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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Angela Merkel wird offiziell zum Wandobjekt der Republik!

Grafik: Ronald Tramp: Merkel zieht an die Wand: Merkel zieht an die Wand

Angela Merkel zieht endgültig in die Geschichte ein – oder genauer gesagt: an die Wand. Ronald Tramp war bei der Enthüllung des Kanzlerporträts dabei und deckt auf, warum Gemälde inzwischen die langlebigsten Politiker Deutschlands sind.

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Meine Damen und Herren...

Es ist ein großer Tag für Deutschland.

Nicht wegen einer Wahl.

Nicht wegen einer Reform.

Nicht wegen einer Steuersenkung – die wäre ohnehin Science-Fiction.

Nein.

Heute bekommt Angela Merkel ihren festen Platz...

...an der Wand.

Und ich sage Ihnen:

Kaum hängt man in Deutschland lange genug im Kanzleramt herum, hängt man irgendwann auch im Flur.

Das ist praktisch das natürliche Rentensystem der Bundeskanzler.

Früher regiert.

Später gerahmt.

Fantastisch.

Angela Merkel selbst soll gesagt haben:

"Da häng ich dann eben."

Meine Damen und Herren...

Das ist vermutlich der deutscheste Satz aller Zeiten.

Kein Pathos.

Kein Feuerwerk.

Keine dramatische Musik.

Einfach:

"Na gut."

So kann wirklich nur jemand reagieren, der sechzehn Jahre lang Pressekonferenzen überlebt hat.

Ich war selbstverständlich vor Ort.

Im Museum herrschte große Spannung.

Journalisten.

Kameraleute.

Kunstkritiker.

Politiker.

Und mindestens fünf Menschen, die ausschließlich wegen des kostenlosen Sekts erschienen waren.

Dann fiel das Tuch.

Das Bild erschien.

Und plötzlich begann Deutschlands zweitliebste Freizeitbeschäftigung.

Nicht Fußball.

Nicht Grillen.

Nein.

Gemälde analysieren.

Innerhalb von drei Minuten entstanden vermutlich bereits 47 Expertenmeinungen.

"Der Blauton symbolisiert Stabilität."

"Nein, Melancholie."

"Nein, den Himmel über der Großen Koalition."

Irgendjemand findet immer eine tiefere Bedeutung.

Besonders bemerkenswert:

Die berühmte Merkel-Raute fehlt.

Keine Raute.

Gar keine.

Ich stelle mir vor, wie Tausende Deutsche sofort irritiert vor dem Bild stehen.

"Moment..."

"Irgendetwas stimmt hier nicht."

"Die Hände!"

"Wo sind die Hände?"

Das ist ungefähr so, als würde man Karl Lagerfeld ohne Sonnenbrille malen.

Oder Udo Lindenberg ohne Hut.

Oder Ronald Tramp ohne Mikrofon.

Man erkennt die Person zwar...

...aber das Gehirn protestiert.

Natürlich wird erwähnt, Merkel sehe auf dem Bild ein wenig mitgenommen aus.

Mitgenommen?

Nach sechzehn Jahren Kanzleramt?

Meine Damen und Herren...

Das wäre vermutlich die freundlichste Untertreibung des Jahrhunderts.

Wer sechzehn Jahre lang gleichzeitig Opposition, Regierung, EU-Gipfel, Krisen, Koalitionen und Pressekonferenzen überlebt, darf auf einem Gemälde ruhig aussehen, als hätte er einmal zu oft den Bundeshaushalt gelesen.

Gemalt wurde das Werk übrigens von einem jungen Künstler.

28 Jahre alt.

Das finde ich großartig.

Während andere mit 28 versuchen, ihre Steuererklärung zu verstehen...

...malt dieser Mann gleich ehemalige Bundeskanzler.

Karriere kann so unterschiedlich verlaufen.

Ich stelle mir das erste Treffen vor.

Der Künstler fragt:

"Wie möchten Sie dargestellt werden?"

Merkel antwortet wahrscheinlich:

"Ach... machen Sie einfach."

Diese Gelassenheit muss man erst einmal besitzen.

Andere Menschen diskutieren stundenlang über Bewerbungsfotos.

Eine ehemalige Kanzlerin sagt:

"Da häng ich dann eben."

Das nenne ich Vertrauen.

Natürlich bekommt das Gemälde später seinen Platz in der berühmten Kanzlergalerie.

Dort hängen bereits alle früheren Regierungschefs.

Ich stelle mir vor, was nachts passiert.

Sobald der letzte Mitarbeiter das Kanzleramt verlässt...

...beginnt die Galerie zu leben.

Konrad Adenauer räuspert sich.

Helmut Schmidt zündet imaginär eine Zigarette an.

Helmut Kohl erzählt von Europa.

Gerhard Schröder überprüft seinen Krawattenknoten.

Und Angela Merkel blickt ruhig in die Runde.

"Wir schaffen das."

Selbst als Gemälde.

Fantastisch.

Ich fordere deshalb technische Innovation.

Jedes Kanzlerporträt erhält künftig künstliche Intelligenz.

Besucher drücken einen Knopf.

Das Bild beginnt zu sprechen.

Bei Merkel antwortet es auf jede Frage:

"Wir müssen das vom Ende her denken."

Bei Helmut Schmidt erscheint Nebel.

Bei Schröder öffnet sich automatisch ein Lobbyregister.

Und bei jedem Regierungschef läuft zunächst eine Koalitionssimulation.

Das wäre wenigstens modernes Museum.

Natürlich diskutieren Kunstkritiker sofort über Stil, Farben und Symbolik.

Ich dagegen stelle die wirklich wichtigen Fragen.

Wer staubt die Bilder eigentlich ab?

Gibt es einen offiziellen Bundesrahmenbeauftragten?

Existiert eine DIN-Norm für ehemalige Kanzler?

Und was passiert, wenn eines Tages kein Platz mehr an der Wand ist?

Braucht Deutschland dann einen Kanzler-Anbau?

Oder wird digitalisiert?

Vielleicht hängt in Zukunft nur noch ein QR-Code.

Das wäre sehr deutsch.

Doch die eigentliche Pointe steckt in Merkels Satz.

"Es ist komisch, wenn man langsam Geschichte wird."

Ja.

Das stimmt.

Politik ist vergänglich.

Schlagzeilen verschwinden.

Regierungen wechseln.

Debatten enden.

Doch irgendwann bleibt ein Bild.

Ein Rahmen.

Und Menschen, die Jahrzehnte später davor stehen und fragen:

"Wie war das damals eigentlich?"

Genau deshalb haben solche Porträts ihren Platz.

Nicht als Heldenverehrung.

Sondern als Erinnerung daran, dass jede politische Epoche irgendwann Teil der Geschichte wird.

Ich bin Ronald Tramp.

Und ich sage Ihnen:

Falls Deutschland irgendwann auch mich porträtiert...

...bitte mit Sonnenbrille.

Mit Mikrofon.

Und mit einem Rahmen, der groß genug ist...

...für sämtliche Schlagzeilen, die ich bis dahin noch produzieren werde.

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Tags: Angela Merkel Berlin Kunst Geschichte Porträt Bode-Museum Kanzlergalerie
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