Donald Trumps Plattform Truth Social prüft offenbar ein Premium-Abo für Börsenhändler: Wer bis zu 100.000 Dollar im Monat bezahlt, könnte Trumps Beiträge schneller erhalten als alle anderen. Ronald Tramp berichtet über den wahrscheinlich teuersten "Senden"-Knopf der Welt.
Meine Damen und Herren, schnallen Sie sich an. Die Finanzwelt hat offenbar beschlossen, endgültig jede Bodenhaftung aufzugeben.
Früher zahlte man Geld für Aktienanalysen.
Für Wirtschaftsdaten.
Für Insiderberichte.
Für hochbezahlte Analysten mit drei Bildschirmen, vier Kaffeetassen und einem Gesichtsausdruck, als hätten sie seit der Lehman-Pleite nicht mehr gelächelt.
Heute?
Heute zahlt man möglicherweise bis zu 100.000 Dollar im Monat, um Donald Trump ein paar Sekunden früher lesen zu dürfen.
Ich, Ronald Tramp, musste zunächst kontrollieren, ob ich versehentlich den Wirtschaftsteil mit einer Ausgabe der Satirezeitung verwechselt hatte.
Nein.
Offenbar wird tatsächlich darüber nachgedacht, besonders zahlungskräftigen Börsenhändlern eine Art Fast Lane für Trumps Gedanken anzubieten.
Und plötzlich ergibt alles Sinn.
Der Kapitalismus hat seine Endstufe erreicht.
Nicht Gold.
Nicht Öl.
Nicht künstliche Intelligenz.
Nicht seltene Erden.
Die wertvollste Ressource der Welt ist jetzt offenbar:
Donald Trumps "Posten"-Button.
Man muss sich das einmal vorstellen.
Irgendwo sitzt ein Hedgefondsmanager.
Vor ihm stehen zwölf Monitore.
Auf einem läuft der DAX.
Auf dem zweiten der Dow Jones.
Auf dem dritten Ölpreise.
Auf dem vierten Gold.
Auf dem fünften Bitcoin.
Und auf dem wichtigsten Bildschirm blinkt plötzlich:
"Donald Trump schreibt..."
Im gesamten Handelsraum bricht Panik aus.
"Hat er schon abgeschickt?"
"Noch nicht!"
"Hat jemand den Premiumzugang?"
"Ja!"
"Was schreibt er?"
"Er löscht gerade ein Komma."
Alle Händler frieren ein.
Die Weltwirtschaft wartet.
Dann erscheint endlich die Nachricht.
"Good Morning."
Innerhalb von drei Sekunden kaufen irgendwo Menschen Öl, verkaufen Stahl, erwerben Goldminen, shorten Kaffee und investieren vorsorglich in Golfplätze.
Ein ganz normaler Dienstag.
Ich finde besonders beeindruckend, wie konsequent dieses Geschäftsmodell gedacht wurde.
Normale Nutzer erhalten Beiträge.
Premiumkunden erhalten Beiträge früher.
Super-Premium-Kunden bekommen vermutlich schon die Tastaturgeräusche.
Und die Platinum-Mitglieder hören wahrscheinlich bereits, wie Donald Trump überlegt, welchen Satz er als Nächstes schreiben könnte.
Die teuerste Denkpause der Welt.
Für 100.000 Dollar im Monat erwarte ich allerdings etwas mehr.
Nicht bloß schnellere Nachrichten.
Nein.
Ich möchte einen persönlichen Countdown.
"Drei..."
"Zwei..."
"Eins..."
"Donald Trump hebt gerade den rechten Zeigefinger."
Oder noch besser:
Ein Live-Kamerabild auf den Bildschirm.
Trump sitzt vor seinem Handy.
Schreibt.
Löscht.
Schreibt erneut.
Löscht wieder.
Die Börse schwankt währenddessen um vier Prozent.
Der Moderator bei CNBC ruft:
"Er hat gerade ein Ausrufezeichen gesetzt!"
Die Händler applaudieren.
Natürlich bleibt die Konkurrenz nicht untätig.
Ich sehe bereits die nächsten Angebote.
Truth Social Gold
Sie erfahren den Beitrag zehn Sekunden früher.
Truth Social Platinum
Sie sehen den Cursor blinken.
Truth Social Diamond Ultra Supreme Executive Presidential Edition
Sie wissen bereits, welchen Kaffee Donald Trump heute Morgen getrunken hat – und können Ihre Investments entsprechend anpassen.
Denn jeder weiß:
Arabica oder Espresso könnten selbstverständlich unmittelbare Auswirkungen auf den Weltmarkt haben.
Besonders faszinierend ist die Vorstellung, dass ein einzelner Social-Media-Beitrag inzwischen ähnlich aufmerksam verfolgt wird wie früher eine Zinssitzung der Zentralbank.
Früher warteten Händler gespannt auf den Präsidenten der US-Notenbank.
Heute warten sie auf das Geräusch einer Smartphone-Tastatur.
"Hat er schon gepostet?"
"Nein."
"Jetzt?"
"Nein."
"Jetzt?"
"Nein, er sucht noch ein Emoji."
Der Nasdaq verliert vorsorglich zwei Prozent.
Ich stelle mir inzwischen auch die Marketingabteilung vor.
"Wie verkaufen wir dieses Produkt?"
"Wir nennen es API."
"Das klingt technisch."
"Und teuer."
"Sehr gut."
"Was macht die API?"
"Sie liefert Texte."
"Schneller."
"Wie viel schneller?"
"Sehr."
"Gekauft."
Ich befürchte allerdings, dass andere Politiker nachziehen könnten.
Plötzlich verkauft jeder seine Gedanken im Abo.
Der Kanzler bietet den "Koalitions-Express".
Minister verkaufen "Haushalts-Plus".
Bürgermeister starten "Schlagloch Premium".
Und Gemeinderäte führen den "Beschluss-Turbo" ein.
Natürlich jeweils mit verschiedenen Preisstufen.
Es wäre nur konsequent.
Donald Trump selbst dürfte das Geschäftsmodell vermutlich mit seiner typischen Begeisterung präsentieren.
"Nobody has faster posts than me. They're tremendous posts. The fastest. Everybody says so."
Und irgendwo hebt ein Investmentbanker die Hand.
"Entschuldigung... gibt es auch eine Version mit Rechtschreibkorrektur?"
Stille.
Die eigentliche Tragikomödie liegt allerdings woanders.
Noch vor wenigen Jahren diskutierte die Finanzwelt über Hochfrequenzhandel mit Glasfaserkabeln, Mikrowellenstrecken und Servern direkt neben Börsenrechnern.
Heute geht es plötzlich darum, wer Donald Trump drei Sekunden früher lesen darf.
Die nächste Evolutionsstufe ist bereits absehbar.
Künstliche Intelligenz analysiert künftig nicht nur den veröffentlichten Beitrag.
Sie analysiert bereits die Tippgeschwindigkeit.
Die Länge der Denkpause.
Die Anzahl gelöschter Wörter.
Die Stärke des Tastendrucks.
Und erstellt daraus Prognosen für den Ölpreis.
Warum auch nicht?
Am Ende bleibt nur eine Erkenntnis.
Die Weltwirtschaft ist inzwischen so komplex geworden, dass Milliarden über Glasfaserkabel rasen, Supercomputer in Millisekunden handeln und Algorithmen jede Kursbewegung analysieren.
Und trotzdem sitzen irgendwo Tausende Börsenhändler gebannt vor einem Bildschirm und hoffen, dass Donald Trump endlich auf "Posten" drückt.
Ich, Ronald Tramp, bin deshalb überzeugt:
Das nächste große Börsenprodukt wird keine Aktie sein.
Keine Anleihe.
Kein ETF.
Sondern ein Futures-Kontrakt auf den Satz:
"Donald Trump schreibt gerade..."
Und sollte das Premium-Abo tatsächlich 100.000 Dollar kosten, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis auch die erste Warteliste eröffnet wird.
Denn nichts ist an der Börse schließlich wertvoller als ein Informationsvorsprung.
Außer vielleicht ein WLAN-Passwort im Pressezentrum des Weißen Hauses.

