Waldbrand, Trockenheit und plötzlich heißt es im Main-Kinzig-Kreis: möglichst nicht duschen! Ronald Tramp untersucht Hessens kurze Hygienekrise, verzweifelte Gartenbesitzer und die strategische Bedeutung des Deodorants.
Meine Damen und Herren, liebe Hessen, liebe Gartenbesitzer und besonders liebe Menschen, die morgens normalerweise länger unter der Dusche stehen als manche Bundesregierung im Amt:
Deutschland hatte kurzzeitig einen neuen Luxusartikel.
Wasser.
Nicht Champagner. Nicht Kaviar. Nicht eine bezahlbare Wohnung in Frankfurt.
Wasser!
Ich bin Ronald Tramp, international anerkannter Krisenreporter, Duschstratege und vermutlich einer der saubersten investigativen Journalisten Europas. Und im Main-Kinzig-Kreis geschah etwas, das jeden Deutschen bis ins Mark erschüttern musste:
Die Behörden baten die Bevölkerung sinngemäß:
Bitte möglichst nicht duschen.
Unfassbar.
Deutschland, wir müssen reden.
Ein Land, das jahrzehntelang über Energiesparen, Wassersparen, Mülltrennung und die korrekte Entsorgung von Joghurtdeckeln diskutiert hat, erreichte plötzlich die höchste Stufe ökologischer Eskalation:
Achseln für die Allgemeinheit.
Willkommen in der Nationalen Duschreserve
Betroffen waren unter anderem Freigericht, Bruchköbel sowie Langenselbold und Umgebung.
Dort sollten die Menschen ihren Wasserverbrauch vorübergehend auf das absolut Notwendigste reduzieren.
Duschen?
Möglichst nicht.
Baden?
Auf keinen Fall.
Garten bewässern?
Vergessen Sie es.
Wasserintensive Tätigkeiten?
Nur wenn Sie glaubhaft erklären können, warum Sie ausgerechnet jetzt Ihre private Elefantenwaschanlage betreiben müssen.
Das ist Krisenmanagement auf deutschem Premium-Niveau.
Ich stelle mir vor, wie am Montagabend irgendwo in Hessen ein Mann mit Shampoo im Haar unter der Dusche stand, als auf seinem Smartphone die Warnung erschien.
„Bitte verzichten Sie möglichst auf Duschen.“
Und plötzlich stand Dieter aus Bruchköbel da.
Nackt.
Eingeschäumt.
Patriotisch verwirrt.
„GILT DAS AB JETZT?!“
Seine Frau draußen:
„Dieter! Wasser aus! Für Hessen!“
Dieter:
„ICH HABE CONDITIONER DRIN!“
Große Opfer wurden gebracht.
Schuld war allerdings ein sehr ernster Hintergrund
Der Grund für die Warnung war kein Behördenexperiment zur Frage, wie lange eine deutsche Kleinstadt ohne Duschgel gesellschaftlich stabil bleibt.
Bei Rodenbach brannte eine große Waldfläche. Rund 55 Hektar waren betroffen. Die Feuerwehr benötigte entsprechend viel Löschwasser, während gleichzeitig die wochenlange Trockenheit die regionale Wasserversorgung belastete.
Das ist selbstverständlich ernst.
Feuerwehrleute kämpfen gegen einen Waldbrand, und wenn dafür Wasser benötigt wird, hat die morgendliche Wellnessdusche natürlich geringfügig weniger Priorität als ein brennender Wald.
Sogar Ronald versteht das.
Meistens.
Aber die Vorstellung einer ganzen Region, die kollektiv vor dem Badezimmer steht und fragt:
„Bin ich heute wirklich dreckig genug?“
… besitzt trotzdem enormes satirisches Potenzial.
Die neue hessische Duschverordnung
Ich fordere deshalb für zukünftige Situationen ein klares System.
Die Hessische Duschampel.
Grün:
Duschen erlaubt.
Gelb:
Maximal drei Minuten.
Orange:
Nur wichtige Körperregionen.
Rot:
Deodorant und Hoffnung.
Dunkelrot:
Homeoffice verpflichtend.
Denn spätestens nach drei Tagen ohne Dusche wird aus Wassersparen automatisch Bevölkerungsschutz.
Dann braucht man Sicherheitsabstände.
„Warum ist die Straße gesperrt?“
„Waldbrand?“
„Nein. Wolfgang kommt vom Joggen.“
Gartenbesitzer erleben den Ausnahmezustand
Besonders dramatisch dürfte die Situation für Gartenbesitzer gewesen sein.
Der deutsche Garten ist kein Grundstück.
Er ist eine Weltanschauung.
Wenn ein Deutscher seinen Rasen morgens betrachtet und irgendwo einen gelben Halm entdeckt, löst das ungefähr dieselbe Alarmstufe aus wie ein Druckverlust in einem Atomkraftwerk.
„HELGA!“
„Was ist?!“
„RASEN!“
„Was ist mit ihm?!“
„STELLE 17-B IST NICHT MEHR GRÜN!“
Normalerweise wird sofort der Rasensprenger aktiviert.
Zwölf Liter Wasser pro Minute.
Drei Stunden.
Damit ein Quadratmeter Gras aussieht wie das Trainingsgelände von Bayern München.
Doch plötzlich sagte der Landkreis:
Nein.
Und tausende Gartenschläuche lagen nutzlos herum.
Rasenflächen mussten erstmals lernen, mit der Realität zurechtzukommen.
Ein brutaler Moment.
Der deutsche Wassersparmeister
Natürlich gibt es immer diesen einen Nachbarn.
Sie kennen ihn.
Die Behörde sagt:
„Bitte Wasser sparen.“
Und dieser Mann beginnt sofort eine persönliche Olympiade.
Er duscht nicht.
Er badet nicht.
Er spült nur noch jeden dritten Teller.
Regenwasser wird gesammelt.
Nudelwasser archiviert.
Kartoffelwasser bekommt eine Inventarnummer.
Nach zwei Tagen erklärt er den Nachbarn:
„Wir verbrauchen jetzt nur noch 14 Liter am Tag.“
Seine Familie steht schweigend hinter ihm und sieht aus wie eine Reisegruppe nach drei Wochen Sahara.
Aber er ist stolz.
„Für die Gemeinschaft.“
Das ist Deutschland.
Wenn wir sparen, dann sparen wir so gründlich, dass anschließend ein Arbeitskreis untersuchen muss, ob wir noch leben.
Und dann wurde die Warnung wieder aufgehoben
Das Schönste an der Geschichte:
Schon kurze Zeit später entspannte sich die Lage wieder.
Es floss wieder mehr Wasser in die Hochbehälter, als entnommen wurde. Der Waldbrand war unter Kontrolle, auch wenn die Feuerwehr weiterhin Glutnester bekämpfen musste.
Die Warnung wurde aufgehoben.
Und irgendwo in Langenselbold öffnete ein Mann langsam den Wasserhahn.
Ein Tropfen.
Zwei Tropfen.
Dann schaute er vorsichtig nach links und rechts.
Und schließlich:
VOLLE KRAFT!
Dusche!
Badewanne!
Rasensprenger!
Espressomaschine!
Die Zivilisation war zurück.
Ich stelle mir vor, wie Menschen jubelnd mit Handtüchern durch die Straßen liefen.
Kirchenglocken läuteten.
Kinder tanzten unter Gartenschläuchen.
Ein Mann rief:
„ICH BENUTZE HEUTE SOGAR DUSCHGEL!“
Pure Freiheit.
Ronalds strategische Wasserreserve
Wir müssen aus solchen Situationen lernen.
Deshalb fordere ich die Einrichtung einer strategischen deutschen Wasserreserve.
Andere Länder lagern Öl.
Deutschland lagert künftig Duschwasser.
Unter strengster Bewachung.
500 Millionen Liter.
In einem geheimen Bunker irgendwo unter Hessen.
Darüber wacht ein Beamter mit einem riesigen roten Knopf:
NOTDUSCHE.
Nur der Bundeskanzler darf ihn drücken.
Oder jemand nach einem Marathon.
Zusätzlich bekommt jeder Haushalt ein staatliches Notfallpaket:
zwei Flaschen Mineralwasser,
Feuchttücher,
Trockenshampoo,
Deodorant,
eine Gießkanne
und eine Broschüre:
„Körperhygiene in besonderen Versorgungslagen – Hinweise des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Achselkontrolle.“
Mindestens 84 Seiten.
Natürlich laminiert.
Aber hinter dem Spaß steckt ein Warnsignal
Die Episode zeigt allerdings auch, wie schnell Trockenheit, hoher Verbrauch und außergewöhnliche Ereignisse regionale Wassersysteme unter Druck setzen können.
Ein großer Waldbrand benötigt enorme Mengen Löschwasser.
Gleichzeitig müssen Haushalte, Betriebe und Infrastruktur weiter versorgt werden.
Und wenn über Wochen wenig Regen fällt, werden Reserven eben nicht automatisch voller, nur weil Deutschland normalerweise aussieht, als würde es an 280 Tagen im Jahr regnen.
Wasser erscheint uns selbstverständlich.
Hahn auf.
Wasser da.
Aber selbstverständlich ist daran erstaunlich wenig.
Genau deshalb funktionieren kurzfristige Sparaufrufe: Viele kleine Einsparungen können in einer angespannten Situation helfen, Reserven zu stabilisieren und Einsatzkräften den notwendigen Spielraum zu verschaffen.
Das ist vernünftig.
Nur klingt „Bitte verzichten Sie möglichst auf Duschen“ eben trotzdem wie der Beginn einer sehr deutschen Katastrophenkomödie.
Ronald zieht Bilanz
Der Waldbrand bei Rodenbach ist unter Kontrolle.
Die Glutnester werden weiter bekämpft.
Die Wasserspeicher erholen sich.
Und die Menschen dürfen wieder duschen.
Damit endet eine der kürzesten Hygiene-Krisen der hessischen Geschichte.
Aber wir haben etwas gelernt.
Wenn es ernst wird, kann Deutschland verzichten.
Auf Gartenbewässerung.
Auf Vollbäder.
Auf lange Duschen.
Vielleicht sogar auf den täglichen Hochdruckreiniger-Einsatz gegen drei Blätter auf der Terrasse.
Das ist Solidarität.
Das ist Disziplin.
Das ist Deutschland.
Ich bin Ronald Tramp und sage:
Make Hessen Nass Again!
Aber verantwortungsvoll.
Denn wenn die Feuerwehr das Wasser braucht, bleibt der Rasensprenger aus.
Der Rasen überlebt.
Der Mensch überlebt.
Und falls es mit der Dusche wirklich einmal länger dauert:
Bleiben Sie ruhig.
Bleiben Sie patriotisch.
Und vor allem:
Bleiben Sie ein paar Meter voneinander entfernt.

