Milo Yiannopoulos forderte millionenfache Abschiebungen und ICE-Kontrollen an Supermärkten. Nun wurde der Brite selbst abgeschoben. Ronald Tramp untersucht den politischen Bumerang.
Von Ronald Tramp, Grenzreporter für Abschiebungen, Eigentore und politische Bumerangs
Meine lieben Amerikaner, Briten und Menschen, die schon einmal etwas gefordert haben und anschließend erleichtert waren, dass es nicht zuerst an ihnen ausprobiert wurde!
Heute erleben wir eine politische Geschichte von solcher Schönheit, dass Satiriker eigentlich Anspruch auf einen arbeitsfreien Tag haben müssten.
Milo Yiannopoulos, britischer Rechtsaußen-Provokateur, Trump-Unterstützer von einst und leidenschaftlicher Freund einer maximal robusten Abschiebepolitik, wurde von ICE festgenommen.
Und dann:
ABGESCHOBEN.
Nach Großbritannien.
Ich, Ronald Tramp, sage:
ASK AND YOU SHALL RECEIVE!
Der Mann hatte selbst gefordert, Amerika müsse „Millionen und Abermillionen“ Menschen abschieben. Außerdem fantasierte er über ICE-Kontrollpunkte an Supermärkten, Tankstellen, Einkaufszentren, Kreuzungen und Regierungsgebäuden.
ICE hat offenbar aufmerksam mitgelesen.
„Millionen abschieben?“
Großartige Idee, Sir.
„Wo sollen wir anfangen?“
Kurze Pause.
„Wie wäre es mit Ihnen?“
Operation Boomerang
Yiannopoulos war 2019 legal in die Vereinigten Staaten eingereist, blieb laut DHS jedoch länger als erlaubt. Nachdem er zu einer Anhörung nicht erschienen war, erließ ein Einwanderungsrichter am 22. Juli eine endgültige Ausweisungsverfügung. ICE nahm ihn schließlich am Flughafen von New Orleans fest. Einen Tag später ging es zurück ins Vereinigte Königreich.
Das ist keine Abschiebung.
Das ist:
POLITISCHE PRODUKTDEMONSTRATION.
Sie kennen das aus dem Supermarkt.
„Probieren Sie unsere neue Kaffeesorte!“
Nur diesmal:
„Probieren Sie unsere neue Migrationspolitik!“
„Moment, ich meinte doch die anderen!“
Tja.
Das Kleingedruckte der Law-and-Order-Politik ist brutal:
Gesetze enthalten häufig keine Checkbox „Gilt nur für Leute, die ich nicht mag“.
Der ICE-Kontrollpunkt im Supermarkt
Besonders spektakulär war Yiannopoulos’ Idee mit den Kontrollpunkten.
ICE an Supermärkten!
ICE an Tankstellen!
ICE an Einkaufszentren!
Ich stelle mir das großartig vor.
Sie wollen Milch kaufen.
„Papiere!“
Sie brauchen Benzin.
„Aufenthaltsstatus!“
Sie möchten bei Walmart einen Toaster zurückgeben.
„Visum, bitte!“
Amerika wäre das einzige Land, in dem der Kauf einer Tiefkühlpizza plötzlich komplizierter wäre als die Beantragung einer Hypothek.
Und nun stellen wir uns Milo selbst an seinem gewünschten Kontrollpunkt vor.
ICE-Beamter:
„Sir, Aufenthaltsnachweis.“
„Ich bin Milo Yiannopoulos.“
„Sehr schön. Aufenthaltsnachweis.“
„Ich unterstütze ICE!“
„Wunderbar. Aufenthaltsnachweis.“
„ICH WILL MILLIONEN ABSCHIEBEN!“
Der Beamte schaut auf seinen Bildschirm.
„Excellent. One down.“
STEMPEL.
Ronald präsentiert den Abschiebungs-Bumerang
Das politische Prinzip dahinter nenne ich den:
MILO-MIGRATIONS-BOOMERANG™
Regel Nummer eins:
Fordere eine maximal harte staatliche Maßnahme.
Regel Nummer zwei:
Gehe davon aus, dass sie selbstverständlich nur andere trifft.
Regel Nummer drei:
Entdecke überrascht, dass Verwaltungsvorschriften deinen Namen lesen können.
Das ist ein verbreitetes politisches Phänomen.
„Härtere Strafen!“
„Auch für mich?“
„Moment!“
„Keine Ausnahmen!“
„Auch keine für mich?“
„Das war metaphorisch gemeint!“
„Sofort abschieben!“
„Ihr Flug geht um 17:40 Uhr.“
„ICH MÖCHTE DEN MANAGER SPRECHEN!“
Die gefährlichste Behörde ist die konsequente Behörde
Und darin steckt die eigentliche Pointe.
Yiannopoulos wollte eine Einwanderungspolitik, bei der Menschen ihren legalen Aufenthaltsstatus jederzeit nachweisen können sollten und andernfalls sofort abgeschoben würden.
Nun wurde sein eigener Aufenthaltsstatus zum Problem.
Das Universum schreibt gelegentlich Satire mit einem sehr dicken Filzstift.
Natürlich ist das rechtlich kein magischer Karma-Vorgang. Entscheidend waren laut DHS sein überzogener Aufenthalt, das versäumte Verfahren und die daraus folgende Ausweisungsverfügung.
Aber satirisch?
Michelin-Stern.
Drei Sterne!
Eine komplette gastronomische Reise wert!
Make Deportation Awkward Again
Ich empfehle deshalb eine neue politische Grundregel:
Bevor Politiker, Aktivisten oder Blogger nach besonders drastischen Gesetzen rufen, müssen sie einen kleinen Fragebogen ausfüllen.
Frage 1: Würden Sie diese Regel akzeptieren, wenn sie Sie selbst betrifft?
☐ Ja
☐ Nein
☐ Ich dachte, wir reden über andere
Wer das dritte Kästchen ankreuzt, erhält automatisch einen Termin bei der Realität.
Milo wollte Millionen abschieben.
Amerika hat angefangen.
Nur möglicherweise nicht in der Reihenfolge, die er sich vorgestellt hatte.
Und irgendwo sitzt nun ein ICE-Beamter, schaut auf die gigantische To-do-Liste und streicht den ersten Namen durch:
1 erledigt.
Noch Millionen und Abermillionen übrig.
Meine Damen und Herren:
Das ist nicht Schadenfreude.
Das ist lediglich die seltene Gelegenheit, einer politischen Forderung dabei zuzusehen, wie sie ihren eigenen Autor am Flughafen abholt.

