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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Küstendiplomatie oder schwimmender Größenwahnsinn? Wenn die Jacht größer ist als die Außenpolitik

Grafik: Ronald Tramp und die Diplomatie der Megajacht

Während normale Botschafter mit Aktenkoffer, Flagge und Händedruck reisen, setzt US-Botschafter Tilman Fertitta lieber auf 117 Meter Luxus, mehrere Decks und den Charme eines schwimmenden Palastes. Ronald Tramp deckt exklusiv auf, warum manche Diplomaten inzwischen mehr Anker als Argumente mitbringen.

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Freunde, ich habe in meinem Leben schon viele große Dinge gesehen. Riesige Wahlveranstaltungen. Riesige Pommesportionen. Riesige Egos. Und natürlich Donald Trump. Aber jetzt kommt Tilman Fertitta. Ein Mann, der offenbar beschlossen hat, dass ein gewöhnlicher Botschafter viel zu langweilig ist.

Ein Botschafter? Nein!

Ein Botschafter mit einer 117 Meter langen Megajacht.

Man nennt das heutzutage angeblich „Küstendiplomatie“. Ein wunderschönes Wort. Fast poetisch. Früher bedeutete Diplomatie, dass man sich an einen Verhandlungstisch setzte. Heute bedeutet sie offenbar, dass man einen Hafen blockiert und hofft, dass alle beeindruckt genug sind, um gar nicht mehr zu fragen, worüber eigentlich gesprochen werden soll.

Ich sage euch: Genial. Wirklich genial. Wer braucht schon Botschaftsgebäude, wenn man einfach ein schwimmendes Fünf-Sterne-Land besitzt?

Die "Boardwalk" gleitet also majestätisch nach Venedig.

Nicht etwa heimlich.

Nein.

Mit der Eleganz eines Kreuzfahrtschiffes, das versehentlich beschlossen hat, König von Italien zu werden.

Schon aus mehreren Kilometern Entfernung dürfte jeder gedacht haben:

"Entweder kommt Poseidon persönlich... oder jemand hat das Bruttoinlandsprodukt von Luxemburg schwimmfähig gemacht."

Und tatsächlich: Es war Tilman Fertitta.

Milliardär.

Unternehmer.

Basketballbesitzer.

Trump-Vertrauter.

Und inzwischen vermutlich der einzige Botschafter, dessen Parkplatz größer ist als manche europäische Altstadt.

Die Venezianer reagierten... nun ja... nicht ausschließlich begeistert.

Mehrere Hundert Demonstranten erschienen.

Die Polizei sperrte Wasserwege.

Boote.

Stege.

Bereiche rund um den Markusplatz.

Ich wusste gar nicht, dass man für einen Botschafter inzwischen denselben Sicherheitsaufwand betreibt wie für Godzilla auf Klassenfahrt.

Natürlich erklärte Fertitta die ganze Reise zur „Küstendiplomatie“.

Ein fantastischer Begriff.

Ich stelle mir vor, wie das Außenministerium künftig arbeitet.

"Wie laufen die Gespräche mit Frankreich?"

"Wir ankern gerade vor Cannes."

"Und mit Spanien?"

"Wir grillen auf Deck sieben."

"Wie steht es mit den Beziehungen zu Griechenland?"

"Der Whirlpool funktioniert hervorragend."

Diplomatie erledigt.

Viele Menschen verstehen moderne Außenpolitik einfach nicht.

Sie glauben immer noch, Gespräche seien wichtig.

Unsinn.

Die wahre Verständigung beginnt offensichtlich bei vergoldeten Relings.

Und mal ehrlich:

Wenn deine Jacht elf Stockwerke hat, musst du gar nichts mehr erklären.

Die Menschen sollen einfach staunen.

Oder protestieren.

Beides sorgt schließlich für Aufmerksamkeit.

Besonders beeindruckt hat mich die Begründung der Reise.

250 Jahre amerikanische Unabhängigkeit.

Natürlich.

Denn wenn Amerika Geburtstag feiert, fährt man selbstverständlich mit einem schwimmenden Luxushotel durch italienische Lagunen.

Das steht bestimmt irgendwo zwischen Verfassung und Freiheitsglocke.

Ich habe extra nachgesehen.

Fast.

Die Protestierenden wiederum warfen Fertitta Arroganz vor.

Arroganz?

Ich finde das völlig übertrieben.

Nur weil jemand mit geschätzten elf Milliarden Dollar Vermögen auf einer Jacht ankommt, die ungefähr die Wohnfläche eines kleinen Dorfes besitzt, heißt das doch nicht automatisch...

...na gut.

Ein kleines bisschen vielleicht.

Aber immerhin bleibt der Mann konsequent.

Wer elf Milliarden besitzt, kann schlecht mit einem Tretboot erscheinen.

Das wäre doch völlig unglaubwürdig.

Interessant ist auch der Vergleich mit Jeff Bezos.

Vor einiger Zeit sorgte dessen Hochzeit bereits für Schlagzeilen.

Jetzt kommt Fertitta.

Ich glaube langsam, Venedig entwickelt sich zum weltweit ersten Freilichtmuseum für überdimensionierte Vermögensdarstellung.

Demnächst gibt es vermutlich neue Touristenführungen.

"Links sehen Sie den Dogenpalast."

"Rechts sehen Sie einen Hubschrauberlandeplatz auf einer Privatjacht."

"Und dort hinten schwimmt gerade das Bruttosozialprodukt eines mittelgroßen Inselstaates."

Die Tour dauert drei Stunden.

Getränke nicht inklusive.

Was mich persönlich fasziniert, ist der diplomatische Gedanke hinter dieser Reise.

Normale Botschafter treffen Minister.

Fertitta trifft Hafenmeister.

Normale Diplomaten reichen Visitenkarten.

Er reicht vermutlich den Schiffsplan.

Normale Delegationen bringen Gastgeschenke.

Er bringt vermutlich seinen eigenen Yachthafen gleich mit.

Donald Trump dürfte begeistert sein.

Größe beeindruckt schließlich immer.

Je größer etwas ist, desto erfolgreicher wirkt es.

Nach dieser Logik müsste der nächste Außenminister vermutlich auf einem Flugzeugträger erscheinen.

Oder gleich auf einer künstlichen Insel.

Man darf schließlich nicht klein denken.

Ich sehe bereits die Zukunft.

Botschafter vergleichen nicht mehr ihre politischen Konzepte.

Sie vergleichen Liegeplätze.

"Unser Schiff hat drei Pools."

"Unseres vier."

"Unseres besitzt einen eigenen Sonnenuntergang."

Die Vereinten Nationen müssten ihre Häfen erheblich ausbauen.

Und Venedig?

Die Stadt erlebt inzwischen regelmäßig den Besuch schwimmender Paläste.

Einheimische versuchen, ihre Miete zu bezahlen.

Touristen fotografieren Gondeln.

Und irgendwo dahinter ankert ein Schiff, dessen monatliche Betriebskosten vermutlich den Jahresetat einer mittleren Gemeinde übersteigen.

Das ist moderne Symbolpolitik.

Man zeigt nicht Flagge.

Man zeigt Deckfläche.

Am Ende fuhr die "Boardwalk" selbstverständlich weiter Richtung Triest.

Natürlich.

Küstendiplomatie schläft nie.

Sie ankert nur gelegentlich.

Ich, Ronald Tramp, nehme aus dieser Geschichte eine wichtige Erkenntnis mit.

Sollte ich jemals Botschafter werden, reise ich selbstverständlich nicht mit einer Megajacht.

Ich erscheine standesgemäß mit einem aufblasbaren Flamingo.

Der ist deutlich umweltfreundlicher.

Er passt in jede Lagune.

Und wenn Protestierende kommen, kann ich wenigstens glaubwürdig behaupten, dass mein gesamtes außenpolitisches Konzept nicht größer ist als eine Luftmatratze.

Irgendwie wirkt das am Ende sogar erstaunlich diplomatisch.

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Tags: Donald Trump Italien Proteste Venedig Küstendiplomatie Megajacht Tilman Fertitta
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