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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Truth Social Premium: Demokratie jetzt mit Frühbucherrabatt

Grafik: Ronald Tramp testet Trumps Wahrheit im Premiumabo

Donald Trumps Präsidentenposts sind öffentlich – aber offenbar nicht für jeden gleich schnell. Wer genügend Geld auf den Tisch legt, bekommt die präsidiale Wahrheit früher. Ronald Tramp prüft das neue Geschäftsmodell zwischen Oval Office, Börsenticker und digitaler Würstchenbude.

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Meine Damen, Herren und zahlungsfähigen Lobbyisten, hier spricht Ronald Tramp – der vermutlich unabhängigste Reporter der Welt. Viele sagen das. Vor allem ich. Und heute enthülle ich eine wirtschaftliche Innovation, so gewaltig, dass selbst der Kapitalismus kurz nach seinem Portemonnaie greifen muss:

Die Wahrheit ist noch immer kostenlos. Aber wer sie rechtzeitig haben möchte, braucht offenbar ein Abonnement.

Genau genommen wird Donald Trump nicht für jeden einzelnen Beitrag bezahlt. Seine Firma Trump Media bietet Geschäftskunden über eine sogenannte „Truth API“ besonders schnellen Zugriff auf Beiträge wichtiger Truth-Social-Konten an – darunter die Posts des amtierenden US-Präsidenten. Berichtet wurde über Preise von bis zu 100.000 Dollar im Monat beziehungsweise 60.000 Dollar bei langfristiger Bindung. Zielgruppe seien unter anderem Finanzunternehmen und Hochfrequenzhändler, für die schon Sekundenbruchteile wirtschaftlich wertvoll sein können.

Das ist großartig. Wirklich großartig. Früher mussten Bürger morgens eine Zeitung kaufen, um zu erfahren, was der Präsident gestern beschlossen hatte. Heute kann ein Hedgefonds bereits Aktien verkaufen, bevor der durchschnittliche Bürger überhaupt herausgefunden hat, warum sein Rentenkonto plötzlich klingt wie ein kaputter Spielautomatenmotor.

Das nennt man Fortschritt.

Natürlich werden jetzt wieder böse Menschen behaupten, es könne problematisch sein, wenn Unternehmen für bevorzugten Zugriff auf möglicherweise marktbewegende Äußerungen eines Präsidenten bezahlen. Diese Leute verstehen Amerika nicht. In Amerika ist alles besser, wenn es drei Tarifstufen gibt.

Ich stelle mir das neue Angebot ungefähr so vor:

Truth Basic: Sie erhalten den Präsidentenpost kostenlos, sobald sämtliche Börsenkurse reagiert haben und Ihr Finanzberater in Paraguay verschwunden ist.

Truth Gold: Sie bekommen die Nachricht zehn Sekunden früher, dazu ein digitales Adler-Emoji und einmal monatlich einen Gutschein für nervöses Schwitzen.

Truth Presidential Deluxe: Für 100.000 Dollar im Monat erfahren Sie sofort, welches Land heute Zoll, Sanktionen oder einen neuen Spitznamen bekommt. Eine goldene Benachrichtigung erscheint: „Herzlichen Glückwunsch! Sie gehören zu den Ersten, die ihre Lieferkette umstellen dürfen.“

Das ist keine Paywall. Das ist eine Freiheitsmauer mit Kreditkartenschlitz.

Trump Media bezeichnet den Verkauf schneller Programmierschnittstellen sinngemäß als übliches Geschäftsmodell. Tatsächlich verkaufen viele Plattformen API-Zugänge an professionelle Kunden. Kritiker wenden allerdings ein, dass hier nicht irgendein Influencer Proteinpulver empfiehlt, sondern ein amtierender Präsident über Politik, Zölle und internationale Beziehungen kommuniziert. Eine Klage stellt deshalb infrage, ob zahlenden Kunden ein privilegierter Zugang zu offiziellen Informationen verschafft wird.

Aber seien wir ehrlich: Das Oval Office war lange genug unrentabel. All diese Pressekonferenzen, Erlasse und Staatsbesuche – und niemand fragte je, ob man daraus ein Abo-Modell machen könnte. Ein katastrophales Versäumnis! Jeder mittelmäßige Kochkanal besitzt heute Premiuminhalte. Warum sollte ausgerechnet die mächtigste Regierung der Welt ihre Überraschungen verschenken?

Künftig könnte jede politische Entscheidung monetarisiert werden.

Für 19,99 Dollar gibt es die wöchentliche Zollvorschau. Für 499 Dollar erhält man das Kabinettsprotokoll mit Werbeunterbrechungen. Und für 40 Millionen Dollar darf man beim nächsten Handelskrieg den Namen auswählen. „Dieser globale Wirtschaftskonflikt wird präsentiert von Ronalds Riesenreifen – jetzt mit 15 Prozent Rabatt auf Bunkerbereifung!“

Viele Experten sagen, politische Informationen müssten alle Bürger gleichzeitig erreichen. Diese Experten besitzen offenbar keine Aktionäre. Außerdem gibt es auch im Flugzeug erste Klasse und Holzklasse. Warum also nicht in der Demokratie? Die einen bekommen Beinfreiheit und frühe Regierungshinweise, die anderen sitzen hinten neben dem Defizit und erfahren bei der Landung, dass der Zielflughafen inzwischen mit Strafzöllen belegt wurde.

Besonders elegant ist, dass Donald Trump wirtschaftlich mit Trump Media verbunden ist. Seine Beteiligung wird über einen Trust gehalten. Kritiker sehen darin einen möglichen Interessenkonflikt, während das Unternehmen solche Vorwürfe zurückweist.

Ich als Ronald Tramp erkenne hier selbstverständlich keinen Konflikt. Ich erkenne Synergie! Der Präsident schreibt etwas, die Plattform verbreitet es, Kunden bezahlen für Geschwindigkeit und anschließend erklärt jemand im Fernsehen, warum das alles völlig normal ist. Ein perfekter Wirtschaftskreislauf – wie Photosynthese, nur mit Anwälten.

Man sollte das Modell konsequent ausbauen. Vielleicht kann das Weiße Haus Push-Benachrichtigungen versteigern. Wer am meisten bietet, darf festlegen, ob ein neuer Erlass mit Fanfare, Sirene oder dem Geräusch einer fallenden Registrierkasse angekündigt wird.

Auch die Verfassung könnte ein Freemium-Modell bekommen. Die ersten zehn Zusatzartikel bleiben kostenlos. Erweiterte Bürgerrechte gibt es nach Registrierung. Datenschutz ist im Business-Paket enthalten, und wer Werbung deaktivieren möchte, muss der Republik mindestens zwölf Monate treu bleiben.

Ich habe übrigens versucht, das Premiumabo zu bestellen. Meine Kreditkarte wurde abgelehnt, vermutlich aus Angst vor zu viel Wahrheit. Daraufhin erhielt ich die kostenlose Version. Dort stand nur: „Bitte warten – Ihre Demokratie wird geladen.“

Der Ladebalken bewegte sich nicht.

Aber keine Sorge. Donald Trump würde vermutlich sagen: Niemand verkauft Informationen so schnell wie wir. Die besten Informationen. Wunderschöne Informationen. Manche davon sogar korrekt. Und wenn Sie nicht bezahlen möchten, ist das völlig in Ordnung.

Dann erfahren Sie eben morgen, was heute mit Ihrem Geld passiert ist.

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Tags: Donald Trump Paywall Truth Social Truth API Interessenkonflikt Trump Media Präsidentenposts
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