Telefon tot, E-Mails verschwunden und selbst das Fax streikt: Bayerns Justiz erlebt einen digitalen Blackout. Ronald Tramp untersucht den wohl langsamsten Ausnahmezustand der Republik – inklusive Netzwerkfehler, Notfallplänen und einer verzweifelten Suche nach dem Reset-Knopf.
Meine fantastischen Freunde,
es gibt Tage, da fragt man sich:
Kann so etwas wirklich passieren?
Und dann schaut man nach Bayern.
Plötzlich:
Keine Telefonate.
Keine E-Mails.
Keine Verbindung.
Keine digitale Justiz.
Nur Stille.
Eine Stille, wie man sie sonst nur kennt, wenn jemand im Büro fragt:
„Wer möchte freiwillig das neue Druckersystem administrieren?“
Unglaublich.
Ich dachte zunächst an einen Hollywood-Film.
„Der Angriff auf den Server.“
Mit dramatischer Musik.
Blinkenden Bildschirmen.
Menschen, die gleichzeitig „Firewall!“ rufen.
Aber nein.
Am Ende hieß es:
„Fehler im Netzwerk.“
Meine Freunde…
Das ist ungefähr so präzise wie:
„Das Auto fährt nicht, weil etwas am Auto kaputt ist.“
Fantastisch.
Der mysteriöse Netzwerkfehler
Natürlich wollte jeder wissen:
Was war passiert?
War es ein Hacker?
Ein Geheimdienst?
Ein internationales Cyberkartell?
Ein Supercomputer?
Nein.
Später erklärte man:
Eine fehlerhafte Konfigurationsänderung.
Ich liebe dieses Wort.
Konfigurationsänderung.
Das klingt unglaublich technisch.
In Wahrheit bedeutet es vermutlich:
„Jemand hat auf den falschen Knopf gedrückt.“
Oder schlimmer:
„War das wirklich Speichern?“
Der Administrator des Schicksals
Ich stelle mir die Szene ungefähr so vor.
Ein Administrator sitzt gemütlich vor drei Bildschirmen.
Kaffee.
Brötchen.
Alles ruhig.
Er denkt:
„Ich ändere nur schnell eine Kleinigkeit.“
Die berühmtesten vier Wörter der IT.
„Nur schnell eine Kleinigkeit.“
Zwei Sekunden später:
Telefon tot.
Mail tot.
Gerichte offline.
Staatsanwaltschaft offline.
Richter schauen ratlos auf schwarze Bildschirme.
Und irgendwo schreit ein Server:
„ICH WAR DOCH GERADE NOCH ONLINE!“
Die Justiz entdeckt plötzlich das Jahr 1987
Besonders faszinierend finde ich die Vorstellung, wie plötzlich sämtliche digitale Kommunikation verschwindet.
Richter:
„Schicken Sie mir bitte die Akte.“
Antwort:
„Geht nicht.“
„Dann per Mail.“
„Geht auch nicht.“
„Telefon?“
„Auch nicht.“
„Fax?“
„Heute leider ebenfalls nicht.“
„Dann...“
Absolute Stille.
Ein Praktikant hebt vorsichtig die Hand.
„Wir hätten noch Brieftauben.“
Niemand lacht.
Alle schreiben mit.
Das Fax kämpft tapfer bis zum Schluss
Natürlich spielte auch diesmal wieder das Fax eine Hauptrolle.
Fantastisch.
Während die halbe Welt über Quantencomputer spricht, hält irgendwo in Deutschland ein Faxgerät den Rechtsstaat zusammen.
Das Fax ist wie Keith Richards.
Niemand weiß genau warum.
Aber es lebt immer noch.
Diesmal allerdings offenbar nicht.
Selbst das Fax sagte:
„Heute nicht.“
Die große Suche nach der E-Mail
Ich stelle mir vor, wie Hunderte E-Mails irgendwo im digitalen Niemandsland herumirrten.
Eine kleine E-Mail fragt:
„Wo sind wir?“
Die andere:
„Keine Ahnung.“
„Sind wir schon beim Richter?“
„Nein.“
„Beim Staatsanwalt?“
„Auch nicht.“
„Dann warten wir eben.“
Stunden später.
„Immer noch?“
„Immer noch.“
Digitale Geduld.
Beeindruckend.
Cyberangriff? Nein!
Natürlich kam sofort die wichtigste Nachricht.
Kein Cyberangriff.
Das beruhigt.
Ein bisschen.
Denn stattdessen war es etwas viel Gefährlicheres.
Ein Konfigurationsfehler.
Der größte natürliche Feind jeder IT-Abteilung.
Hacker schlafen irgendwann.
Konfigurationsfehler nie.
Sie warten.
Geduldig.
Bis Freitag Nachmittag.
Der Krisenstab tagt
Ich sehe die Besprechung bereits vor mir.
„Was wissen wir?“
„Nichts.“
„Was funktioniert?“
„Fast nichts.“
„Sind Daten weg?“
„Nein.“
„Ist jemand eingebrochen?“
„Nein.“
„Warum funktioniert dann nichts?“
Lange Pause.
„Netzwerk.“
Alle nicken ehrfürchtig.
Niemand fragt weiter.
Die Richter schlagen Alarm
Natürlich meldete sich auch der Richterverein.
Und zwar völlig zu Recht.
Denn wenn eine komplette Justiz von einer einzigen technischen Panne abhängt, wird selbst ein WLAN-Router plötzlich zu einer staatsrelevanten Persönlichkeit.
Ich bin überzeugt:
Router erhalten demnächst eigene Dienstausweise.
Vielleicht sogar Sicherheitsfreigaben.
Der Notfallplan
Jetzt soll es neue Notfallkonzepte geben.
Fantastisch.
Ich hoffe auf folgende Ausstattung:
- drei unabhängige Rechenzentren,
- vier Ersatzserver,
- zwei Satellitenverbindungen,
- fünf Administratoren,
- und einen Praktikanten, dessen einzige Aufgabe lautet:
„Bitte nichts anklicken.“
Das wäre wahre Digitalisierung.
Die digitale Resilienz
Ein weiteres Lieblingswort.
Resilienz.
Früher sagte man einfach:
„Es sollte auch funktionieren, wenn etwas kaputtgeht.“
Heute heißt das:
„Wir erhöhen die digitale Resilienz redundanter Ausfallkonzepte.“
Klingt sofort nach Millionenprojekt.
Ich liebe Verwaltungssprache.
Sie schafft es, selbst einen Neustart poetisch wirken zu lassen.
Mein exklusiver Lösungsvorschlag
Ich fordere künftig einen offiziellen Notfallkoffer für Gerichte.
Inhalt:
- ein Ersatzrouter,
- zwei Netzwerkkabel,
- ein Handbuch mit dem Titel:
- „Bitte zuerst neu starten.“
- ein funktionierendes Faxgerät,
- und selbstverständlich eine Packung Nerventee.
Für besonders kritische Fälle kommt zusätzlich ein IT-Administrator mit Kaffee-Flatrate dazu.
Die gute Nachricht:
Die Systeme laufen wieder.
Die Daten sind da.
Die Fristen sollen eingehalten werden.
Die schlechte Nachricht:
Ganz Bayern hat gelernt, dass ein einziger falscher Klick ausreichen kann, damit plötzlich Richter, Staatsanwälte und Verwaltungsmitarbeiter gleichzeitig dieselbe Frage stellen:
„Hat jemand schon den Stecker gezogen und wieder eingesteckt?“
Ich bin Ronald Tramp.
Und ich sage euch:
Der Rechtsstaat ist stark.
Aber manchmal hängt auch er an einem Netzwerkkabel, das beschlossen hat, einen sehr ungünstigen Tag zu haben.
Großartig.
Einfach großartig.

