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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Der verschwundene Ölpreis – Wo tankt eigentlich der günstige Sprit?

Grafik: Der verschwundene Billigsprit mit Ronald Tramp

Der Ölpreis fällt kräftig, doch an der Zapfsäule steigt der Preis munter weiter. Ronald Tramp begibt sich auf die spektakuläre Suche nach dem verschwundenen Billigsprit und stößt auf Tankstellen, Preisraketen und den vermutlich schnellsten Aufzug Europas – den Benzinpreis nach oben.

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Liebe Freunde,

es gibt Naturgesetze.

Wasser fließt bergab.

Die Erde dreht sich um die Sonne.

Und wenn der Ölpreis steigt...

steigt der Benzinpreis sofort.

Das kennen wir alle.

Doch jetzt kommt das eigentliche Wunder.

Der Ölpreis fällt.

Und zwar kräftig.

Richtig kräftig.

Sogar um mehrere Prozent.

Man denkt sich:

"Wunderbar! Jetzt wird Tanken günstiger."

Dann fährt man zur Tankstelle.

Und plötzlich kostet der Liter noch mehr.

Ich sage euch:

Kein Zauberer der Welt beherrscht Magie so gut wie eine Zapfsäule.

Natürlich musste ich sofort recherchieren.

Denn ich bin Ronald Tramp.

Der wahrscheinlich einzige Reporter Europas, der einmal versucht hat, den Zusammenhang zwischen Ölpreis und Benzinpreis mit einem Taschenrechner zu verstehen.

Der Taschenrechner hat inzwischen gekündigt.

Ich machte mich also auf den Weg.

Erste Station:

Eine Tankstelle.

Es war kurz vor zwölf.

Der Preis wirkte bereits sportlich.

Ich dachte:

"Schlimmer kann es heute kaum werden."

Ein Anfängerfehler.

Punkt zwölf.

Die Preisanzeige begann plötzlich zu arbeiten.

Nicht langsam.

Nicht vorsichtig.

Sondern wie eine Rakete beim Start.

Innerhalb weniger Minuten sprang der Preis nach oben.

Ich stand daneben.

Direkt neben mir stand ein Autofahrer.

Er schaute auf die Anzeige.

Dann auf sein Auto.

Dann wieder auf die Anzeige.

Schließlich fragte er:

"Entschuldigung... ist das noch Diesel oder inzwischen Champagner?"

Eine ausgezeichnete Frage.

Die besten Fragen.

Ich sprach mit dem Kassierer.

"Warum steigt der Preis eigentlich genau jetzt?"

Er lächelte geheimnisvoll.

"Der Computer weiß das."

Fantastisch.

Deutschland wird inzwischen offenbar von Tankstellenalgorithmen regiert.

Währenddessen passierte auf dem Weltmarkt etwas völlig Verrücktes.

Der Ölpreis fiel.

Die Börsen jubelten.

Händler sprachen von Entspannung.

Mehr Förderung.

Mehr Angebot.

Gespräche.

Hoffnung.

Alles klang nach sinkenden Kosten.

Nur die Zapfsäule hatte diese Nachricht offenbar noch nicht erhalten.

Oder sie wollte sie nicht erhalten.

Ich stellte mir vor, wie Ölpreis und Tankstellenpreis miteinander telefonieren.

Der Ölpreis sagt:

"Ich bin gefallen."

Der Benzinpreis antwortet:

"Interessant. Ich steige trotzdem."

Ein bemerkenswert stabiles Geschäftsmodell.

Der ADAC erklärte sinngemäß, dass niedrigere Rohölpreise sich eigentlich zeitnah an den Zapfsäulen bemerkbar machen sollten.

Das klingt vernünftig.

Sehr vernünftig.

Fast zu vernünftig.

Denn jeder Autofahrer kennt die wahre Physik der Tankstelle.

Steigt der Ölpreis morgens um acht Uhr...

ist der Spritpreis um acht Uhr fünf bereits angepasst.

Fällt der Ölpreis?

Dann beginnt zunächst ein sorgfältiger wissenschaftlicher Beobachtungszeitraum.

Man möchte schließlich ganz sicher sein.

Vielleicht steigt er ja wieder.

Oder übermorgen.

Oder nächsten Monat.

Oder irgendwann.

Vorsicht ist schließlich wichtig.

Besonders beeindruckend finde ich den Tagesablauf deutscher Tankstellen.

Morgens teuer.

Mittags noch teurer.

Nachmittags vielleicht etwas günstiger.

Abends wieder anders.

Man hat inzwischen das Gefühl, nicht mehr Kraftstoff zu kaufen...

sondern Aktien.

Ich traf einen jungen Autofahrer.

Er sagte:

"Ich tanke inzwischen nach Börsenkurs."

Ich fragte:

"Wie funktioniert das?"

Er antwortete:

"Gar nicht."

Ehrlich.

Gefällt mir.

Natürlich hörte ich auch die Hoffnung.

Entspannung im Nahen Osten.

Mehr Öl auf dem Weltmarkt.

Höhere Fördermengen.

Alles Faktoren, die langfristig Einfluss auf den Ölpreis haben können.

Das sind reale wirtschaftliche Zusammenhänge.

Doch zwischen Weltmarkt und Zapfsäule scheint es noch eine geheimnisvolle Zwischenstation zu geben.

Ich nenne sie:

Das Bermuda-Dreieck der Benzinpreise.

Dort verschwinden offenbar sämtliche Preissenkungen.

Man sieht sie nie wieder.

Ich wollte der Sache auf den Grund gehen.

Also suchte ich nach dem Lager, in dem günstiger Sprit aufbewahrt wird.

Vielleicht existiert irgendwo ein riesiger Tank.

Mit einem Schild:

"Preisreduzierungen – bitte später ausliefern."

Ich fand allerdings nur eine weitere Tankstelle.

Mit noch höheren Preisen.

Ein Experte erklärte mir anschließend den Markt.

Sehr ausführlich.

Mit Diagrammen.

Mit Wechselkursen.

Mit Förderquoten.

Mit Rohstoffmärkten.

Ich verstand alles.

Fast.

Bis ich wieder an einer Zapfsäule stand.

Dann verstand ich nichts mehr.

Besonders faszinierend ist die Geschwindigkeit.

Steigende Preise reisen offenbar mit Überschallgeschwindigkeit.

Sinkende Preise bevorzugen dagegen den gemütlichen Regionalzug mit Schienenersatzverkehr.

Natürlich gibt es viele Faktoren, die Kraftstoffpreise beeinflussen:

Steuern.

Abgaben.

Transport.

Lagerbestände.

Wechselkurse.

Marktmechanismen.

Und regionale Unterschiede.

Deshalb folgt der Preis an der Tankstelle nicht immer unmittelbar jeder Bewegung des Rohölpreises.

Trotzdem erwarten viele Verbraucher nachvollziehbarerweise, dass deutliche Rückgänge am Weltmarkt sich innerhalb einer angemessenen Zeit auch beim Tanken bemerkbar machen.

Genau darauf weist auch der ADAC hin.

Liebe Freunde,

nach meiner Recherche bin ich zu einer sensationellen Erkenntnis gekommen.

Es gibt wahrscheinlich nur einen Ort auf der Welt, an dem fallende Preise grundsätzlich länger unterwegs sind als steigende.

Und dieser Ort ist die Zapfsäule.

Vielleicht reisen Preissenkungen mit der Deutschen Bahn.

Das würde einiges erklären.

Oder sie stehen noch im Stau.

Oder sie suchen verzweifelt einen freien Parkplatz.

Man weiß es nicht.

Ich werde die Entwicklung selbstverständlich weiter beobachten.

Mit journalistischer Präzision.

Mit maximaler Objektivität.

Und mit einem möglichst vollen Tank.

Denn eines steht fest:

Wenn der Ölpreis fällt und der Benzinpreis trotzdem steigt, dann erleben wir möglicherweise das achte Weltwunder der Wirtschaft.

Ein Preis, der offenbar schneller nach oben klettert als jede Bergziege – und nach unten ungefähr so viel Eile hat wie ein Faxgerät auf dem Weg in die Digitalisierung.

Und genau deshalb, liebe Freunde, ist die Tankstelle vermutlich der einzige Ort der Welt, an dem ein Sturzflug des Ölpreises zunächst einmal wie eine hervorragende Gelegenheit aussieht...

...den Benzinpreis noch einmal kräftig anzuheben.

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Tags: Spritpreise Tankstelle Diesel Benzinpreis ADAC E10 Ölpreis
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