Nachdem zahlreiche Musiker abgesagt hatten, macht Donald Trump kurzerhand sich selbst zum Hauptact. Ronald Tramp berichtet über das wohl ungewöhnlichste Musikfestival der amerikanischen Geschichte.
Ronald Tramp berichtet von der größten musikalischen Revolution seit der Erfindung des Kassettenrekorders.
Freunde, ich habe schon viele Konzerte erlebt. Große Konzerte. Riesige Konzerte. Konzerte mit Feuerwerk, Lasershows und Gitarrensoli, die länger dauerten als manche Koalitionsverhandlungen.
Aber was jetzt aus Washington kommt, ist größer.
Viel größer.
So groß, dass selbst die Musikindustrie nicht weiß, ob sie applaudieren oder einen Notarzt rufen soll.
Donald Trump hat nämlich beschlossen, eine geplante Konzertreihe zum 250-jährigen Bestehen der Vereinigten Staaten einfach umzubauen.
Genauer gesagt:
Er hat die Musiker praktisch durch sich selbst ersetzt.
Und wenn man Trump kennt, war das vermutlich schon immer der Plan.
Die ursprüngliche Idee war einfach:
Viele bekannte Künstler sollten auftreten.
Die Menschen sollten Musik hören.
Es sollte gefeiert werden.
Es sollte gesungen werden.
Es sollte getanzt werden.
Kurz gesagt: ein Konzert.
Doch dann begannen die Absagen.
Ein Künstler nach dem anderen verschwand vom Programm.
Die Commodores.
Morris Day.
The Time.
Young MC.
Martina McBride.
Bret Michaels.
Plötzlich wirkte das Line-up ungefähr so voll wie ein Fitnessstudio am zweiten Weihnachtsfeiertag.
Normale Veranstalter hätten nun hektisch telefoniert.
Neue Bands gesucht.
Vielleicht einen DJ organisiert.
Nicht Trump.
Trump dachte offenbar:
„Moment mal. Wenn keine Stars kommen, warum bin ich dann nicht selbst der Star?“
Und genau so wurde aus einer Konzertreihe die wahrscheinlich erste politische One-Man-Show mit Militärkapelle der Weltgeschichte.
Trump verkündete auf Truth Social, die Künstler könnten ruhig zu Hause bleiben.
Ein Satz, der in etwa dieselbe Stimmung erzeugt wie:
„Vielen Dank für Ihre Bewerbung. Wir haben uns für jemanden entschieden, der zufällig ich selbst bin.“
Statt eines klassischen Konzerts plant Trump nun eine große Veranstaltung in Washington.
Mit Reden.
Noch mehr Reden.
Wahrscheinlich sehr langen Reden.
Und dazwischen Musik.
Aber nicht irgendeine Musik.
Nein.
Musik, die offenbar speziell dafür ausgewählt wurde, den Hauptact nicht versehentlich zu überstrahlen.
Neben Trump sollen unter anderem Lee Greenwood, Christopher Macchio und verschiedene Militärkapellen auftreten.
Das ist ungefähr so, als würde man sagen:
„Vor dem Boxkampf gibt es noch eine kurze Darbietung der örtlichen Blaskapelle.“
Der eigentliche Star steht bereits fest.
Trump selbst.
Insider berichten, dass die Veranstaltung inzwischen intern als „Trumpapalooza“, „Donaldstock“ oder „The Greatest Speech Tour on Earth“ bezeichnet wird.
Offiziell bestätigt ist das zwar nicht.
Aber es klingt plausibel.
Besonders bemerkenswert war Trumps Begründung.
Man wolle keine Sänger mit riesigen Gagen, die das Publikum einschläfern.
Das ist eine mutige Aussage.
Vor allem von einem Mann, dessen Reden gelegentlich länger dauern als die Extended Director’s Cut Version von „Herr der Ringe“.
Einige Zuschauer befürchten bereits, dass die Veranstaltung am Ende so aussehen könnte:
18:00 Uhr:
Begrüßung.
18:05 Uhr:
Trump beginnt zu reden.
22:47 Uhr:
Trump erklärt, dass er nun zum eigentlichen Thema kommt.
00:13 Uhr:
Die Militärkapelle spielt vorsorglich die Nationalhymne, um sicherzugehen, dass noch jemand wach ist.
Dabei hätte die Veranstaltung durchaus Potenzial.
Stellen Sie sich vor:
Eine gigantische Bühne.
Patriotische Musik.
Feuerwerk.
Fernsehkameras.
Und in der Mitte Ronald Tramp – also ich – mit Presseausweis und Notizblock.
Links eine Militärkapelle.
Rechts eine Militärkapelle.
Hinter der Bühne eine Reserve-Militärkapelle.
Und davor ein Rednerpult, das vermutlich mehr Bühnenzeit bekommt als alle Musiker zusammen.
Natürlich stellt sich die Frage:
Wie weit kann dieses Konzept noch ausgebaut werden?
Wenn Politiker künftig Künstler ersetzen dürfen, eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten.
Das Wacken Open Air wird zur Haushaltsdebatte.
Rock am Ring wird zur Sitzung des Verkehrsausschusses.
Und beim Eurovision Song Contest treten nur noch Finanzminister an.
Zwölf Punkte für die Mehrwertsteuerreform.
Niemand wäre vorbereitet.
In Washington scheint man jedoch fest entschlossen zu sein, neue Wege zu gehen.
Warum eine Band engagieren, wenn man ein Mikrofon besitzt?
Warum Gitarrensoli buchen, wenn man Monologe halten kann?
Warum einen Headliner suchen, wenn man überzeugt ist, selbst einer zu sein?
Die Antwort lautet offenbar:
Man tut es nicht.
Man organisiert stattdessen die größte Rally aller Zeiten.
Zumindest laut Trump.
Und wenn es eine Sache gibt, die Trump liebt, dann sind es Superlative.
Alles ist das größte.
Das beste.
Das stärkste.
Das erfolgreichste.
Die einzige Frage ist deshalb:
Wie groß muss eine Veranstaltung eigentlich werden, damit sie Trumps Erwartungen erfüllt?
Benötigt man zehntausend Besucher?
Hunderttausend?
Eine Million?
Oder reicht bereits eine Menschenmenge, die aus der Luft irgendwie beeindruckend aussieht?
Experten sind sich uneinig.
Fest steht lediglich:
Die ursprüngliche Konzertreihe existiert nicht mehr.
Stattdessen entsteht etwas völlig Neues.
Ein Ereignis irgendwo zwischen Festival, Wahlkampfveranstaltung, patriotischer Bühnenshow und Motivationsseminar.
Und vielleicht ist genau das die eigentliche Pointe.
Während andere Präsidenten Konzerte veranstalten, hat Trump beschlossen, selbst das Konzert zu werden.
Die Musiker wurden ausgeladen.
Die Gitarren verstummen.
Die Verstärker schweigen.
Doch das Mikrofon bleibt eingeschaltet.
Sehr wahrscheinlich die ganze Nacht.
Ich bin Ronald Tramp.
Und falls die Veranstaltung tatsächlich stattfindet, werde ich selbstverständlich vor Ort berichten.
Mit Gehörschutz.
Man weiß ja nie, ob die Lautstärke diesmal von den Lautsprechern kommt oder von den Reden.

