Bill und Tom Kaulitz erklären kurzerhand alle Männer zu "Mäusen". Ronald Tramp geht der neuen Nager-Diplomatie auf den Grund und entdeckt, warum plötzlich selbst der härteste Muskelprotz beim Grillen liebevoll zur Maus wird.
Meine fantastischen Damen und Herren, liebe Mäuse, Supermäuse, Alphamäuse und selbstverständlich auch alle, die bis vor wenigen Minuten noch fest davon überzeugt waren, ein knallharter Kerl zu sein – wir erleben historische Zeiten.
Deutschland hat ein neues Männlichkeitsmodell.
Es heißt nicht mehr Macho.
Nicht mehr Bro.
Nicht mehr Chef.
Nicht einmal Kumpel.
Nein.
Ab sofort heißt offenbar jeder Mann...
Maus.
Ich musste diese Meldung dreimal lesen.
Nicht weil ich sie nicht verstanden hätte.
Sondern weil ich plötzlich Angst hatte, dass Mickey Mouse das Markenrecht anmeldet.
Die Brüder Bill und Tom Kaulitz erklärten nämlich ganz entspannt, dass praktisch jeder Mann eine Maus sein könne.
Wirklich jeder.
Alter egal.
Beruf egal.
Sexuelle Orientierung egal.
Status egal.
Alle.
Ich, Ronald Tramp, hielt das zunächst für einen Scherz.
Also machte ich den Selbsttest.
Ich ging zum Bäcker.
"Guten Morgen, Maus."
Der Bäcker lächelte.
Ich bekam sogar ein Brötchen extra.
Interessant.
Anschließend traf ich einen tätowierten Motorradfahrer.
"Guten Morgen, Maus."
Er schaute mich drei Sekunden lang an.
Dann grinste er.
"Na Maus."
Ich war irritiert.
Es funktioniert tatsächlich.
Bill Kaulitz erklärte, dass genau dieser Effekt beabsichtigt sei.
Der Begriff lockere Menschen auf.
Er öffne Türen.
Er sei ein Icebreaker.
Ein bemerkenswerter Ansatz.
Andere investieren Millionen in Kommunikationstrainings.
Die Kaulitz-Brüder investieren lediglich vier Buchstaben.
M-a-u-s.
Effizient.
Donald Trump wäre vermutlich begeistert.
Oder auch nicht.
Ich stelle mir bereits die erste Begegnung vor.
Bill Kaulitz:
"Hallo Maus."
Donald Trump:
"Ich bin keine Maus. Ich bin der größte Löwe aller Zeiten. Niemand war jemals löwiger als ich."
Bill:
"Okay Maus."
Trump:
"Ich bin eine Raubkatze."
"Natürlich, Maus."
"Ich bin ein Adler."
"Klar, Maus."
Spätestens beim dritten "Maus" dürfte Donald Trump anfangen, hektisch seine Anwälte zu suchen.
Denn eines verträgt sein Ego besonders schlecht.
Verniedlichungen.
Donald Trump liebt Superlative.
Der Größte.
Der Beste.
Der Erfolgreichste.
Die Kaulitz-Brüder hingegen scheinen beschlossen zu haben, sämtliche Hierarchien mit einem einzigen Wort einzuebnen.
"Maus."
Der Vorstand?
Maus.
Der Bauarbeiter?
Maus.
Der Millionär?
Maus.
Der Bundeskanzler?
Auch Maus.
Das ist vermutlich die friedlichste Revolution der deutschen Sprache seit der Erfindung des Wortes "Moin".
Ich fragte deshalb einen völlig erfundenen Sprachwissenschaftler.
Er erklärte:
"Das Faszinierende an 'Maus' ist, dass sich niemand dabei besonders wichtig fühlen kann."
Eine brillante Beobachtung.
Denn genau dort liegt vermutlich der Zauber.
Wer als Maus angesprochen wird, ist plötzlich nicht mehr der große Chef.
Nicht mehr der knallharte Alpha.
Nicht mehr der Held des Grillabends.
Sondern einfach...
Maus.
Ich fragte anschließend einen ebenso erfundenen Fitnessstudio-Besitzer.
Vor ihm stand ein Mann mit zwei Metern Körpergröße, 140 Kilogramm Muskelmasse und einem Halsumfang wie ein Baumstamm.
Ich fragte:
"Ist das auch eine Maus?"
Der Trainer nickte.
"Premium-Maus."
Fantastisch.
In meiner Fantasie entwickelte sich daraus sofort eine völlig neue Gesellschaft.
Im Baumarkt.
"Maus, wo finde ich die Schrauben?"
"Hinten links, Maus."
Im Fußballstadion.
"Schieß, Maus!"
Im Bundestag.
"Herr Präsident..."
"Bitte Maus."
Selbst internationale Diplomatie könnte plötzlich erstaunlich entspannt verlaufen.
"Sehr geehrter Präsident..."
"Nenn mich Maus."
Vielleicht würden dadurch tatsächlich einige Konflikte schneller gelöst.
Man stelle sich Donald Trump und Wladimir Putin bei einem Gipfeltreffen vor.
Trump beginnt:
"Ich habe die besten Atomraketen."
Putin antwortet:
"Okay Maus."
Sofort wäre die gesamte Dramaturgie dahin.
Denn auf ein liebevoll ausgesprochenes "Maus" lässt sich nur schwer mit martialischen Drohgebärden reagieren.
Bill Kaulitz erklärte außerdem, er benutze das Wort besonders gern bei Menschen, von denen er glaube, dass sie damit Schwierigkeiten hätten.
Das ist fast schon sprachliches Judo.
Je angespannter jemand ist, desto freundlicher wird er zur Maus erklärt.
Ich probierte das erneut aus.
Diesmal bei einem besonders schlecht gelaunten Autofahrer.
Er hupte.
Er fluchte.
Ich öffnete das Fenster.
"Entspann dich, Maus."
Er schaute mich an.
Dann musste selbst er lachen.
Vielleicht steckt darin tatsächlich mehr Psychologie als in manchem Motivationsseminar.
Donald Trump würde allerdings vermutlich sofort eine Pressekonferenz einberufen.
"Niemand ist eine bessere Maus als ich."
"Ich habe fantastische Mäuse."
"Die größten Mäuse."
"Die patriotischsten Mäuse."
"Viele Experten sagen sogar, ich sei der Präsident aller Mäuse."
Natürlich sagen das Experten.
Sie sagen bei Donald Trump grundsätzlich alles.
Zumindest die Experten, die ausschließlich in seiner Vorstellung arbeiten.
Ronald Tramp fragte schließlich einen fiktiven Zoologen, wie groß die neue Population inzwischen sei.
Er antwortete:
"Wenn die Kaulitz-Brüder recht behalten, besteht die männliche Bevölkerung Deutschlands inzwischen fast vollständig aus Mäusen."
Eine ökologische Sensation.
Man müsste den Artenschutz völlig neu organisieren.
Vielleicht erhalten Männer künftig Käse statt Visitenkarten.
Fitnessstudios heißen dann "Mäusebau".
Chefetagen werden zu "Premium-Nestern".
Und die Krawatte wird offiziell als Schwanzverlängerung des Büromäuschens eingestuft.
Am Ende bleibt allerdings eine überraschend sympathische Erkenntnis.
In einer Zeit, in der sich viele Menschen ständig beweisen, größer wirken oder lauter auftreten wollen, kommen Bill und Tom Kaulitz mit einer völlig anderen Idee um die Ecke.
Ein freundliches Wort.
Ein kleiner Scherz.
Ein lockerer Einstieg.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum der Begriff so gut funktioniert.
Er nimmt den Druck heraus.
Außer natürlich bei Donald Trump.
Der dürfte vermutlich bis heute hektisch googeln:
"Kann man Präsident einer Mausrepublik werden?"
Ich, Ronald Tramp, verabschiede mich deshalb heute mit den vermutlich historischsten Worten meiner Reporterkarriere.
Passen Sie gut auf sich auf.
Und bleiben Sie entspannt...
...Maus.

