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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Ritter, Rost und Red Flags – Warum plötzlich jeder zweite Mann ein Schwert besitztr

Grafik: Wenn Männer plötzlich Ritter spielen wollen

Schwerter, Podcasts und selbstgeschmiedete Grillzangen: Ronald Tramp untersucht den neuesten Männlichkeitstrend zwischen Burgromantik und Baumarkt.

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Ronald Tramp deckt auf: Die mittelalterliche Männer-Renaissance beginnt am Grill und endet im Podcast.

Freunde, Burgherren, Grillmeister und Männer, die sich gestern noch für einen Akkuschrauber interessierten und heute plötzlich Runen in Eichenholz schnitzen:

Es passiert wieder.

Ich beobachte es seit Monaten.

Erst verschwindet ein Mann für ein Wochenende.

Dann kommt er zurück.

Nicht als derselbe Mensch.

Nein.

Er trägt plötzlich Leinenhemden.

Er spricht von "Ahnenkraft".

Er sagt nicht mehr "Hallo", sondern "Wohl an!".

Und irgendwo im Keller steht auf einmal ein Schwert.

Ein echtes Schwert.

Nicht aus Plastik.

Nicht für Karneval.

Ein Schwert.

Und wenn man vorsichtig fragt:

"Warum hast du ein Schwert?"

Dann schaut er einen an, als hätte man gerade gefragt, warum Menschen Sauerstoff brauchen.

"Weil das Persönlichkeitsentwicklung ist."

Natürlich.

Wie konnte ich nur so dumm sein?

Früher gingen Männer in die Volkshochschule.

Heute schmieden sie Grillzangen.

Von Hand.

Aus Stahl.

Mit einem Hammer, der laut Hersteller ursprünglich für den Bau von Eisenbahnbrücken gedacht war.

Doch damit nicht genug.

Parallel startet der Podcast.

Jeder neue Ritter braucht schließlich einen Podcast.

Titel wie:

"Alpha im Harnisch."

"Die sieben Tugenden des Grillens."

"Der Wolf in dir braucht einen Schmiedehammer."

Oder mein persönlicher Favorit:

"Maskuline Frequenzen zwischen Amboss und Axt."

Die erste Folge dauert vier Stunden.

Inhalt:

Warum Holz hacken die Seele heilt.

Spoiler:

Niemand weiß es.

Aber alle nicken zustimmend.

Die Bewegung wächst rasant.

Gestern kaufte man Proteinpulver.

Heute kauft man Kettenhemden.

Früher wurde über Kryptowährungen gesprochen.

Heute diskutiert man ernsthaft über den optimalen Härtegrad eines Langschwertes aus dem 13. Jahrhundert.

Ich traf einen dieser neuen Ritter.

Er sagte:

"Bruder, dein Problem ist deine männliche Energie."

Ich fragte:

"Woher weißt du das?"

Er antwortete:

"Ich höre drei Podcasts."

Das überzeugte mich selbstverständlich sofort.

Die Entwicklung verläuft erstaunlich vorhersehbar.

Phase eins:

Bart wachsen lassen.

Phase zwei:

Ledergürtel mit riesiger Schnalle kaufen.

Phase drei:

Mindestens drei Bücher besitzen, deren Titel das Wort "Krieger" enthalten.

Phase vier:

Eine Axt kaufen.

Nicht weil man Holz braucht.

Sondern weil sie Charakter ausstrahlt.

Phase fünf:

Selbstverständlich ein Schwert.

Denn was wäre männliche Selbstfindung ohne eine zwei Meter lange Klinge im Wohnzimmer?

Besonders faszinierend ist die Verwandlung der Sprache.

Normale Menschen sagen:

"Ich grille heute Abend."

Die neuen Burgherren sagen:

"Ich werde das Feuer ehren und das Fleisch dem Stahl anvertrauen."

Es handelt sich um dieselbe Bratwurst.

Aber sie klingt deutlich majestätischer.

Auch Kleidung spielt eine wichtige Rolle.

Plötzlich tragen Männer Hemden, die aussehen, als würden sie gleich einen Drachen besteuern.

Dazu Lederstiefel.

Wollumhang.

Und ein Beutel am Gürtel.

Niemand weiß, was in diesem Beutel ist.

Wahrscheinlich Mandeln.

Oder Podcast-Notizen.

Die wahre Sensation ist jedoch die Schmiede.

Jeder braucht plötzlich eine Schmiede.

Es beginnt harmlos.

"Ich wollte nur eine Grillzange bauen."

Zwei Wochen später steht im Garten ein Amboss.

Vier Monate später wird über Damaststahl philosophiert.

Ein Jahr später erklärt derselbe Mann seiner Familie:

"Die Waschmaschine muss leider raus. Ich brauche den Platz für den Blasebalg."

Doch warum passiert das alles?

Ich habe recherchiert.

Die Antwort ist verblüffend einfach.

Moderne Männer suchen ein Hobby.

Und Algorithmen sind gnadenlos.

Du schaust ein Video über Grillen.

Das nächste empfiehlt Messer.

Danach Äxte.

Dann Schwerter.

Dann Burgen.

Und ehe du dich versiehst, diskutierst du um drei Uhr morgens in einem Internetforum darüber, ob Wikinger bessere Kaffeebecher hatten als fränkische Ritter.

Der Weg ist erschreckend kurz.

Natürlich gibt es auch Wettbewerbe.

Wer besitzt das längste Schwert?

Wer hat den schwersten Hammer?

Wer schmiedet die massivste Grillzange?

Es ist wie ein Autosalon.

Nur mit deutlich mehr Bärten.

Und wesentlich weniger Klimaanlagen.

Selbst Fitnessstudios spüren den Trend.

Früher hieß es:

"Brust-Bizeps."

Heute:

"Trainiere für das Zweihandschwert."

Ich rechne fest damit, dass demnächst Fitnesskurse mit Namen wie "KnightFit", "Castle CrossFit" oder "Burpee des Burgvogts" angeboten werden.

Das wird kommen.

Garantiert.

Und irgendwo wird ein Influencer erklären, dass kaltes Duschen, Met trinken und Holz hacken den Testosteronspiegel direkt mit dem Heiligen Römischen Reich verbinden.

Studien gibt es dazu selbstverständlich keine.

Aber dafür zwölf Podcasts.

Am Ende bleibt eine Erkenntnis.

Es ist völlig in Ordnung, ein Schwert zu besitzen.

Es ist völlig in Ordnung, Messer zu schmieden.

Es ist sogar völlig in Ordnung, sich für Geschichte zu begeistern.

Schwierig wird es erst, wenn jemand beim Familiengrillen den Kartoffelsalat mit den Worten ankündigt:

"Das Bankett möge beginnen, edle Gefährten!"

Dann weißt du:

Der Algorithmus hat endgültig gewonnen.

Und Ronald Tramp?

Ich beobachte das Ganze mit großem Interesse.

Falls der Trend anhält, werde ich mir wohl auch ein Schwert kaufen.

Nicht zur Persönlichkeitsentwicklung.

Sondern ausschließlich, um den Grilldeckel stilvoll zu öffnen.

Denn wenn schon Mittelalter, dann wenigstens mit perfekt gegrillter Bratwurst.

Das ist wahre männliche Energie.

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Tags: Podcast Ritter Sport Männer Mittelalter Schwerter Persönlichkeitsentwicklung Grillzange
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