fahrt für freie Bürger.“

Heute heißt es:

„FREIE FAHRT FÜR MICH, DU VOLLPFOSTEN!“

Und anschließend Lichthupe.

47 Prozent drängeln – Deutschland braucht dringend mehr Rückspiegel

Besonders beeindruckend: 47 Prozent der Autofahrer drängeln, wenn ihnen der Verkehr zu langsam erscheint.

2023 waren es noch 36 Prozent.

Das ist Wachstum!

Andere Branchen wären begeistert.

Wenn die deutsche Wirtschaft solche Wachstumszahlen hätte, würde der Bundeskanzler persönlich auf dem Parkplatz des Wirtschaftsministeriums einen Champagnerbrunnen eröffnen.

Aber beim Drängeln?

Plus elf Prozentpunkte!

Fantastische Zahlen.

Ich stelle mir vor, wie der deutsche Autofahrer morgens sein Fahrzeug besteigt.

Motor an.

Navigation an.

Radio an.

Blutdruck an.

Und schon geht es los.

Vor ihm fährt jemand mit 98 bei erlaubten 100.

PROVOKATION!

Ein Angriff auf die persönliche Freiheit!

Der Deutsche erkennt sofort: Dieser Mann muss ausgebremst werden.

Also Abstand reduzieren.

Noch näher.

Näher!

NÄHER!

Bis man auf dem Navigationsdisplay des Vordermanns erkennen kann, dass dessen Schwiegermutter um 14 Uhr einen Zahnarzttermin hat.

Das ist deutsche Präzision.

32 Prozent beherrschen das olympische Einscheren

Noch besser wird es nach dem Überholen.

32 Prozent scheren offenbar manchmal so dicht vor anderen ein, dass diese bremsen müssen.

Warum?

Weil Überholen in Deutschland kein Verkehrsvorgang ist.

Es ist eine Machtdemonstration.

Du fährst nicht einfach vorbei.

Du musst deinem Gegner zeigen:

„ICH HABE DICH BESIEGT.“

Und deshalb fährt man nach dem Überholen nicht 50 Meter weiter.

Nein!

Man zieht direkt vor dem anderen hinein.

Am besten so knapp, dass dessen Notbremsassistent anschließend psychologische Betreuung benötigt.

Das Ganze wird natürlich begleitet von einem Gesichtsausdruck, den deutsche Autofahrer über Generationen perfektioniert haben.

Dieser Blick sagt:

„Ich kenne dich nicht, aber ich verachte deine gesamte Familie.“

Ronald Tramp sagt: beeindruckend.

Auch Radfahrer entdecken die Außenpolitik

Aber jetzt kommen die Radfahrer.

Meine Freunde, ich liebe Radfahrer.

Fantastische Menschen.

Extrem aerodynamisch.

Manche besitzen Fahrräder, die mehr kosten als mein erstes Auto, tragen Kleidung wie Teilnehmer einer geheimen Weltraummission und erklären dir anschließend an der Ampel ausführlich, warum Autos das Problem unserer Gesellschaft sind.

Laut Studie erzwingen inzwischen 43 Prozent der Radfahrer hin und wieder die Vorfahrt.

2023 waren es 28 Prozent.

Auch hier: enormes Wachstum.

Das Fahrrad entwickelt sich offenbar vom Verkehrsmittel zum außenpolitischen Instrument.

Vorfahrt wird nicht mehr gewährt.

Vorfahrt wird annektiert.

Der Radfahrer nähert sich der Kreuzung.

Er sieht das Auto.

Das Auto sieht ihn.

Beide wissen, was die Verkehrsregeln sagen.

Aber der Radfahrer denkt:

„Wir werden sehen, wer mehr Angst hat.“

Das ist keine Straßenverkehrsordnung mehr.

Das ist Pokern mit Schutzblechen.

92 Prozent sind hervorragende Menschen

Der schönste Teil der Untersuchung betrifft allerdings die Selbstwahrnehmung.

92 Prozent sagen von sich, Radfahrer besonders vorsichtig zu überholen.

92 Prozent!

Deutschland besitzt offenbar fast ausschließlich vorbildliche Autofahrer.

Nur leider beobachten gleichzeitig 86 Prozent zu enge Überholmanöver bei anderen.

Das ist mathematisch faszinierend.

Praktisch niemand macht es.

Aber fast jeder sieht es.

Das bedeutet: Deutschland besitzt möglicherweise eine kleine Gruppe von zwölf Autofahrern, die den ganzen Tag durchs Land fahren und sämtliche Radfahrer zu eng überholen.

Wahrscheinlich im Schichtdienst.

„Hallo Klaus, wo bist du?“

„Bielefeld. Gerade sechs Radfahrer erschreckt.“

„Sehr gut. Danach bitte Richtung Hannover. Die Statistik muss stimmen.“

Wir kennen dieses Phänomen.

Niemand fährt schlecht.

Immer die anderen.

Fragen Sie zehn Deutsche, wer auf der Autobahn nicht fahren kann.

Sie erhalten zehnmal dieselbe Antwort:

„Alle außer mir.“

Das ist vielleicht die stabilste gesellschaftliche Übereinstimmung, die Deutschland noch besitzt.

Ronald Tramps großer Verkehrsplan

Deshalb präsentiere ich heute meinen revolutionären TRAMP-VERKEHRSFRIEDENSPLAN.

Punkt eins:

Jedes Auto erhält künftig statt einer Hupe drei Knöpfe.

Knopf A:

„Entschuldigung!“

Knopf B:

„Danke!“

Knopf C:

„ICH HABE DICH GESEHEN, DU MUSST NICHT GESTIKULIEREN!“

Alle bisherigen Hupen werden eingezogen.

BMW-Fahrer erhalten zusätzlich einen verpflichtenden Blinker.

Ich weiß, technologisch sehr anspruchsvoll. Vielleicht schaffen wir das bis 2045.

Punkt zwei:

Die linke Autobahnspur bekommt psychologische Betreuung.

Alle 50 Kilometer entsteht eine Raststätte namens:

„Rasthof zur inneren Mitte“.

Dort müssen aggressive Fahrer zehn Minuten sitzen, Kamillentee trinken und einem Therapeuten erklären, warum es persönlich unerträglich war, dass ein Škoda mit 126 km/h einen Lastwagen überholte.

Punkt drei:

Lichthupen werden begrenzt.

Jeder Autofahrer erhält monatlich zehn kostenlose Lichthupen.

Danach kostet jede weitere 4,99 Euro.

Ich garantiere Ihnen: Nach drei Monaten ist die deutsche Staatsverschuldung verschwunden.

Die deutsche Ampel als Persönlichkeitstest

Besonders wichtig ist außerdem die Ampel.

In Deutschland existiert zwischen „Rot“ und „Grün“ nämlich ein Zeitraum von ungefähr 0,0007 Sekunden, bevor der Hintermann hupt.

Ampel wird grün.

Der Fahrer vorne denkt:

„Ah.“

Hintermann:

MÖÖÖÖÖP!

„FAHR ENDLICH!“

Der Mann vorne hat noch nicht einmal seinen Fuß bewegt.

Vielleicht brauchen wir deshalb eine zusätzliche Ampelphase.

Rot.

Rot-Gelb.

Grün.

Und anschließend für zwei Sekunden:

„Beruhigen Sie sich, Dieter.“

Das könnte Leben retten.

Vielleicht liegt das Problem gar nicht auf der Straße

Denn möglicherweise zeigt der Straßenverkehr nur besonders deutlich, was gesellschaftlich ohnehin passiert.

Alle haben es eilig.

Alle fühlen sich behindert.

Alle glauben, dass sie vernünftig sind und die anderen komplett wahnsinnig.

Im Internet nennt man das Kommentarspalte.

Auf der Autobahn nennt man es Berufsverkehr.

Der Unterschied besteht hauptsächlich darin, dass auf der Autobahn die Avatare zwei Tonnen wiegen.

Und deshalb sage ich als Ronald Tramp:

Deutschland braucht keine schnelleren Autos.

Deutschland braucht langsamere Pulsfrequenzen.

Wir brauchen Abstand.

Wir brauchen Gelassenheit.

Und vor allem müssen wir akzeptieren, dass der Mensch vor uns vielleicht nicht absichtlich 47 km/h fährt, um unser Leben zu zerstören.

Vielleicht sucht er nur eine Hausnummer.

Vielleicht ist er unsicher.

Vielleicht ist er 82.

Oder – und jetzt wird es wirklich schwer zu akzeptieren – vielleicht dürfen dort tatsächlich nur 50 gefahren werden.

Ich weiß.

Schockierend.

Aber bis Deutschland diese Erkenntnis verarbeitet hat, empfehle ich eine einfache Sicherheitsmaßnahme:

Wenn Sie morgen auf der Autobahn einen Fahrer sehen, der drängelt, flucht, Lichthupe gibt und wild gestikuliert, bleiben Sie ruhig.

Vielleicht ist er nicht aggressiv.

Vielleicht betreibt er lediglich besonders engagierte deutsche Verkehrskommunikation.

Und denken Sie daran:

92 Prozent halten sich selbst für vorsichtig.

86 Prozent halten die anderen für gefährlich.

Damit ist endgültig bewiesen:

Das größte Verkehrsproblem Deutschlands sitzt immer im anderen Auto.

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Tags: Deutschland Autobahn Straßenverkehr Radfahrer Autofahrer Drängeln Aggression
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