Mikel Merino schießt Spanien in letzter Minute ins WM-Halbfinale, Harry Kane plaudert über eine Golfrunde mit Donald Trump – und Ronald Tramp entdeckt, dass der US-Präsident selbst beim Fußball versucht, den Ball in sein eigenes Tor zu tragen.
Meine fantastischen Damen und Herren, Fußballromantiker, Sofatrainer und Menschen, die schon beim Elfmeterschießen Pulswerte erreichen, bei denen Herzmonitore freiwillig kündigen – wir müssen dringend über die Weltmeisterschaft sprechen.
Eigentlich.
Denn kaum rollt irgendwo ein Ball, schafft Donald Trump das Unmögliche.
Er spielt plötzlich mit.
Nicht auf dem Platz.
Nicht auf der Ersatzbank.
Nicht einmal als Linienrichter.
Sondern in jeder zweiten Schlagzeile.
Ich, Ronald Tramp, wollte ursprünglich über den spanischen Superjoker Mikel Merino berichten.
Ein Mann, der offenbar nur zwei Minuten benötigt, um komplette Nationen in Freudentaumel oder Depression zu versetzen.
Der Trainer bringt ihn.
Merino schaut kurz aufs Spielfeld.
Und irgendwo beginnt bereits der gegnerische Torwart nervös zu schwitzen.
Belgien kennt das inzwischen.
Portugal kennt das.
Deutschland erinnert sich ebenfalls nur ungern.
Merino ist vermutlich der einzige Joker der Welt, bei dessen Einwechslung gegnerische Fans bereits vorsorglich den Fernseher ausschalten.
Seine Bilanz liest sich wie ein Computerspiel auf leichtester Schwierigkeitsstufe.
Bank.
Einwechslung.
- Minute.
Tor.
Feierabend.
Ich fragte einen völlig erfundenen spanischen Statistiker, wie hoch inzwischen die Wahrscheinlichkeit eines Merino-Treffers sei.
Er antwortete:
"Wir rechnen nicht mehr in Minuten, sondern in Panik."
Beeindruckend.
Der Mann schreibt tatsächlich Geschichte.
Zweimal als Joker das entscheidende WM-Tor.
Zweimal nach der 87. Minute.
Selbst Hollywood würde sagen:
"Ein bisschen übertrieben."
Doch Merino scheint auf die Uhr zu schauen und sich zu denken:
"Ach... jetzt kann ich langsam anfangen."
Besonders rührend war die Geschichte seines kleinen Sohnes Marco.
Gerade einmal zwei Monate alt.
Viel zu jung, um zu verstehen, warum Papa plötzlich ganz Spanien glücklich macht.
Merino erklärte liebevoll, später könne er seinem Sohn die Szenen einfach auf YouTube zeigen.
Eine wunderschöne Vorstellung.
Andere Kinder sehen später Familienvideos.
Marco bekommt komplette WM-Highlights.
"Schau mal Sohn.
Da hat Papa wieder eine Nation gerettet."
Doch bevor ich diese emotionale Geschichte richtig genießen konnte, flog Donald Trump wie ein Golfball quer durch die Fußballnachrichten.
Plötzlich sprach Harry Kane über eine gemeinsame Golfrunde mit dem amerikanischen Präsidenten.
Natürlich.
Warum auch nicht?
Man kann schließlich kaum über ein Fußballturnier reden, ohne dass Donald Trump irgendwo zwischen Loch 7 und Loch 18 auftaucht.
Harry Kane erzählte ausgesprochen höflich, Trump habe ihn nach Palm Beach eingeladen.
Es sei eine einzigartige Erfahrung gewesen.
Natürlich.
Golf mit einem Präsidenten ist nicht gerade Alltag.
Vor allem nicht mit einem Präsidenten, der vermutlich nach jedem gelungenen Abschlag erklärt:
"Niemand trifft den Ball besser als ich."
Ich stelle mir die Runde ungefähr so vor.
Harry Kane schlägt den Ball 260 Meter.
Trump schaut hinterher.
"Fantastisch.
Aber meiner war moralisch weiter."
Kane nickt höflich.
Britische Erziehung.
Trump schlägt erneut.
Der Ball landet im Wasser.
Trump:
"Absichtlich.
Ich wollte den See testen."
Niemand widerspricht.
Die Secret-Service-Agenten applaudieren vorsichtig.
Selbstverständlich lobte Donald Trump Harry Kane anschließend öffentlich.
"Kane ist großartig!"
"Fantastischer Spieler!"
"Unglaublich!"
Donald Trump verteilt Komplimente übrigens ähnlich großzügig wie er Eigenlob verteilt.
Nur mit einem kleinen Unterschied.
Das Eigenlob bekommt grundsätzlich die längere Pressekonferenz.
Harry Kane revanchierte sich ebenfalls höflich.
Er hoffe, mit 80 Jahren einmal so gut Golf spielen zu können wie Donald Trump.
Eine diplomatische Antwort.
Ich hätte vermutlich gesagt:
"Ich hoffe mit 80 überhaupt noch einen Ball zu sehen."
Doch Kane bleibt Gentleman.
Deshalb trägt er auch die Kapitänsbinde.
Währenddessen bereitet sich Spanien auf das Halbfinale gegen Frankreich vor.
Ein Spiel, das Trainer Luis de la Fuente bereits als "Finale vor dem Finale" bezeichnet.
Und tatsächlich.
Mit Lamine Yamal, Kylian Mbappé und all den anderen Stars könnte dieses Duell problemlos Eintritt für zwei Weltmeisterschaften gleichzeitig verlangen.
Yamal selbst wirkt dabei erstaunlich gelassen.
Er erklärte sinngemäß:
"Mir ist egal, wie viele Tore ich schieße.
Hauptsache wir werden Weltmeister."
Diese Aussage dürfte Donald Trump körperliche Schmerzen bereiten.
Sich nicht selbst in den Mittelpunkt stellen?
Unvorstellbar.
Donald Trump würde vermutlich sagen:
"Wenn wir gewinnen, dann wegen meiner Golfanalyse."
Ich fragte deshalb einen völlig erfundenen FIFA-Offiziellen.
Ob Donald Trump eigentlich irgendwann versuche, auch den WM-Pokal umzubenennen.
Der Funktionär schaute mich lange an.
Dann antwortete er:
"Bitte bringen Sie ihn nicht auf Ideen."
Zu spät.
Ich höre Trump bereits.
"Der Donald-J.-Trump-World-Champion-Cup.
Klingt viel größer."
Natürlich.
Alles klingt größer.
Vor allem bei Donald Trump.
Unterdessen wartet England auf Norwegen.
Harry Kane gegen Erling Haaland.
Ein Duell zweier Ausnahme-Stürmer.
Kane selbst weigert sich allerdings, daraus einen persönlichen Wettbewerb zu machen.
Er spricht lieber vom Team.
Vom gemeinsamen Erfolg.
Von taktischen Lösungen.
Kurz gesagt:
Er verhält sich exakt gegenteilig zu Donald Trump.
Ich fragte einen fiktiven Trainer, worin der größte Unterschied zwischen Kane und Trump liege.
Er antwortete:
"Harry Kane versucht, den Mitspieler zu finden.
Donald Trump sucht zuerst die Kamera."
Ein taktischer Unterschied.
Lamine Yamal sorgt mit seinen Dribblings für Räume.
Merino nutzt sie.
Harry Kane arbeitet für seine Mannschaft.
Und Donald Trump?
Der würde vermutlich verlangen, dass der Ball vor jedem Anstoß erst einmal an ihm vorbeigetragen wird.
Am Ende verbindet diese Geschichten jedoch etwas Erstaunliches.
Merino zeigt, dass Geduld Spiele entscheiden kann.
Harry Kane zeigt, dass Größe auch Bescheidenheit bedeuten kann.
Lamine Yamal beweist, dass man nicht jeden persönlichen Rekord braucht, um erfolgreich zu sein.
Und Donald Trump?
Er beweist zuverlässig, dass selbst eine Weltmeisterschaft mit den besten Fußballern des Planeten irgendwie noch eine Gelegenheit sein kann, über Donald Trump zu sprechen.
Ich, Ronald Tramp, ziehe daraus eine einfache Erkenntnis.
Während andere Spieler versuchen, den Ball ins Tor zu bringen, versucht Donald Trump offenbar weiterhin, jede Schlagzeile in Richtung Donald Trump zu dribbeln.
Immerhin muss man ihm eines lassen.
Den Ball bekommt er vielleicht nicht immer.
Die Aufmerksamkeit dagegen erstaunlich oft.

