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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Swinger-Gipfel im Rathaus – Mannheim entdeckt die maximale Bürgernähe

Grafik: Mannheim plant Bürgernähe der besonderen Art

Stadtrat Julien Ferrat plant eine politische Swingerparty im Mannheimer Rathaus und will notfalls bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen. Ronald Tramp berichtet aus einer Stadt, in der „Bürgernähe“ plötzlich eine völlig neue Verwaltungsvorschrift braucht.

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Liebe Freunde,

ich habe schon viel Kommunalpolitik erlebt.

Haushaltssperren.

Parkraumkonzepte.

Ausschusssitzungen über die Frage, ob eine Parkbank 80 Zentimeter weiter links stehen darf.

Ich habe deutsche Stadträte erlebt, die 47 Minuten über die Farbe eines Fahrradständers diskutieren.

Aber Mannheim?

Mannheim geht jetzt ALL IN.

Oder besser gesagt:

Alle rein.

Ich bin Ronald Tramp, internationaler Spitzenreporter, Experte für kommunale Entwicklung und seit heute vermutlich der einzige Journalist Deutschlands, der vor einem Rathaus steht und sich fragt:

„Brauche ich für die nächste Ratssitzung eigentlich noch eine Hose?“

Denn der Mannheimer Stadtrat Julien Ferrat plant laut eigener Mitteilung eine politische Swingerparty im Rathaus.

Ja.

Im Rathaus.

Nicht im Bürgerhaus.

Nicht im Partykeller.

Nicht im diskreten Wellnesshotel hinter der Autobahnabfahrt.

Rathaus.

Deutschland hat damit möglicherweise eine völlig neue Form der kommunalen Beteiligung erfunden.

Andere Städte machen Bürgerforen.

Mannheim macht Bürgerkontakt.

Bürgernähe – jetzt wirklich sehr nah

Ferrat begründet sein Vorhaben mit Bürgernähe.

Und ich muss sagen:

Das ist konsequent.

Jahrzehntelang haben Politiker gesagt:

„Wir müssen näher an die Menschen.“

Julien Ferrat scheint daraufhin gefragt zu haben:

„Wie nah genau?“

Und offenbar hat niemand rechtzeitig geantwortet.

Das politische Konzept richtet sich laut Ferrat an neugierige und aufgeschlossene Bürger, die Kommunalpolitik einmal von einer neuen Seite kennenlernen möchten.

Meine Freunde:

Von welcher Seite genau, möchte ich gar nicht wissen.

Aber eines ist sicher:

Die Zuschauertribüne im Ratssaal dürfte diesmal hervorragend ausgelastet sein.

Normalerweise muss man Bürger zu kommunalpolitischen Veranstaltungen locken mit Kaffee, Keksen und dem Versprechen, dass es höchstens zwei PowerPoint-Präsentationen gibt.

Mannheim könnte demnächst sagen:

„Tagesordnungspunkt 1: Begrüßung.“

„Tagesordnungspunkt 2: Haushaltslage.“

„Tagesordnungspunkt 3: Bitte legen Sie Ihre Garderobe dort hinten ab.“

Das juristische Meisterstück

Besonders spektakulär ist Ferrats rechtliche Argumentation.

Es gebe keine Hausordnung oder kommunale Satzung, die Swingerpartys im Rathaus ausdrücklich verbiete.

Das ist großartig.

Das ist möglicherweise die deutscheste Begründung für eine Swingerparty aller Zeiten.

Nicht:

„Wir haben Lust.“

Sondern:

„Die kommunale Satzung enthält hierzu keine explizite Untersagungsnorm.“

Erotik nach DIN.

Leidenschaft gemäß Verwaltungsvorschrift.

Romantik mit Rechtsbehelfsbelehrung.

Nach dieser Logik eröffnen sich für deutsche Rathäuser völlig neue Möglichkeiten.

In der Hausordnung steht vermutlich auch nicht ausdrücklich:

„Keine Kamelrennen im Bürgerbüro.“

Oder:

„Der Oberbürgermeister darf im Sitzungssaal keine Hüpfburg betreiben.“

Oder:

„Das Einwohnermeldeamt ist kein geeigneter Austragungsort für WrestleMania.“

Meine Freunde, Deutschland braucht dringend neue Satzungen.

Sehr viele Satzungen.

Notfalls Karlsruhe!

Sollte Mannheim die Veranstaltung untersagen, kündigt Ferrat den Rechtsweg an.

Notfalls wolle er bis zum Bundesverfassungsgericht ziehen.

Das möchte ich sehen.

Karlsruhe.

Erster Senat.

Feierliche Atmosphäre.

Die Richter betreten den Saal.

Aktenzeichen:

1 BvR 69/27 – Ferrat gegen Stadt Mannheim.

Gegenstand des Verfahrens:

„Verfassungsrechtliche Grenzen kommunaler Swingeraktivitäten unter besonderer Berücksichtigung des Ratssaales.“

300 Seiten Urteil.

Leitsatz:

„Die freiheitlich-demokratische Grundordnung umfasst nicht automatisch die freiheitlich-dekorative Grundentkleidung.“

Deutschland wäre endgültig angekommen.

Die Veranstaltung findet statt

Ferrat kündigt jedenfalls an: Sollte das Rathaus nicht funktionieren, werde man auf private Räumlichkeiten ausweichen.

Die Veranstaltung finde auf jeden Fall statt.

Das ist Entschlossenheit!

Andere Politiker sagen:

„Wir werden das prüfen.“

„Wir müssen Gespräche führen.“

„Zunächst brauchen wir eine Machbarkeitsstudie.“

Ferrat:

„Party ist.“

So wird Politik gemacht.

Man stelle sich vor, diese Energie gäbe es beim Brückenbau.

„Die Brücke findet auf jeden Fall statt!“

Beim Glasfaserausbau:

„Das Internet kommt! Notfalls bis vors Bundesverfassungsgericht!“

Bei der Digitalisierung:

„Die Faxgeräte verschwinden! Und wenn wir dafür private Räume anmieten müssen!“

Deutschland wäre 2030 fertig.

Und dann kommt Cap d’Agde

Ganz neu ist Ferrats Interesse am Thema allerdings nicht.

Bereits im vergangenen Jahr hatte eine „Bildungsreise“ ins französische Cap d’Agde Aufmerksamkeit erregt, wo er sich mit dem dortigen FKK- und Swingerangebot beschäftigte.

Bildungsreise.

Was für ein fantastisches Wort.

Andere Kommunalpolitiker fahren nach Brüssel und besuchen ein Abfallwirtschaftszentrum.

Ferrat fährt nach Südfrankreich.

Ich möchte unbedingt den Reisekostenantrag sehen.

„Zweck der Dienstreise: Internationale Vergleichsstudie zur textilreduzierten Wirtschaftsförderung.“

Anlage 1:

Sonnencreme.

Anlage 2:

Flip-Flops.

Anlage 3:

Vertraulich.

Swingertourismus als Wirtschaftsfaktor

Denn hinter der ganzen Aktion steckt sogar eine wirtschaftspolitische Idee.

Ferrat träumt von einem FKK-Swinger-Paradies in Mannheim, das nach seiner Vorstellung Millionen in die Stadtkasse bringen könnte.

Das ist Stadtmarketing auf einem Niveau, für das normale Wirtschaftsförderer erst einmal drei Workshops brauchen.

Heidelberg hat das Schloss.

Köln hat den Dom.

Hamburg hat die Elbphilharmonie.

Mannheim könnte irgendwann sagen:

„Wir haben Parkplätze, Straßenbahnen und sehr offene Bürgerbegegnungsstätten.“

Der Tourismus-Slogan schreibt sich praktisch selbst.

Wobei wir keinen schreiben.

Manche Dinge sollten lieber unausgesprochen bleiben.

Ronald Tramps neues Rathaus-Konzept

Ich sehe jedenfalls enormes Potenzial für die Verwaltung.

Das Bürgerbüro könnte endlich seinem Namen gerecht werden.

Das Standesamt würde gleichzeitig für Eheschließungen und unmittelbar anschließende Belastungstests zuständig.

Beim Ordnungsamt gäbe es statt Knöllchen nur noch dezente Hinweise.

Und im Ratsinformationssystem erscheint plötzlich:

„Vorlage 69/2026 – Konzept zur Intensivierung horizontaler Bürgerbeteiligung.“

Einstimmig in den Hauptausschuss verwiesen.

Meine Freunde, Mannheim hat damit etwas geschafft, was ich für unmöglich hielt:

Die Kommunalpolitik ist plötzlich Gesprächsthema.

Niemand redet über Gewerbesteuer.

Niemand redet über Bebauungspläne.

Niemand fragt nach dem Haushalt.

Ganz Deutschland fragt nur noch:

„Macht der das wirklich?“

Und Ferrats Antwort lautet offenbar:

Ja.

Zur Not privat.

Zur Not mit Klage.

Zur Not Karlsruhe.

Das ist die vielleicht ungewöhnlichste Bürgerbeteiligungsoffensive der Republik.

Ich bin Ronald Tramp.

Und ich sage:

Sollte die Veranstaltung tatsächlich im Rathaus stattfinden, braucht Mannheim dringend einen neuen Tagesordnungspunkt.

Nichtöffentlich natürlich.

Sehr nichtöffentlich.

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