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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Die deutsche Nationalmannschaft rotiert – aber bitte nicht zu viel!

Grafik: Ronald Tramp und das große WM-Taktiktheater

Nach der ersten Niederlage der WM bleibt Bundestrainer Julian Nagelsmann erstaunlich gelassen. Ronald Tramp untersucht, warum im deutschen Fußball schon eine kleine Aufstellungsänderung behandelt wird wie eine Verfassungsreform – und weshalb die FIFA offenbar selbst Reisepläne besser kennt als Reisebüros.

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Liebe Freunde,

Fußball ist etwas Wunderbares.

22 Menschen laufen hinter einem Ball her.

Millionen Menschen erklären anschließend, wie man es besser gemacht hätte.

Und in Deutschland?

Da wird bereits nach einer einzigen Niederlage so diskutiert, als hätte jemand den Kölner Dom ins Abseits gestellt.

Ich reiste selbstverständlich sofort zur Weltmeisterschaft.

Denn wenn irgendwo eine Pressekonferenz länger dauert als manche Verlängerung, ist Ronald Tramp bereits unterwegs.

Schon beim Betreten des Medienzentrums bemerkte ich eine besondere Atmosphäre.

Journalisten rannten mit Laptops.

Trainer analysierten Taktiktafeln.

Experten zeichneten Pfeile.

Sehr viele Pfeile.

Offenbar gewinnt heutzutage nicht mehr die Mannschaft mit den meisten Toren.

Sondern jene mit den schönsten Pfeildiagrammen.

Dann trat Julian Nagelsmann vor die Presse.

Alle warteten auf die große Sensation.

"Kimmich ins Mittelfeld?"

"Kompletter Umbau?"

"Elf neue Spieler?"

"Spielt vielleicht sogar der Busfahrer?"

Doch Nagelsmann blieb ruhig.

Sinngemäß:

"Nein."

Dieses kleine Wort löste bei einigen Sportjournalisten beinahe eine Identitätskrise aus.

Denn nichts lieben Experten mehr als Veränderungen.

Wenn es nach manchen Fernsehrunden ginge, würde nach jeder Niederlage die komplette Mannschaft ausgetauscht.

Torwart?

Neu.

Trainer?

Neu.

Rasen?

Neu.

Eckfahnen?

Zur Sicherheit ebenfalls neu.

Ich fragte einen Fußball.

Er sagte:

"Mich tritt heute sowieso wieder jeder."

Ein Philosoph.

Großer Philosoph.

Währenddessen erklärte der Trainer, dass Aleksandar Pavlović und Felix Nmecha weiterhin sein Vertrauen genießen.

Vertrauen.

Ein faszinierendes Wort.

Im Fußball hält Vertrauen ungefähr bis zum nächsten Anpfiff.

Danach beginnt erneut die nationale Trainerausbildung.

Jeder wird plötzlich Bundestrainer.

Der Nachbar.

Der Bäcker.

Der Taxifahrer.

Der Mann, der seit 1989 behauptet, er hätte Beckenbauer persönlich erklärt, wie Libero funktioniert.

Alle wissen es besser.

Ich liebe das.

Besonders beeindruckte mich Joshua Kimmich.

Er sagte sinngemäß:

"Ich spiele dort, wo der Trainer mich braucht."

Vorbildlich.

Stellen Sie sich vor, Politiker würden das auch sagen.

"Ich arbeite dort, wo das Land mich braucht."

Die Schlagzeile des Jahrhunderts.

Natürlich gibt es auch gute Nachrichten.

Nathaniel Brown soll zurückkehren.

Im Fußball bedeutet eine Rückkehr nach kleiner Verletzung ungefähr dasselbe wie in Actionfilmen.

Der Held öffnet langsam die Kabinentür.

Im Hintergrund spielt dramatische Musik.

Der Physiotherapeut nickt bedeutungsvoll.

Alle applaudieren.

Hollywood könnte davon lernen.

Dann stolperte ich über den nächsten Wahnsinn.

Nicht Deutschland.

Südafrika.

Trainer Hugo Broos wollte mit seiner Mannschaft direkt weiterreisen.

Die FIFA sagte:

Nein.

Ich stelle mir vor, wie das ablief.

Trainer:

"Wir würden gern früher fliegen."

FIFA:

"Computer sagt Nein."

Trainer:

"Aber..."

FIFA:

"Noch mehr Nein."

Es gibt Organisationen, die schaffen es, aus einer Flugbuchung ein bürokratisches Kunstwerk zu machen.

Deutschland ist stolz.

Endlich Konkurrenz.

Besonders kurios fand ich die Geschichte mit der Roten Karte und der langen Sperre.

Im Fußball wird manchmal tagelang diskutiert, ob ein Kontakt am Knöchel 0,7 oder 0,9 Sekunden dauerte.

Es gibt inzwischen mehr Kameraperspektiven als Zuschauer.

Demnächst wird wahrscheinlich noch eine Drohne den linken Schuh filmen.

Und trotzdem sind nach jedem Spiel alle unzufrieden.

Beeindruckende Leistung.

Ich traf unterwegs einen Linienrichter.

Er sagte nichts.

Er hob nur die Fahne.

Sehr konsequent.

Vielleicht sollten manche Talkshow-Gäste ebenfalls häufiger einfach schweigen.

Das würde die Sendequalität deutlich erhöhen.

Ich recherchierte weiter.

Statistiken.

Ballbesitz.

Expected Goals.

Pressingintensität.

Laufleistung.

Herzfrequenz.

Schweißproduktion.

Demnächst misst wahrscheinlich jemand noch den emotionalen Luftdruck im Strafraum.

Früher hieß es:

"Der Junge kann kicken."

Heute braucht man dafür vermutlich eine Excel-Tabelle mit 147 Spalten.

Und trotzdem entscheidet manchmal ein abgefälschter Ball in der 89. Minute.

So ist Fußball.

Herrlich unfair.

Natürlich wird jetzt wieder jeder erklären, was Deutschland ändern muss.

Die einen fordern mehr Offensive.

Andere mehr Defensive.

Einige möchten drei Stürmer.

Andere sechs Mittelfeldspieler.

Einer schlägt bestimmt vor, einfach zwei Torhüter gleichzeitig aufzustellen.

Das Internet macht alles möglich.

Am Ende bleibt eine Erkenntnis.

Eine Niederlage macht noch kein schlechtes Turnier.

Und eine Pressekonferenz gewinnt noch keine Weltmeisterschaft.

Fußball lebt davon, dass nach jedem Spiel Millionen Menschen überzeugt sind, sie hätten den perfekten Plan.

Nur schade, dass niemand denselben Plan hat.

Ich bin Ronald Tramp.

Ich decke auf.

Ich analysiere.

Ich kommentiere.

Und ich bin fest überzeugt:

Sollte Deutschland tatsächlich Weltmeister werden, werden hinterher selbstverständlich genau jene Experten erklären, sie hätten das schon nach der ersten Niederlage ganz genau vorhergesehen.

Wie immer.

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Tags: WM 2026 Fußball FIFA Julian Nagelsmann DFB Joshua Kimmich
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