Ein kleiner Formularfehler. Drei Kandidaturen. Zwei Wahlsiege. Eine völlig überforderte Wahlleitung. Ronald Tramp berichtet exklusiv, wie er versehentlich zum Bürgermeister, Vereinsvorsitzenden und Grillkönig aufstieg – und warum selbst die Wahlcomputer schließlich um Urlaub baten.
Liebe Freunde,
es gibt Menschen, die überlegen jahrelang, ob sie überhaupt für ein politisches Amt kandidieren sollen.
Dann gibt es mich.
Ronald Tramp.
Ich wollte eigentlich nur einen Antrag auf kostenlosen Parkplatz beim Rathaus abgeben.
Fünf Minuten später kandidierte ich für drei verschiedene Ämter.
Bis heute weiß niemand, wie das passiert ist.
Am allerwenigsten ich.
Alles begann mit einem Formular
Ihr kennt Behörden.
Man bekommt einen Stapel Papier.
Drei Kugelschreiber.
Vier Durchschläge.
Fünf Stempel.
Und irgendwo steht in Schriftgröße 4:
"Mit Ihrer Unterschrift kandidieren Sie möglicherweise für mehrere öffentliche Ämter."
Natürlich habe ich unterschrieben.
Ich unterschreibe grundsätzlich alles, solange daneben ein Kaffee steht.
Plötzlich sagte die Sachbearbeiterin:
"Herzlichen Glückwunsch."
Ich fragte:
"Wofür?"
Sie antwortete:
"Sie kandidieren jetzt."
Ich fragte:
"Für was?"
Sie blätterte.
"Noch einen Moment..."
Sie blätterte weiter.
"...offenbar für alles."
Die Presse dreht durch
Am nächsten Morgen lauteten die Schlagzeilen:
"Ronald Tramp kandidiert für Bürgermeister."
Fünf Minuten später:
"Ronald Tramp will Vorsitzender des Kaninchenzuchtvereins werden."
Zehn Minuten später:
"Ronald Tramp tritt überraschend als Grillplatzbeauftragter an."
Ich wusste gar nicht, dass es dieses Amt überhaupt gibt.
Aber plötzlich hatte ich Wahlplakate.
Mein Wahlkampf
Andere Kandidaten versprechen Steuersenkungen.
Ich versprach bessere Parkplätze.
Mehr Bratwurst.
Kostenloses WLAN.
Und dass jeder Bürger mindestens einmal pro Woche behaupten dürfe:
"Das hätte ich besser gemacht."
Die Menschen waren begeistert.
Zumindest jene, die gerade Würstchen grillten.
Das TV-Duell
Das Fernsehen lud alle Kandidaten ein.
Neben mir saßen:
Ein Bürgermeister.
Ein Vereinspräsident.
Ein Grillweltmeister.
Nach zwanzig Minuten wusste niemand mehr, wer für welches Amt kandidierte.
Ich erklärte versehentlich mein Verkehrskonzept für den Kaninchenstall.
Der Grillkönig versprach den Ausbau des ÖPNV.
Der Bürgermeister diskutierte leidenschaftlich über Holzkohle.
Die Moderatorin kündigte anschließend ihren Beruf.
Donald Trump ruft an
Plötzlich klingelte mein Telefon.
Donald Trump.
"Ronald."
"Ja?"
"Großartig."
"Wieso?"
"Du kandidierst gleichzeitig für drei Ämter."
"War keine Absicht."
"Genau deshalb ist es genial."
"Ich wollte eigentlich nur..."
"Perfekt! Große Politiker planen nichts. Sie gewinnen einfach."
Ich glaube, das Gespräch dauerte nur zwei Minuten.
Gefühlt war ich danach allerdings Ehrenpräsident von irgendetwas.
Der Wahltag
Dann wurde gewählt.
Niemand verstand den Stimmzettel.
Neben meinem Namen standen drei Kästchen.
Einige Wähler machten überall Kreuze.
Andere malten Herzen.
Einer schrieb:
"Ich nehme Ronald komplett."
Juristen bekamen sofort Kopfschmerzen.
Die Auszählung
Im Wahllokal herrschte Chaos.
Wahlhelfer Nummer eins fragte:
"Welche Ronald-Stimmen gehören zum Bürgermeister?"
Wahlhelfer Nummer zwei:
"Welche zum Grill?"
Wahlhelfer Nummer drei:
"Warum kandidiert Ronald überhaupt für den Kaninchenverein?"
Niemand wusste es.
Selbst das Wahlprogramm war inzwischen verschwunden.
Das unfassbare Ergebnis
Dann die Sensation.
Ich gewann.
Nicht einmal.
Sondern zweimal.
Niemand konnte erklären, weshalb.
Selbst der Wahlcomputer druckte lediglich:
"Bitte wenden Sie sich an den Hersteller."
Die Amtseinführung
Am Montag erhielt ich zwei goldene Amtskettchen.
Drei Schlüssel.
Vier Diensthandys.
Sieben Passwörter.
Elf Kalender.
Und einen Ordner mit der Aufschrift:
"Bitte keinesfalls gleichzeitig verwenden."
Ich hielt mich selbstverständlich nicht daran.
Mein erster Arbeitstag
08:00 Uhr.
Bürgermeistersprechstunde.
08:15 Uhr.
Mitgliederversammlung des Kaninchenvereins.
08:30 Uhr.
Eröffnung des Stadtgrillfestes.
Um 09:00 Uhr wusste ich nicht mehr, ob ich gerade einen Haushalt verabschiedete oder Marinade diskutierte.
Das erste Regierungsproblem
Plötzlich stand ein Bürger vor mir.
"Unser Kaninchen braucht einen neuen Parkplatz."
Ich antwortete:
"Kein Problem."
Kurz darauf stellte sich heraus, dass er eigentlich einen Kindergarten meinte.
So entstehen Missverständnisse.
Die Opposition
Meine politischen Gegner waren empört.
"Das ist unmöglich!"
"Das ist rechtswidrig!"
"Das ist organisatorisch nicht vorgesehen!"
Ich antwortete ganz ruhig:
"Vielleicht."
"Aber offenbar demokratisch."
Daraufhin begann ein Ausschuss.
Deutschland liebt Ausschüsse.
Ronald Tramps Verwaltungsreform
Ich stellte sofort meine Agenda vor.
- Sitzungen grundsätzlich beim Grillen.
- Wahlzettel mit größeren Buchstaben.
- Formulare maximal eine Seite.
- Behördenkaffee verpflichtend trinkbar.
- Kaninchen erhalten beratenden Beobachterstatus.
- Parkplatzsuche wird olympische Disziplin.
Die Bevölkerung applaudierte.
Zumindest der Teil, der gerade Würstchen bekam.
Das Gutachten
Wochen später erschien ein 842 Seiten langes Rechtsgutachten.
Ergebnis:
"Es ist äußerst unwahrscheinlich."
Mehr stand eigentlich nicht drin.
Dafür kostete das Gutachten ungefähr so viel wie ein kleines Rathaus.
Bis heute weiß niemand, wie ich gleichzeitig für drei Ämter kandidieren konnte.
Noch weniger versteht jemand, warum ich zwei davon gewann.
Ich selbst habe eine einfache Erklärung:
Wenn man lange genug Formulare ausfüllt, gewinnt irgendwann irgendjemand.
In diesem Fall war ich es.
Donald Trump schrieb mir anschließend eine Nachricht:
"Ronald, großartig. Drei Ämter sind gut. Vier wären besser gewesen. Arbeite daran."
Ich arbeite bereits daran.
Allerdings werde ich künftig jedes Formular vorher lesen.
Zumindest die Überschrift.

