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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Deutschlands Bushaltestelle der Zukunft – Perfekt ausgebaut für Busse, die niemals kommen

Grafik: Die Bushaltestelle ohne Bus – Ronald Tramp

In Schloß Holte-Stukenbrock wird eine Bushaltestelle barrierefrei ausgebaut – obwohl dort ab Januar kein Bus mehr halten soll. Ronald Tramp berichtet exklusiv von Deutschlands modernster Geisterhaltestelle, die endlich allen einen bequemen Einstieg ins absolute Nichts ermöglicht.

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Liebe Freunde,

ich habe schon viele Meisterwerke deutscher Planung erlebt.

Flughäfen, die länger gebaut wurden als mittelalterliche Kathedralen.

Radwege, die plötzlich in einer Hecke enden.

Kreisverkehre mit Ampeln.

Und selbstverständlich Behördenportale, die einen Ausdruck verlangen, damit man sie digital nutzen kann.

Aber jetzt...

Jetzt hat Deutschland einen neuen Höhepunkt erreicht.

Eine Bushaltestelle.

Sie wird aufwendig barrierefrei ausgebaut.

Modern.

Komfortabel.

Vorbildlich.

Und kurz danach...

fährt dort kein Bus mehr.

Meine Freunde, das ist keine Satire.

Das ist die Realität.

Und genau deshalb musste ich selbstverständlich sofort recherchieren.

Denn ich bin Ronald Tramp.

Der vermutlich einzige Reporter Europas, der schon einmal an einer Bushaltestelle auf einen Bus gewartet hat, der laut Fahrplan bereits vor drei Jahren eingestellt wurde.

Ich reiste also direkt nach Schloß Holte-Stukenbrock.

Ein wunderbarer Ort.

Schon am Ortseingang begrüßte mich ein Schild:

"Willkommen in der Zukunft."

Ich ahnte noch nicht, wie recht dieses Schild haben würde.

Dort angekommen stand ich vor der berühmten Haltestelle "Holter Schloßkrug".

Baustellenfahrzeuge.

Neue Bordsteine.

Frischer Asphalt.

Modernste Technik.

Barrierefreie Einstiege.

Alles vom Feinsten.

Ich war beeindruckt.

Ein Bauarbeiter erklärte stolz:

"Hier wird alles auf den neuesten Stand gebracht."

Ich nickte anerkennend.

Dann fragte ich:

"Wann fährt denn der nächste Bus?"

Er sah mich kurz an.

Dann blickte er schweigend in die Ferne.

Schließlich sagte er:

"Bis Ende des Jahres."

Ich dachte zunächst, er meinte den Fahrplan.

Nein.

Er meinte das Ende der gesamten Linie.

Fantastisch.

Ich liebe Effizienz.

Andere Länder bauen Straßen für Autos.

Deutschland baut Haltestellen für Erinnerungen.

Natürlich wollte ich mehr wissen.

Ich sprach mit einem Planungsbeamten.

"Warum baut man eine Bushaltestelle aus, wenn dort bald kein Bus mehr hält?"

Er lächelte geheimnisvoll.

"Das ist langfristige Planung."

Ein großartiger Satz.

In Deutschland bedeutet langfristige Planung offenbar:

Erst bauen.

Dann abschaffen.

Vielleicht kommt irgendwann wieder etwas.

Oder auch nicht.

Ich stellte mir vor, wie diese Sitzung im Rathaus abgelaufen sein könnte.

Punkt eins:

"Die Haltestelle ist nicht barrierefrei."

Alle nicken.

Punkt zwei:

"Die Buslinie wird eingestellt."

Alle nicken wieder.

Punkt drei:

"Bauen wir trotzdem?"

Einstimmig angenommen.

Das nenne ich Teamarbeit.

Besonders begeistert bin ich von der Barrierefreiheit.

Denn künftig kann wirklich jeder problemlos an einer Haltestelle stehen...

an der nichts mehr hält.

Das ist wahre Gleichberechtigung.

Ob Rollstuhl.

Kinderwagen.

Rollator.

Oder Fahrrad.

Alle können künftig gleichermaßen bequem darauf warten...

dass nichts passiert.

Ein Meilenstein der modernen Infrastruktur.

Ich sprach mit einem älteren Herrn.

"Wie finden Sie den Umbau?"

Er antwortete:

"Sehr angenehm."

"Und den Bus?"

"Welchen Bus?"

Eine berechtigte Frage.

Immerhin fuhr die Linie zuletzt ohnehin nur dreimal am Nachmittag.

Nur werktags.

Am Wochenende gar nicht.

Man könnte also sagen:

Der Bus war bereits vorher eine Art Naturereignis.

Ähnlich wie eine Sonnenfinsternis.

Man wusste ungefähr, wann er auftauchte.

Wenn überhaupt.

Doch nun verschwindet selbst dieses seltene Schauspiel.

Einige Bürger kritisieren die Investition.

Andere wiederum weisen auf die Lage der Haltestelle hin.

Zwischen zwei Kurven.

Nicht gerade der Traum jedes Fahrgasts.

Es wurden Sicherheitsbedenken geäußert.

Ich kann allerdings beruhigen.

Wo kein Bus hält, steigt künftig auch niemand mehr aus.

Problem gelöst.

Deutschland liebt Lösungen.

Selbst wenn sie gelegentlich etwas überraschend ausfallen.

Natürlich ließ mir die Sache keine Ruhe.

Ich traf die eigens gegründete Zukunftskommission für innovative Haltestellen.

Dort entwickelte man bereits neue Nutzungskonzepte.

Ein Museum für verpasste Anschlüsse.

Ein Denkmal für den öffentlichen Nahverkehr.

Ein Selfie-Spot.

Oder ein Meditationszentrum.

Schließlich eignet sich kaum ein Ort besser zum Nachdenken als eine Bushaltestelle ohne Bus.

Ich persönlich hätte noch weitere Ideen.

Eine Ladestation für E-Bikes.

Ein Café.

Ein Freibad.

Oder ein Standesamt.

Schließlich kommt dort ohnehin niemand vorbei, der den Verkehr stört.

Währenddessen präsentierte ein Experte Diagramme.

Sehr viele Diagramme.

Kurven.

Statistiken.

Fahrgastzahlen.

Auslastungen.

Kostenentwicklungen.

Am Ende fragte ich:

"Und wie viele Busse halten künftig hier?"

Er antwortete:

"Null."

Es war die kürzeste Präsentation mit dem eindeutigsten Ergebnis meines Lebens.

Liebe Freunde,

natürlich steckt hinter all dem eine ernsthafte Herausforderung.

Kommunen müssen mit knappen Haushalten umgehen.

ÖPNV-Angebote werden überprüft.

Linien verändert oder eingestellt.

Gleichzeitig schreibt das Barrierefreiheitsrecht vielerorts den Ausbau von Haltestellen vor.

Wenn Planung und spätere Verkehrsentscheidungen zeitlich auseinanderfallen, entstehen Konstellationen, die auf Außenstehende widersprüchlich wirken können.

Und genau hier beginnt die Satire praktisch von selbst.

Denn Deutschland besitzt ein außergewöhnliches Talent.

Wenn zwei Behörden unabhängig voneinander perfekte Arbeit leisten...

entsteht manchmal gemeinsam ein Ergebnis, das aussieht wie ein Sketch.

Liebe Freunde,

ich werde diese Haltestelle weiter beobachten.

Vielleicht hält dort eines Tages doch wieder ein Bus.

Vielleicht ein autonomer Shuttle.

Vielleicht eine Zeitmaschine.

Oder vielleicht nur ein Tourist, der versehentlich dem alten Fahrplan vertraut.

Bis dahin bleibt diese Haltestelle das vermutlich modernste Denkmal deutscher Planungskunst.

Barrierefrei.

Vorbildlich.

Perfekt ausgebaut.

Und so zuverlässig ohne Bus, dass selbst die Fahrgäste irgendwann pünktlich zu Hause bleiben.

Denn genau deshalb, liebe Freunde, hat Deutschland vermutlich als erstes Land der Welt eine Bushaltestelle geschaffen, bei der nicht der Bus Verspätung hat...

...sondern gleich vollständig eingespart wurde.

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Tags: Infrastruktur NRW Bus Barrierefreiheit Schloß Holte-Stukenbrock ÖPNV Bushaltestelle
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