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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Ronald Tramp am Flughafen der Eitelkeiten: Landebahn frei für das Terminal Trumpissimo

Grafik: Ronald Tramp landet im Terminal Trumpissimo

Ich habe schon viele Flughäfen gesehen. Manche haben zu wenig Sitzplätze, andere zu wenig Gepäckwagen. Aber nur einer schafft es, Milliarden Liter heiße Luft völlig kostenlos in die Atmosphäre zu blasen. Willkommen am frisch umbenannten Donald J. Trump International Airport – dem einzigen Flughafen, bei dem das Ego schon landet, bevor das Flugzeug überhaupt den Sinkflug beginnt.

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Liebe Leser,

ich dachte eigentlich, ich hätte inzwischen alles erlebt. Flughäfen mit Teppichen aus den Siebzigern. Toiletten, die mehr Verspätung haben als der Flugplan. Rolltreppen, die nur aus nostalgischen Gründen existieren. Doch dann schickte man mich nach Florida.

Nicht irgendein Flughafen.

Nein.

Der Donald J. Trump International Airport.

Zumindest steht das inzwischen auf der Website. Und auf einigen Schildern. Und auf ein paar digitalen Bildschirmen. Der Rest des Flughafens scheint von der Namensänderung allerdings ungefähr genauso überrascht worden zu sein wie die Kofferförderanlage.

Schon bei der Anfahrt fällt auf: Die Autobahnschilder wurden mit beeindruckender Geschwindigkeit ausgetauscht. Wer nach Palm Beach International sucht, fühlt sich inzwischen wie ein Archäologe auf der Suche nach Atlantis.

Doch kaum betritt man das Terminal, beginnt das große Suchspiel.

Hier steht noch "Palm Beach International".

Dort blinkt plötzlich "Donald J. Trump International".

Ein paar Meter weiter scheint sich ein Schild komplett aus der politischen Diskussion herauszuhalten und schweigt einfach.

Ich habe selten einen Flughafen erlebt, der gleichzeitig Vergangenheit, Gegenwart und Ego in einem einzigen Gebäude vereint.

Natürlich erklärte man mir sofort, dass dies alles Teil eines "phasenweisen Umbaus" sei.

Ein wunderbares Wort.

"Phasenweise" bedeutet in Behörden ungefähr: "Irgendwann wird's schon fertig."

Im politischen Sprachgebrauch bedeutet es hingegen: "Das Geld ist ausgegangen."

Und genau da beginnt die eigentliche Komödie.

Die komplette Umbenennung soll rund 5,5 Millionen Dollar kosten.

Vorhanden sind aber nur 2,75 Millionen.

Mit anderen Worten:

Der Flughafen hat exakt genug Geld, um ungefähr die Hälfte seines Egos auszuschildern.

Der Rest bleibt vorerst im Rohbau.

Ich fragte einen Mitarbeiter, ob die fehlenden Schilder später ergänzt würden.

Er schaute kurz nach links, dann nach rechts und antwortete:

"Kommt darauf an, ob irgendwo noch ein Goldrahmen gefunden wird."

Das ist vermutlich die ehrlichste Finanzplanung Floridas.

Besonders faszinierend ist der neue Flughafencode.

PBI verschwindet.

Stattdessen soll künftig DJT verwendet werden.

Ich musste kurz überlegen.

Normalerweise bestehen Flughafencodes aus geografischen Kürzeln.

Jetzt orientieren sie sich offenbar am Monogramm ihres prominentesten Nachbarn.

Ich warte bereits auf weitere Innovationen.

Der Tower meldet künftig vermutlich:

"Wind aus Westen. Sicht gut. Ego unbegrenzt."

Die Gates heißen dann wahrscheinlich:

Gate Gold.

Gate Greatest.

Gate Tremendous.

Und Gate Covfefe.

Natürlich wurde erklärt, dass alles professionell vorbereitet worden sei.

Nur melden sich ausgerechnet Piloten, Luftfahrtexperten und Juristen mit der unverschämten Idee, jahrzehntelang etablierte Codes vielleicht nicht ausschließlich nach Marketinggesichtspunkten zu ändern.

Wie kleinlich.

Wer braucht schon jahrzehntelang etablierte Luftfahrtsysteme, wenn man stattdessen Initialen in Übergröße haben kann?

Ein pensionierter Pilot warnte sogar vor möglicher Verwirrung.

Ich sehe das optimistisch.

Sollte einmal ein Pilot versehentlich am falschen Flughafen landen, kann man das künftig einfach als "alternative Navigation" verkaufen.

Besonders beeindruckt hat mich allerdings die Finanzierung.

Der Bundesstaat bezahlt einen Teil.

Der Landkreis sagt:

"Nicht mit unserem Geld."

Die Flughafenverwaltung erklärt:

"Wir prüfen sämtliche Möglichkeiten."

Übersetzt bedeutet das:

Jeder hofft, dass jemand anderes irgendwann die Rechnung bezahlt.

Ich kenne dieses Modell.

Es heißt Familienfeier.

Währenddessen laufen bereits Gerichtsverfahren.

Die einen bezweifeln die Rechtmäßigkeit.

Die anderen sorgen sich um die Kosten.

Wieder andere fragen sich, warum ein Flughafen plötzlich wie eine Mischung aus Präsidentenbibliothek, Casino und Goldschmuckkatalog aussehen soll.

Ich persönlich hätte noch weitere Ideen.

Wenn schon Größenwahn, dann richtig.

Warum nicht Gepäckwagen mit eingebautem Kronleuchter?

Rollbänder aus poliertem Marmor?

Sicherheitskontrollen, bei denen der Metalldetektor applaudiert?

Oder eine Startbahn, die ausschließlich aus vergoldeten Golfabschlägen besteht?

Ich sehe die Pressemitteilung bereits vor mir:

"Der erste Flughafen, dessen Landebahn heller glänzt als die Sonne."

Selbstverständlich wird jeder Flug persönlich begrüßt.

Nicht durch Lotsen.

Durch lebensgroße goldene Statuen, die jedem Passagier versichern, dass dies der schönste Flughafen aller Zeiten sei.

Ob der Koffer ankommt, ist dagegen eine emotionale Nebensache.

Auch die Beschilderung entwickelt inzwischen ihren ganz eigenen Charme.

Digitale Anzeigen zeigen den neuen Namen.

Alte Schilder den bisherigen.

Temporäre Hinweistafeln erklären den Übergang.

Man läuft praktisch durch eine Zeitreise.

Je nach Flur befindet man sich entweder vor der Umbenennung, während der Umbenennung oder nach der Umbenennung.

Das Einzige, was überall gleich geblieben ist, sind verspätete Flüge.

Tradition muss schließlich erhalten bleiben.

Am meisten beeindruckt mich jedoch die Prioritätensetzung.

Während andernorts Flughäfen über Sicherheit, Infrastruktur oder neue Technik diskutieren, beschäftigt sich dieser Flughafen mit einer wesentlich existenzielleren Frage:

Wie groß darf eigentlich ein Name auf einem Schild werden?

Die Antwort lautet offenbar:

"Ja."

Ich verabschiedete mich schließlich vom Terminal und blickte noch einmal zurück.

Vor mir stand ein Flughafen, der gleichzeitig Palm Beach International, Donald J. Trump International und Baustelle war.

Ein architektonisches Schrödingers Terminal.

Vielleicht ist genau das die Zukunft.

Nicht vollständig umgebaut.

Nicht vollständig finanziert.

Nicht vollständig beschildert.

Aber vollständig überzeugt, bereits der großartigste Flughafen der Welt zu sein.

Ich bestieg meinen Rückflug.

Auf meiner Bordkarte stand noch PBI.

Am Gate hing bereits DJT.

Der Gepäckanhänger sagte etwas ganz anderes.

Und der Pilot verabschiedete sich mit den Worten:

"Meine Damen und Herren, willkommen an Bord. Falls Sie nicht wissen, wo Sie gerade sind – keine Sorge. Der Flughafen arbeitet noch daran."

Ich konnte ihm nur zustimmen.

Selten hat ein Flughafen so eindrucksvoll bewiesen, dass zwischen einer großen Vision und einem fertigen Hinweisschild manchmal genau 2,75 Millionen Dollar fehlen.

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Tags: Mar-a-Lago Flughafen Umbenennung Florida Palm Beach
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