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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Operation Qualmwolke – Wenn Lobbyisten plötzlich bessere Detektive sind als Krimiserien

Grafik: Der große Berliner Lobbynebel

Verfolgte Gesprächspartner, Sommerfeste voller Lobbyisten und politische Nebelschwaden: Hendrik Streeck erhebt schwere Vorwürfe gegen die Tabaklobby. Ronald Tramp begibt sich mitten hinein in den angeblich rauchigsten Polit-Thriller Berlins – zwischen Zigarren, Visitenkarten und einer Armada professioneller Schulterklopfer.

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Meine Damen und Herren, ich dachte immer, Sommerfeste in Berlin seien harmlose Veranstaltungen.

Ein paar Häppchen.

Lauwarmes Mineralwasser.

Politiker, die sich gegenseitig erklären, wie erfolgreich sie gerade sind.

Journalisten, die versuchen, unauffällig mitzuhören.

Und Menschen mit Namensschildern, auf denen grundsätzlich nur der Vorname steht.

Doch offenbar lag ich völlig falsch.

Denn nach den Schilderungen von Hendrik Streeck sind manche Berliner Sommerfeste inzwischen weniger Gartenparty und mehr Agentenfilm.

Und zwar einer mit erstaunlich viel Nikotin.

Streeck berichtet, Vertreter der Tabaklobby seien regelrecht auf ihn angesetzt worden. Er schildert, dass er sich verfolgt fühlte, Gesprächspartner fotografiert worden seien und anschließend versucht worden sei, ihn gegenüber diesen Personen schlechtzureden.

Sollten sich solche Vorwürfe bestätigen, wäre das natürlich alles andere als gewöhnliche politische Interessenvertretung.

Satirisch betrachtet klingt das Ganze allerdings wie der Trailer zu einer neuen Streaming-Serie.

"CSI: Bundestag – Die Spur der Zigarette."

Ich machte mich selbstverständlich sofort auf den Weg nach Berlin.

Schon am Eingang des Sommerfestes wurde ich misstrauisch.

Überall standen Menschen mit Getränken.

Alle lächelten.

Niemand wusste so richtig, wer eigentlich wen eingeladen hatte.

Der perfekte Lebensraum für Lobbyisten.

Oder Politiker.

Oder beides gleichzeitig.

Ich nahm mir ein Käsehäppchen.

Sofort sprach mich jemand an.

"Guten Abend."

"Guten Abend."

"Mit wem reden Sie?"

"Mit Ihnen."

"Interessant."

Er schrieb sich etwas auf.

Ich begann langsam zu verstehen, warum Hendrik Streeck von einem besonderen Druck spricht.

Denn in Berlin scheint inzwischen jeder jeden zu beobachten.

Der Fotograf fotografiert den Fotografen.

Der Lobbyist beobachtet den Beobachter.

Der Journalist schreibt über den Beobachter des Lobbyisten, der wiederum den Journalisten erkennt.

Und irgendwo sitzt ein Praktikant und versucht verzweifelt herauszufinden, wer überhaupt Gast und wer Gastgeber ist.

Fantastisch.

Streeck verwendet sogar den Vergleich mit Stalking.

Ein schwerwiegender Vorwurf.

Sollte sich ein solcher Umgang bestätigen, wäre das weit von einer sachlichen politischen Debatte entfernt.

Doch in meiner satirischen Vorstellung hat die Berliner Lobby inzwischen ihre eigene Eliteeinheit gegründet.

Die Qualmwolken-Kommandos.

Ausrüstung:

teurer Anzug,

perfekt gebundene Krawatte,

zwei Smartphones,

vier Visitenkartenhalter,

und die bemerkenswerte Fähigkeit, gleichzeitig auf drei Empfängen anwesend zu sein.

Ich stellte mir den Einsatzplan vor.

08:00 Uhr:

Frühstück mit Ministerialbeamten.

10:00 Uhr:

Kaffeerunde.

12:00 Uhr:

Arbeitsessen.

14:00 Uhr:

Hintergrundgespräch.

16:00 Uhr:

Hintergrundgespräch über das Hintergrundgespräch.

18:00 Uhr:

Sommerfest.

20:00 Uhr:

Netzwerken.

22:00 Uhr:

Netzwerken über das Netzwerken.

Berlin schläft nie.

Es tauscht nur Visitenkarten.

Doch damit endet die Geschichte nicht.

Streeck kritisiert außerdem Widerstände gegen strengere Regeln für bestimmte Zusatzstoffe in E-Zigaretten und Vapes – sogar innerhalb der eigenen Regierungskoalition.

Kaum ausgesprochen, begann in meiner Fantasie der große politische Nebelgenerator zu arbeiten.

Plötzlich war der Sitzungssaal voller Dampf.

Nicht wegen einer Nebelmaschine.

Sondern weil jeder gleichzeitig erklärte, warum seine Position selbstverständlich ausschließlich dem Gemeinwohl diene.

Politiker A:

"Wir müssen schützen."

Politiker B:

"Wir müssen prüfen."

Politiker C:

"Wir müssen beraten."

Politiker D:

"Wir brauchen zunächst eine Arbeitsgruppe."

Der Klassiker.

Deutschland gründet Arbeitsgruppen schneller, als andere Länder Ampeln aufstellen.

Natürlich geht es außerdem um Nikotinbeutel.

Auch darüber wird heftig diskutiert.

Steuern?

Verbote?

Legalisierung?

Alles gleichzeitig?

Ich stellte mir das Bundesfinanzministerium vor.

Links sitzen die Haushälter.

Rechts die Gesundheitsexperten.

In der Mitte steht ein Taschenrechner.

Er piept nervös.

Niemand weiß, auf welche Seite er sich schlagen soll.

Herrlich.

Währenddessen beobachtet draußen ein durchschnittlicher Bürger das gesamte Schauspiel.

Er fragt sich:

"Geht es jetzt eigentlich um Gesundheit?"

"Um Steuern?"

"Um Lobbyeinfluss?"

"Oder um alles gleichzeitig?"

Antwort:

"Ja."

Das ist schließlich Berlin.

Hier kann eine einzige Gesetzesidee gleichzeitig medizinisch, wirtschaftlich, steuerlich, parteipolitisch und talkshowtauglich sein.

Ich traf später einen angeblichen Lobbytrainer.

Er erklärte mir das Erfolgsrezept.

"Man muss immer freundlich bleiben."

"Und wenn jemand anderer Meinung ist?"

"Dann lädt man ihn auf einen Empfang ein."

"Und wenn das nicht funktioniert?"

"Dann organisiert man noch einen Empfang."

Beeindruckend.

Offenbar besteht die Hälfte der Berliner Demokratie aus Ausschüssen.

Die andere Hälfte aus Buffets.

Natürlich gilt: Interessenvertretung gehört zu einer demokratischen Gesellschaft. Ebenso gehört dazu, dass politische Entscheidungen transparent diskutiert werden und Vorwürfe ernsthaft geprüft werden. Ob die von Hendrik Streeck geschilderten Vorgänge sich bestätigen, ist nicht Gegenstand dieser Satire.

Doch satirisch wirkt das Berliner Politikgeschäft manchmal wie ein gigantischer Marktplatz.

Nicht für Obst.

Nicht für Gemüse.

Sondern für Argumente.

Jeder bietet seine an.

Jeder hält die eigenen für die besten.

Und jeder behauptet, ausschließlich im Interesse der Allgemeinheit unterwegs zu sein.

Am Ende bleibt vor allem eine Erkenntnis.

Berlin produziert inzwischen mehr Nebel als ein Open-Air-Festival.

Nicht nur wegen E-Zigaretten.

Sondern wegen Pressekonferenzen, Positionspapieren, Hintergrundgesprächen und politischem Sprachgebrauch.

Ich werde deshalb künftig jedes Sommerfest mit besonderer Vorsicht betreten.

Zuerst schaue ich nach dem Buffet.

Dann nach den Kameras.

Dann nach den Menschen mit den besonders dicken Visitenkartenetuis.

Und wenn plötzlich jemand fragt, mit wem ich gerade gesprochen habe…

…antworte ich selbstverständlich:

"Mit meinem Anwalt."

Sicher ist sicher.

Denn ich bin Ronald Tramp.

Der einzige Reporter Deutschlands, der überzeugt ist, dass Berlin der einzige Ort der Welt ist, an dem ein Sommerfest gleichzeitig Netzwerkveranstaltung, Politthriller, Visitenkarten-Olympiade und Nebelmaschine für öffentliche Debatten sein kann.

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Tags: Politik CDU Hendrik Streeck, Tabaklobby Lobbyismus Nikotin Vapes
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