Donald Trump landet beim NATO-Gipfel – und keine fünf Minuten später steht Grönland wieder auf seiner Einkaufsliste. Ronald Tramp berichtet exklusiv von einem Gipfel, der sich zeitweise wie ein Immobilienportal mit Atomwaffen-Flatrate anfühlte.
Meine Damen und Herren,
es gibt Menschen, die reisen zu einem NATO-Gipfel, um über Sicherheit, Verteidigung und internationale Zusammenarbeit zu sprechen.
Und dann gibt es Donald Trump.
Kaum landet der Mann, der vermutlich sogar beim Einchecken ins Hotel fragt, ob das Gebäude zufällig zum Verkauf steht, schon beginnt die nächste Immobilienbesichtigung der Weltpolitik.
Diesmal wieder:
Grönland.
Ja.
Schon wieder Grönland.
Ich hatte wirklich gehofft, die Insel hätte inzwischen irgendwo ein "Nicht zu verkaufen"-Schild aufgestellt.
Aber offenbar besitzt Donald Trump eine bemerkenswerte Eigenschaft:
Wenn er etwas nicht kaufen kann, spricht er einfach so lange darüber, bis jeder andere Kopfschmerzen bekommt.
Beim Treffen mit Recep Tayyip Erdoğan erklärte Trump erneut mit der Selbstverständlichkeit eines Mannes, der gerade einen Einkaufswagen durch den Baumarkt schiebt:
"Grönland sollte den Vereinigten Staaten gehören."
Nicht vielleicht.
Nicht eventuell.
Nicht unter Umständen.
Nein.
Einfach gehören.
Ich wartete nur noch auf den Satz:
"Und wenn wir schon dabei sind – nehmen wir Island gleich im Doppelpack."
Donald Trump scheint Länder inzwischen ähnlich zu betrachten wie Sonderangebote.
"Drei Inseln kaufen..."
"...eine Militärbasis gratis."
Ich stelle mir vor, wie seine Berater morgens die Tagesordnung vorbereiten.
"Punkt eins: NATO."
"Punkt zwei: Ukraine."
"Punkt drei: Weltwirtschaft."
"Punkt vier?"
"Grönland."
"Wieder?"
"Ja."
"Hat sich etwas geändert?"
"Nein."
"Dann passt es."
Besonders beeindruckend finde ich die Beharrlichkeit.
Normale Menschen akzeptieren irgendwann, dass etwas nicht zum Verkauf steht.
Trump offenbar nicht.
Wenn ihm ein Makler sagen würde:
"Dieses Haus gehört jemand anderem."
Dann würde Trump vermutlich antworten:
"Das sehen wir unterschiedlich."
Die offizielle Begründung lautet selbstverständlich:
Sicherheit.
Strategische Lage.
Arktis.
Marineaktivitäten.
Verteidigung.
Alles völlig nachvollziehbare Themen.
Doch Donald Trump besitzt die bemerkenswerte Fähigkeit, selbst geopolitische Strategien wie einen Immobilien-Deal klingen zu lassen.
Ich höre ihn förmlich.
"Fantastische Insel."
"Sehr kalt."
"Niemand hat bessere Gletscher."
"Großartige Lage."
"Direkt am Meer."
"Unglaubliches Entwicklungspotenzial."
Der Makler des Jahres wäre begeistert.
Die Dänen vermutlich weniger.
Während halb Europa innerlich den Atlas überprüfte, legte Trump gleich nach.
Man könne schließlich auch sämtliche amerikanischen Soldaten aus Europa abziehen.
Vielleicht.
Möglicherweise.
Irgendwann.
Oder auch nicht.
Bei Donald Trump weiß man nie so genau, ob gerade Außenpolitik gemacht wird oder ob man Zeuge einer besonders kreativen Folge von "Deal oder kein Deal" geworden ist.
Anschließend kritisierte er Europas Energiepolitik.
Die Einwanderungspolitik.
Und praktisch alles, was zwischen Portugal und Finnland existiert.
Europa sei nicht mehr das Europa von vor zwanzig Jahren.
Da musste ich kurz nachdenken.
Stimmt.
Vor zwanzig Jahren hatte ich noch ein Klapphandy.
Heute brauche ich drei Passwörter, um meinen Kühlschrank zu öffnen.
Die Welt verändert sich.
Während Trump Europa erklärte, wie Europa funktioniert, meldete Deutschland ganz nebenbei neue Rekordausgaben für die Verteidigung.
124,7 Milliarden Euro.
Ich vermute, irgendwo im NATO-Hauptquartier sprang spontan ein Taschenrechner in den Selbstschutzmodus.
Donald Trump dürfte die Zahl gelesen und sofort gesagt haben:
"Sehr gut."
"Aber mehr geht immer."
"Viel mehr."
Vielleicht erhält künftig jede Panzerbrigade noch einen eigenen Golfplatz.
Man weiß ja nie.
Besonders spannend wurde es, als ein hochrangiger amerikanischer Regierungsbeamter erklärte, man halte weiterhin den Erwerb Grönlands für die beste Lösung.
Nicht eine Lösung.
Die beste Lösung.
Andere Möglichkeiten würden zwar geprüft.
Welche?
Das verriet natürlich niemand.
Ich hätte da allerdings ein paar Ideen.
Option eins:
Man fragt die Grönländer.
Ich weiß.
Revolutionärer Gedanke.
Option zwei:
Man akzeptiert, dass Länder keine Sammelkarten sind.
Option drei:
Donald Trump bekommt stattdessen einen riesigen Kühlschrank.
Der ist ebenfalls kalt.
Braucht weniger Außenpolitik.
Und verursacht deutlich weniger diplomatische Krisen.
Ich sehe die internationale Pressekonferenz bereits vor mir.
Journalist:
"Herr Präsident, warum Grönland?"
Trump:
"Warum nicht?"
Journalist:
"Aber es gehört Dänemark."
Trump:
"Nur technisch."
Journalist:
"Und was sagt Dänemark?"
Trump:
"Nicht viel."
Journalist:
"Doch."
Trump:
"Dann sagen sie eben das."
Währenddessen sitzt irgendwo ein grönländischer Fischer am Hafen.
Er schaut aufs Meer.
Fängt seinen Fisch.
Und liest plötzlich in den Nachrichten:
"Herzlichen Glückwunsch. Sie stehen wieder auf einer internationalen Einkaufsliste."
Ich glaube, niemand kann so unfreiwillig zum geopolitischen Immobilienobjekt werden wie Grönland.
Vielleicht sollte die Insel künftig ein großes Werbeschild aufstellen.
"Besichtigung möglich. Verkauf ausgeschlossen."
Mit mehreren Sprachen.
Nur zur Sicherheit.
Donald Trump würde vermutlich trotzdem klingeln.
Und falls niemand öffnet, behaupten, das Gebäude habe bereits Interesse signalisiert.
Am Ende bleibt allerdings eine bemerkenswerte Erkenntnis.
Andere Staatschefs sprechen über Verteidigungsstrategien.
Donald Trump spricht über Immobilien.
Andere diskutieren Bündnisse.
Trump diskutiert Grundbuchauszüge.
Andere sehen Landkarten.
Trump sieht Exposés.
Ich bin Ronald Tramp.
Ich sage, was andere nur denken.
Und wenn der nächste NATO-Gipfel wieder damit beginnt, dass Donald Trump eine Insel kaufen möchte...
...dann sollte man ihm vorsichtshalber nur noch Konferenzräume ohne Weltkarte zeigen.

