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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Deutschlands sicherster Zaun bewacht einen Zaun – die Eidechsen bleiben derweil geheimnisvoll verschwunden

Grafik: Ronald Tramp und Deutschlands sicherster Zaun

In Hessen wird ein Plastikzaun mit Kameras, Stacheldraht und mehreren Sicherheitszäunen geschützt – damit Zauneidechsen sicher fernbleiben. Das Einzige, was bislang nicht aufgetaucht ist: eine einzige Zauneidechse. Ronald Tramp berichtet vom wohl teuersten VIP-Schutzprogramm der deutschen Amphibien- und Reptiliengeschichte.

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Meine Damen und Herren,

ich dachte wirklich, ich hätte inzwischen jede Form deutscher Bürokratie erlebt.

Ich habe Formulare gesehen, für deren Antrag man zunächst ein Formular beantragen musste.

Ich habe Behörden erlebt, die für einen Termin zur Terminvereinbarung einen weiteren Termin benötigten.

Und ich habe Donald Trump erlebt, der wahrscheinlich der einzige Mensch ist, der bei einer Wettervorhersage behaupten würde, die Sonne scheine nur wegen seiner Beliebtheitswerte.

Aber nichts...

Wirklich nichts...

bereitete mich auf den wohl spektakulärsten Sicherheitskomplex Europas vor.

Willkommen in Reiskirchen.

Dort steht eine Anlage, bei der man zunächst denkt:

"Hat hier jemand einen Hochsicherheitstrakt gebaut?"

Stacheldraht.

Überwachungskameras.

Mehrere Sicherheitszäune.

Absperrungen.

Kontrollen.

Man erwartet hinter dem Tor entweder Goldreserven, streng geheime Regierungsakten oder zumindest den letzten funktionierenden Faxserver Deutschlands.

Doch weit gefehlt.

Geschützt wird...

...ein kleiner grüner Plastikzaun.

Lassen Sie das ruhig einen Moment wirken.

Ein Zaun...

...schützt einen Zaun...

...der wiederum Tiere von einer Baustelle fernhalten soll.

Meine Damen und Herren:

Deutschland hat den Meta-Zaun erfunden.

Die Baustelle darf nämlich nur weitergebaut werden, wenn der Schutz für die Zauneidechsen lückenlos funktioniert.

Ein völlig nachvollziehbarer Gedanke.

Bis zu dem Moment, an dem man den nächsten Satz liest.

Bis heute wurde dort...

keine einzige...

wirklich nicht eine...

Zauneidechse entdeckt.

Keine.

Null.

Nada.

Die Tiere genießen offenbar Homeoffice.

Ich stellte mir sofort die Lagebesprechung vor.

"Chef, wir haben den Zaun gebaut."

"Sehr gut."

"Den Sicherheitszaun ebenfalls."

"Perfekt."

"Die Kameras laufen."

"Ausgezeichnet."

"Der Stacheldraht ist installiert."

"Wunderbar."

"Und die Eidechsen?"

"..."

"Ja?"

"Die fehlen."

"Wie viele?"

"Alle."

Donald Trump hätte diese Baustelle selbstverständlich sofort besucht.

Er hätte sich vor den Zaun gestellt und erklärt:

"Fantastischer Zaun."

"Der beste Zaun."

"Niemand baut Zäune besser als ich."

"Ich sehe sofort, dass dieser Zaun hervorragend darin ist, Eidechsen fernzuhalten."

"Wie viele Eidechsen waren heute hier?"

"Keine."

"Sehen Sie!"

"Mission erfüllt."

Man muss zugeben:

Rein statistisch funktioniert die Anlage tatsächlich perfekt.

Keine Eidechse auf der Baustelle.

Hundert Prozent Erfolg.

Man könnte dieselbe Logik allerdings auch auf andere Bereiche übertragen.

Ich stelle mir das Innenministerium vor.

"Wie viele Dinosaurier haben heute das Kanzleramt betreten?"

"Keine."

"Ausgezeichnet."

"Sofort weitere drei Sicherheitszäune errichten."

Vielleicht gibt es ja tatsächlich irgendwo eine geheime Zauneidechsen-Untergrundbewegung.

Mit kleinen Funkgeräten.

Miniatur-Lagekarten.

Und einem Oberkommando namens "Operation Salamander".

Jeden Abend treffen sie sich hinter einem Stein.

"Genossen."

"Der Plastikzaun steht noch."

"Dann verschieben wir die Invasion."

Denn genau so wirkt die Situation inzwischen.

Die Schutzmaßnahmen erinnern an eine Mischung aus Area 51, Fort Knox und einem Hochsicherheitsgefängnis.

Nur dass der gefährlichste Insasse offenbar gar nicht existiert.

Besonders faszinierend finde ich die Hierarchie.

Nicht die Straße ist das Wichtigste.

Nicht die Baustelle.

Nicht die Bauarbeiter.

Nein.

Der Zaun genießt inzwischen mehr Personenschutz als manche Staatsoberhäupter.

Vielleicht bekommt er demnächst sogar einen Personalausweis.

Oder Polizeibegleitung.

Oder eine eigene Pressestelle.

"Der Zaun möchte sich heute nicht äußern."

Ich sehe bereits die nächsten Ausbaustufen.

Zaun Nummer eins schützt die Eidechsen.

Zaun Nummer zwei schützt Zaun Nummer eins.

Zaun Nummer drei schützt Zaun Nummer zwei.

Zaun Nummer vier schützt alle Zäune gemeinsam.

Und außen herum kommt sicherheitshalber noch ein Zaun.

Falls jemand den Zaunzaunzaunzaun beschädigen möchte.

Deutschland liebt schließlich Redundanz.

Die Überwachungskameras dürften ebenfalls spannende Arbeitstage erleben.

08:00 Uhr.

Keine Eidechse.

09:00 Uhr.

Keine Eidechse.

10:00 Uhr.

Ein Bauarbeiter niest.

11:00 Uhr.

Keine Eidechse.

12:00 Uhr.

Eine Taube landet kurz.

Alarm wird geprüft.

Donald Trump hätte spätestens jetzt vorgeschlagen, den Zaun in Gold zu lackieren.

"Goldene Zäune sind erfolgreicher."

"Viele Experten sagen das."

"Sehr gute Experten."

"Wahrscheinlich Eidechsen."

Natürlich steckt hinter der ganzen Geschichte ein ernstes Anliegen.

Artenschutz ist wichtig.

Und selbstverständlich müssen bedrohte Tierarten geschützt werden.

Niemand möchte, dass Bauprojekte seltene Tiere gefährden.

Doch genau deshalb wirkt dieser Fall so absurd.

Denn wenn am Ende mehr Aufwand in den Schutz eines leeren Zauns fließt als in die Suche nach den eigentlichen Tieren, beginnt selbst der gesündeste Menschenverstand leicht zu schmunzeln.

Vielleicht beobachten die Zauneidechsen das Ganze längst aus sicherer Entfernung.

Gemütlich auf einem sonnigen Stein.

Mit Popcorn.

Und sagen:

"Schau mal..."

"Die Menschen bauen schon wieder einen Zaun für ihren Zaun."

"Die werden immer besser."

Ich persönlich wünsche den kleinen Reptilien selbstverständlich alles Gute.

Mögen sie gesund bleiben.

Mögen sie sichere Lebensräume finden.

Und mögen sie eines Tages wenigstens kurz an der Baustelle vorbeischauen.

Nicht wegen des Zauns.

Sondern damit die Kameras endlich einmal etwas Interessanteres filmen als Wind und Bauarbeiter.

Ich bin Ronald Tramp.

Ich sage, was andere nur denken.

Und wenn Deutschlands sicherster Zaun am Ende erfolgreich eine Tierart fernhält, die ohnehin gar nicht da ist...

...dann sollte vielleicht nicht die Zauneidechse überwacht werden, sondern gelegentlich auch der gesunde Menschenverstand.

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Tags: Artenschutz Bürokratie Baustelle Hessen Zauneidechse Zaun Reiskirchen
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