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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Acht KI-Agenten gegen Taiwan: Cyber-Claw greift an

Grafik: Acht KI-Hacker gegen Taiwan

Taiwan meldet einen neuartigen Cyberangriff: Bis zu acht autonome KI-Agenten sollen gleichzeitig Behörden, Energiefirmen und Regierungskonten attackiert haben. Ronald Tramp erklärt, warum Hacker bald nur noch den Einschaltknopf drücken müssen – und weshalb ausgerechnet „Open Claw“ klingt wie eine Mischung aus Cyberwaffe, Krabbenrestaurant und schlecht gelauntem Bürotier.

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Meine Damen und Herren, wir erleben gerade einen historischen Moment. Einen schrecklichen Moment, selbstverständlich, aber auch einen technisch sehr fortschrittlichen. Früher musste ein Hacker noch selbst hacken. Er saß nachts in einem Keller, trug einen schwarzen Kapuzenpullover und tippte so schnell auf seiner Tastatur, dass in jedem Fernsehfilm automatisch grüner Programmcode über drei Monitore raste. Heute hingegen drückt der Hacker einen Knopf, öffnet eine Tüte Chips und lässt acht KI-Agenten die Arbeit erledigen.

Das ist Fortschritt. Beängstigender Fortschritt. Vielleicht der effizienteste Fortschritt, den wir jemals gesehen haben.

Taiwan hat einen „ungewöhnlichen Angriff“ auf staatliche Institutionen und Unternehmen bestätigt. Und wenn ein Digitalministerium das Wort „ungewöhnlich“ benutzt, bedeutet das ungefähr dasselbe, wie wenn ein Kapitän auf der Titanic sagt: „Im Bereich des Unterdecks besteht eine gewisse Feuchtigkeitsabweichung.“

Seit dem 20. Juli seien Warnungen herausgegeben, Untersuchungen gestartet und Gegenmaßnahmen eingeleitet worden. Das klingt sehr beruhigend. Warnungen sind wichtig. Untersuchungen sind ebenfalls wichtig. Und Gegenmaßnahmen sind ganz besonders wichtig, weil „Wir haben hektisch alle Stecker gezogen“ in einer offiziellen Pressemitteilung einfach nicht staatstragend genug klingt.

Die Angreifer sollen manuelle Methoden mit KI-Agenten wie „Open Claw“ kombiniert haben. Open Claw! Was für ein Name. Niemand nennt ein friedliches Textverarbeitungsprogramm „Open Claw“. Das klingt nach einer metallischen Kralle, die nachts aus dem Laptop wächst, die Personalakte kopiert und anschließend noch den Bürokühlschrank plündert.

Sehr aggressiv. Sehr digital. Wahrscheinlich auch kostenlos auf GitHub erhältlich.

Laut dem israelischen Cybersicherheitsunternehmen Dream bauten die Angreifer aus frei verfügbaren KI-Agenten ein weitgehend autonom arbeitendes Angriffswerkzeug. Das System habe sich wie ein koordiniertes Hackerteam verhalten. Ein echtes Team – nur ohne Urlaubsanträge, Betriebsrat, Kaffeepausen und die obligatorische Videokonferenz, in der ein Agent fünfzehn Minuten lang fragt: „Könnt ihr mich hören?“

Bis zu acht KI-Agenten seien gleichzeitig im Einsatz gewesen. Acht! Einer suchte nach Schwachstellen, einer knackte Passwörter, einer analysierte die Netzwerke, einer änderte die Vorgehensweise, und vermutlich saßen die übrigen vier in einem virtuellen Meeting und erstellten eine PowerPoint-Präsentation darüber, warum der Angriff leider noch mehr Ressourcen benötigt.

So funktioniert moderne Verwaltung. Auch bei künstlicher Intelligenz.

Vier Tage lang sollen die Agenten 21 Netzwerke staatlicher Stellen erfasst und nach Sicherheitslücken gesucht haben. Wenn sie auf Widerstand stießen, änderten sie selbstständig ihre Strategie. Das ist bemerkenswert. Viele echte Behörden ändern ihre Strategie nicht einmal dann, wenn das Gebäude brennt, der Serverraum unter Wasser steht und der Hausmeister mit einem Megafon „Wir sollten vielleicht etwas anders machen!“ ruft.

Die KI dagegen lernt sofort. Ein Zugang funktioniert nicht? Neue Methode. Eine Firewall blockiert? Neue Route. Ein Administrator ändert das Passwort von „Taiwan123“ auf „Taiwan123!“? Herausforderung angenommen!

Mindestens 85 Regierungskonten sollen geknackt und mehr als 2.500 Personaldatensätze gestohlen worden sein. Das ist eine gewaltige Menge. Namen, Stellen, Kontaktdaten, möglicherweise Zuständigkeiten – wobei Zuständigkeiten in Behörden traditionell so kompliziert sind, dass selbst eine Superintelligenz nach drei Stunden verzweifelt meldet: „Bitte wenden Sie sich an Zimmer 214, Sprechzeiten dienstags von 9.07 bis 9.13 Uhr.“

Auch Taiwans Atomaufsicht und mindestens sieben Energieunternehmen seien ins Visier geraten. Das ist der Punkt, an dem „ungewöhnlich“ langsam durch „alarmierend“ ersetzt werden darf. Wenn eine KI bei einem Energieversorger herumstöbert, sucht sie nämlich wahrscheinlich nicht nach dem günstigsten Ökostromtarif.

Das Digitalministerium verriet weder, welche Behörden genau betroffen waren, noch ob Daten gestohlen wurden. Eine klassische Sicherheitskommunikation: Es ist etwas passiert, aber wir sagen nicht wo. Es könnte etwas fehlen, aber wir sagen nicht was. Die Maßnahmen sind abgeschlossen, aber wir sagen nicht welche. Damit weiß die Öffentlichkeit praktisch nichts – allerdings auf einer sehr professionell formatierten Internetseite.

Wer steckt hinter dem Angriff? Hier beginnt der internationale Cyberkrimi.

Dream ordnete die Attacke keiner bestimmten Hackergruppe zu. Allerdings seien in der internen Kommunikation vereinfachte chinesische Schriftzeichen gefunden worden. Das deute mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einen Betreiber mit Verbindungen zur Volksrepublik China hin.

Vielleicht. Möglicherweise. Mit hoher Wahrscheinlichkeit. Das sind die drei heiligen Formulierungen der Cyberforensik. Denn im Internet kann jeder alles hinterlassen. Ein chinesisches Schriftzeichen kann ein Hinweis sein. Es kann aber auch eine falsche Fährte sein. Oder ein Hacker hat versehentlich die Spracheinstellung seines KI-Agenten geändert und anschließend vier Stunden lang versucht herauszufinden, wo sich der Menüpunkt „Deutsch“ versteckt.

China wurde von Taiwan in der offiziellen Mitteilung nicht erwähnt. Das ist diplomatisch klug. Man zeigt nicht sofort mit dem Finger auf einen mächtigen Nachbarn, der die eigene Insel für einen Teil seines Staatsgebiets hält und eine Vereinigung notfalls mit militärischer Gewalt durchsetzen möchte. Man sagt zunächst nur: „Es kam zu technischen Auffälligkeiten.“ Dann erhöht man die Firewall. Danach überprüft man die Bunker.

Ich, Ronald Tramp, sehe hier allerdings noch eine viel größere Entwicklung: Wir befinden uns am Beginn der vollautomatischen Cyberkriminalität.

Bisher musste ein Cyberangriff sorgfältig geplant werden. Menschen mussten Ziele auswählen, Schwachstellen testen, Zugangsdaten sammeln und ihre Spuren verwischen. Das erforderte Kenntnisse, Geduld und erstaunlich viele koffeinhaltige Getränke. Jetzt können autonome Agenten einen Großteil dieser Arbeit übernehmen. Der menschliche Angreifer wird vom Hacker zum Manager.

Er sitzt nicht mehr am Computer und programmiert. Er steht vor einem digitalen Organigramm und sagt: „Agent Eins, du machst die Passwörter. Agent Zwei, du kümmerst dich um die Energieunternehmen. Agent Drei, du schreibst den Abschlussbericht. Und Agent Vier übernimmt die Schuld, falls jemand fragt.“

Eine fantastische Führungsstruktur. Viele Unternehmen träumen davon.

Natürlich versprechen uns die Technikexperten, dass KI-Agenten auch zur Verteidigung eingesetzt werden können. Dann kämpfen gute KI-Agenten gegen böse KI-Agenten. Die eine Seite sucht automatisch nach Sicherheitslücken, die andere schließt sie automatisch. Danach suchen die Angreifer neue Lücken, worauf die Verteidiger neue Updates installieren. Irgendwann führen Millionen Programme einen Hochgeschwindigkeitskrieg, während die Menschen danebenstehen und hoffen, dass niemand versehentlich das WLAN-Passwort ändert.

Vielleicht verhandeln die Agenten sogar miteinander.

„Wir würden gern Ihre Daten stehlen.“

„Zugriff verweigert.“

„Wir bieten Ihnen dafür drei gestohlene Zugangsdaten und einen Gutschein.“

„Angebot wird geprüft.“

„Bitte akzeptieren Sie unsere Cookies.“

Am Ende hat niemand mehr eine Ahnung, wer wen angegriffen hat. Die Angriffs-KI beschuldigt die Verteidigungs-KI, die Verteidigungs-KI erstellt einen Bericht, eine dritte KI fasst den Bericht falsch zusammen, und eine vierte KI schreibt darüber einen LinkedIn-Beitrag mit dem Titel: „Fünf Dinge, die mich ein massiver Cyberangriff über Leadership gelehrt hat.“

Der Vorfall in Taiwan zeigt deshalb vor allem eines: Die Zukunft des Hackens ist skalierbar, automatisiert und vermutlich hervorragend dokumentiert. Acht Agenten heute, achtzig morgen, achttausend nächste Woche. Sie brauchen keinen Schlaf, keine Motivation und keinen fragwürdigen Energydrink mit Geschmack „Radioaktive Mango“.

Und wir Menschen? Wir verteidigen uns weiterhin mit verpflichtenden Passwortwechseln, Sicherheitsunterweisungen und E-Mails, in denen steht: „Bitte klicken Sie nicht auf verdächtige Links.“

Das wird großartig funktionieren. Wirklich großartig.

Bis ein KI-Agent die Warnmail schreibt, ein anderer sie fälscht und ein dritter automatisch auf den Link klickt.

Willkommen im Cyberkrieg der Zukunft. Die Maschinen arbeiten rund um die Uhr – und der Hacker hat endlich Wochenende.

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Tags: Hacker Cyberangriff China Cybersicherheit KI-Agenten Taiwan OpenClaw
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