Ein Hacker löscht angeblich die gesamte Grundbuchdatenbank Rumäniens – und plötzlich weiß niemand mehr, wem welches Haus gehört. Ronald Tramp berichtet exklusiv über den wohl größten digitalen Umzug ohne Kartons und warum sogar Parkplätze plötzlich Identitätskrisen bekommen.
Liebe Freunde,
ich dachte immer, das Grundbuch sei eine der sichersten Erfindungen der Menschheit.
Es liegt irgendwo.
In einem Amt.
Hinter einer Tür.
Hinter einer weiteren Tür.
Dann noch hinter drei Formularen.
Und schließlich hinter einer Mitarbeiterin, die grundsätzlich erst nach der Nummer zieht, obwohl gar kein Automat vorhanden ist.
Kurz gesagt:
Unbezwingbar.
Dann kam ein Hacker.
Und plötzlich wusste offenbar niemand mehr, wem eigentlich welches Grundstück gehört.
Ich musste sofort recherchieren.
Denn Ronald Tramp kennt sich mit Katastrophen aus.
Zumindest mit satirischen.
Der Hacker betritt das Rathaus
Alles begann erstaunlich unspektakulär.
Der Angreifer soll sich mit gültigen Zugangsdaten angemeldet haben.
Ich wiederhole:
Mit gültigen Zugangsdaten.
Nicht mit Laserkanonen.
Nicht mit Geheimagenten.
Nicht mit einem USB-Stick aus einem Actionfilm.
Sondern offenbar mit Benutzername und Passwort.
Das ist ungefähr so, als würde jemand in Fort Knox klingeln und der Wachmann sagen:
"Ach, Sie kennen das Passwort? Dann kommen Sie doch herein."
Ronald besucht das Grundbuchamt
Ich wollte mir selbst ein Bild machen.
Die Eingangstür war geschlossen.
Ein Schild hing davor.
"Vorübergehend offline."
Ich fragte einen Beamten:
"Wem gehört eigentlich dieses Gebäude?"
Er schaute mich lange an.
Dann sagte er:
"Das versuchen wir gerade herauszufinden."
Das große Immobilien-Lotto
Stellt euch das einmal vor.
Ihr wacht morgens auf.
Schaut aus dem Fenster.
Und plötzlich fragt euch der Nachbar:
"Entschuldigung... gehört dieses Haus eigentlich Ihnen oder inzwischen mir?"
Ihr antwortet:
"Keine Ahnung."
"Fragen wir den Notar."
Der Notar antwortet:
"Ich würde gern. Aber ich weiß gerade selbst nicht, wo mein Notariat offiziell steht."
ByteToBreach schlägt zu
Der Hacker trug den beeindruckenden Namen ByteToBreach.
Das klingt ungefähr wie der Endgegner eines Computerspiels.
Oder wie ein besonders aggressiver WLAN-Router.
Ich hätte allerdings einen ehrlicheren Namen vorgeschlagen:
Ctrl+Alt+Desaster.
Die Erpressung
Angeblich wollte der Täter Geld.
Als das nicht funktionierte, soll er gedacht haben:
"Dann lösche ich eben alles."
Das erinnert an jemanden, der beim Monopoly verliert und anschließend den Spielplan isst.
Ronald Tramps Datensicherung
Ich fragte einen IT-Experten:
"Haben Sie Backups?"
Er antwortete:
"Ja."
"Mehrere?"
"Ja."
"Funktionieren sie?"
"...das prüfen wir gerade."
Ich bekam plötzlich das starke Bedürfnis, sämtliche Festplatten in meinem Keller zu umarmen.
Das Chaos beginnt
Plötzlich stand der Immobilienmarkt still.
Keine Verkäufe.
Keine Grundbuchauszüge.
Keine Eigentumsnachweise.
Notare saßen vermutlich schweigend vor ihren Computern und hofften, dass sich die Daten durch gutes Zureden wieder materialisieren.
Die Pressemitteilung
Die Behörde erklärte:
"Unsere Systeme werden derzeit neu installiert."
Das klingt erstaunlich harmlos.
Fast so, als würde man nach einem Vulkanausbruch sagen:
"Der Boden wird momentan etwas wärmer."
Ronald hilft
Ich bot selbstverständlich meine Unterstützung an.
Mein Vorschlag:
Man fragt einfach jeden Bürger:
"Wem gehört Ihr Haus?"
Wer zuerst antwortet:
"Mir."
bekommt einen Punkt.
Wer zusätzlich den Haustürschlüssel besitzt, bekommt zwei.
Wer den Keller findet, gewinnt.
Die neue Eigentumsordnung
Es dauerte nicht lange, bis absurde Situationen entstanden.
Ein Mann behauptete:
"Das Schloss gehört meiner Familie."
Ein anderer sagte:
"Ich wohne dort seit gestern."
Ein Dritter erklärte:
"Ich habe Google Maps gefragt."
Plötzlich wirkte selbst Monopoly wie ein juristisches Meisterwerk.
Ronald entdeckt das neue Geschäftsmodell
Ein Makler erklärte:
"Dieses Haus könnte Ihnen gehören."
"Könnte?"
"Vielleicht."
"Gibt es Unterlagen?"
"Leider nein."
"Dafür eine schöne Aussicht."
Immobilienanzeigen wurden plötzlich äußerst kreativ.
Die digitale Archäologie
IT-Experten suchten inzwischen überall nach Daten.
Auf Servern.
Auf Sicherungskopien.
Auf alten Festplatten.
Wahrscheinlich sogar in der berühmten Schublade mit der Aufschrift:
"Sonstiges."
Ich bin überzeugt, irgendwann fragte jemand:
"Hat eigentlich noch jemand einen USB-Stick von 2018?"
Ronald Tramps Cyberratgeber
Ich hätte einige einfache Sicherheitsmaßnahmen vorgeschlagen.
- Passwort nicht "Passwort123".
- Backups testen.
- Backups der Backups testen.
- Administratoren nicht alles gleichzeitig löschen lassen.
- Kaffeemaschine niemals ans Behördennetz anschließen.
- Den Praktikanten nicht zum Sicherheitsbeauftragten ernennen, nur weil er "schon mal einen Router neu gestartet" hat.
Die Wiederherstellung
Die Behörde erklärte später, selbstverständlich existierten mehrere Sicherungskopien.
Das beruhigte mich.
Ein wenig.
Etwa so sehr wie die Aussage:
"Das Schiff hat mehrere Rettungsboote."
Während man bereits hüfthoch im Wasser steht.
Ronalds Exklusivinterview
Ich fragte einen Bürger:
"Wie fühlen Sie sich?"
Er antwortete:
"Ich hoffe einfach, dass mein Wohnzimmer nach der Wiederherstellung noch an derselben Stelle steht."
Das erschien mir überraschend vernünftig.
Der Vorfall zeigt vor allem eines:
Cybersicherheit ist längst keine technische Spielerei mehr.
Wenn zentrale Register ausfallen, geraten ganze Verwaltungsabläufe ins Stocken – vom Immobilienmarkt bis zum Eigentumsnachweis.
Zum Glück arbeitet die Behörde nach eigenen Angaben an der Wiederherstellung der Systeme und verweist darauf, dass mehrere Sicherungskopien vorhanden seien.
Bis dahin bleibt allerdings eine bemerkenswerte Situation bestehen:
Millionen Quadratmeter Land sind zwar physisch noch genau dort, wo sie gestern waren.
Nur die Computer müssen erst wieder herausfinden...
...wem sie eigentlich gehören.
Und ich bin sicher:
Sollte Ronald Tramp jemals das digitale Grundbuch verwalten, gäbe es mindestens drei Backups.
Eins im Rechenzentrum.
Eins im Tresor.
Und eins ausgedruckt, laminiert und bei Oma im Wohnzimmerschrank – direkt neben den guten Tischdecken.

