Benzin kostet vier Dollar pro Gallone, doch Donald Trump will sich nicht entschuldigen: Die Bürger müssten damit leben, schließlich habe er das Richtige getan. Ronald Tramp testet die neue Zapfsäulenpolitik zwischen Kreditprüfung und politischem Premiumkraftstoff.
Meine Damen und Herren, ich, Ronald Tramp, habe endlich die neue amerikanische Energiepolitik verstanden. Sie besteht aus drei einfachen Schritten:
Erstens: Der Benzinpreis steigt auf vier Dollar pro Gallone.
Zweitens: Donald Trump entschuldigt sich nicht.
Drittens: Sie müssen damit leben.
Das ist kein wirtschaftliches Problem. Das ist ein Motivationsprogramm an der Zapfsäule.
Auf die hohen Spritpreise angesprochen, erklärte Trump laut der Vorlage sinngemäß: „Ich werde mich niemals entschuldigen. Ihr müsst damit leben. Ich habe das Richtige getan.“
Wunderbar! Früher versuchten Politiker, steigende Preise zu erklären. Sie sprachen über Ölproduktion, Weltmärkte, Raffineriekapazitäten, Krisen und Lieferketten. Sehr kompliziert. Viele Diagramme. Niemand verstand etwas.
Trump ersetzt all das durch den Satz: „Lebt damit.“
Das ist klare Kommunikation. Brutal klar. So klar wie die Anzeige an der Zapfsäule, wenn der Tank erst halb voll ist und Ihre Kreditkarte bereits leise nach einem Anwalt verlangt.
Vier Dollar pro Gallone! Viele Amerikaner stehen vor der Tankstelle und fragen: „Warum ist das so teuer?“ Die neue offizielle Antwort lautet: „Weil es richtig ist.“
Warum richtig?
Weil der Präsident es getan hat.
Was genau hat er getan?
Das Richtige.
Woran erkennt man das?
Daran, dass er sich nicht entschuldigt.
Das ist eine vollständig geschlossene Argumentationskette. Nicht einmal ein Tropfen Logik kann entweichen.
Ich stelle mir vor, wie Trump morgens im Weißen Haus die Benzinpreise betrachtet. Ein Berater sagt: „Mr. President, die Menschen sind besorgt.“
Trump antwortet: „Nein, sie sind nicht besorgt. Sie sind beeindruckt.“
„Aber vier Dollar pro Gallone—“
„Eine sehr runde Zahl. Viel besser als 3,97. Niemand mag Kleingeld.“
Großartig. Endlich Premiumpreise für Normalbenzin.
Die Tankstellen sollten das neue Regierungskonzept sofort übernehmen. Statt verschiedener Kraftstoffsorten gibt es künftig drei politische Angebote:
Regular: vier Dollar und stille Enttäuschung.
Premium: fünf Dollar und ein kostenloser Aufkleber ohne Entschuldigung.
Presidential Supreme: sechs Dollar, goldfarbene Zapfpistole und die Gewissheit, dass alles richtig gemacht wurde.
Wer sich beschwert, bekommt keinen Rabatt. Er erhält eine kleine Karte mit dem Hinweis: „Sie müssen damit leben.“ Die Karte kostet zusätzlich 99 Cent, weil Papier ebenfalls teurer geworden ist.
Das Bezahlen wird ebenfalls vereinfacht. Der Bildschirm fragt nicht mehr:
„Möchten Sie eine Quittung?“
Sondern:
„Möchten Sie die Realität akzeptieren?“
Zur Auswahl stehen nur zwei Schaltflächen:
„Ja.“
Und:
„Ja, ohne Entschuldigung.“
Amerikanische Familien müssen nun kreativ werden. Der klassische Sonntagsausflug wird ersetzt durch das gemeinsame Betrachten des geparkten Autos. Sehr günstig. Sehr familiär.
„Kinder, früher sind wir mit diesem Wagen tatsächlich gefahren.“
„Wirklich, Dad?“
„Ja. Sogar ohne vorher einen Kleinkredit aufzunehmen.“
„Unglaublich!“
Das Auto wird zum neuen Immobilienbesitz. Man lebt nicht darin, aber man freut sich, dass es theoretisch beweglich wäre.
Pendler können ihre Fahrgemeinschaften vergrößern. Nicht vier Personen pro Auto, sondern 27. Der Kofferraum wird Businessclass. Wer am Schalthebel sitzt, zahlt Komfortzuschlag. Derjenige auf dem Dach bekommt frische Luft kostenlos, solange der Wagen nicht zu schnell fährt – was er aus Kostengründen ohnehin nicht tut.
Auch die Sprache ändert sich. Man sagt nicht mehr: „Ich fahre zur Arbeit.“
Man sagt: „Ich investiere in eine einfache Wegstrecke.“
Eine Tankfüllung ist kein Einkauf, sondern ein Vermögensaufbau. Der Tankdeckel wird nur noch nach Terminvereinbarung geöffnet. Banken bieten spezielle Benzinhypotheken mit 30 Jahren Laufzeit an.
„Herzlichen Glückwunsch, Ihr Antrag auf zwölf Gallonen wurde genehmigt. Bitte bringen Sie zwei Gehaltsnachweise und eine Bürgschaft Ihrer Großmutter mit.“
Die Börse könnte Kraftstoff künftig wie Schmuck behandeln. In exklusiven Geschäften liegen kleine Benzinfläschchen hinter Glas.
„Dieses hier ist ein besonders edler Jahrgang.“
„Woher stammt er?“
„Zapfsäule sieben, Ohio.“
„Fantastisches Aroma.“
„Ja, leichte Raffinerienote, im Abgang deutlich unbezahlbar.“
Trump hat jedoch recht mit einem Punkt: Er wird sich niemals entschuldigen. Niemals! Entschuldigungen sind schließlich erneuerbare Ressourcen, und davon hält man in bestimmten politischen Kreisen offenbar nicht viel.
Eine Entschuldigung würde außerdem gefährliche Erwartungen wecken. Stellen Sie sich vor, Politiker müssten plötzlich Verantwortung für Dinge übernehmen, die sie als ihre Erfolge verkaufen. Das wäre das Ende der modernen Kommunikation.
Heute lautet das Prinzip:
Sinken die Preise, war es der Präsident.
Steigen die Preise, war es notwendig.
Bleiben sie gleich, ist das historische Stabilität.
Explodiert die Zapfsäule, war es eine sehr energische Marktreaktion.
Ich, Ronald Tramp, schlage deshalb eine neue Maßeinheit vor: den Entschuldigungsindex.
Bei einem Dollar pro Gallone gibt es große Siegesreden.
Bei zwei Dollar wird der Vorgänger beschuldigt.
Bei drei Dollar ist der Weltmarkt schuld.
Bei vier Dollar müssen die Bürger damit leben.
Bei fünf Dollar wird Autofahren zum Patriotismus erklärt.
Bei sechs Dollar bekommt jeder Fahrer einen Orden, allerdings nur als digitales Bild, weil Metall zu teuer ist.
Vielleicht ist der hohe Preis sogar ein Fitnessprogramm. Wer nicht mehr Auto fährt, läuft. Wer läuft, wird gesünder. Wer gesünder ist, lebt länger. Wer länger lebt, kann länger Steuern zahlen.
Das Richtige wurde getan!
Auch der Tourismus profitiert. Amerikaner entdecken plötzlich ihre unmittelbare Umgebung.
„Schatz, wollen wir dieses Jahr nach Kalifornien?“
„Nein, wir besuchen den Briefkasten.“
„Schon wieder?“
„Diesmal nehmen wir Proviant mit.“
Die Regierung könnte das als „America Very Near First“ vermarkten. Urlaub beginnt dort, wo der Tank noch nicht leer ist.
Besonders spannend wird die Lage für Lieferdienste. Eine Pizza kostet künftig zwölf Dollar, die Lieferung 38 Dollar und die freundliche Mitteilung, man müsse damit leben, ist bereits im Trinkgeld enthalten.
Pakete werden nicht mehr bis zur Haustür gebracht. Sie bleiben in einem zentralen Lager, und die Kunden erhalten ein Foto. Sehr digital. Sehr kraftstoffsparend.
Natürlich sind vier Dollar pro Gallone für wohlhabende Menschen weniger dramatisch. Wer mit Privatjet, Limousine und Wagenkolonne unterwegs ist, erlebt den Benzinpreis eher als dekorative Zahl. Vielleicht glaubt man dort wirklich, alle müssten einfach damit leben.
Für viele Arbeitnehmer, Familien und Pendler ist Kraftstoff jedoch keine Luxusware. Sie benötigen ihr Auto, um zur Arbeit, zur Schule, zum Arzt oder zum nächsten Supermarkt zu gelangen. Ein höherer Benzinpreis trifft nicht nur den Tank. Er fährt anschließend in Lebensmittelpreise, Lieferkosten und den gesamten Alltag hinein.
Doch Satire beginnt genau dort, wo politische Führung auf reale Sorgen mit maximaler Selbstzufriedenheit antwortet.
„Ich habe das Richtige getan“ ist schließlich kein Beleg. Es ist eine Siegerurkunde, die man sich selbst ausdruckt, bevor die Jury den Raum betreten hat.
Ich, Ronald Tramp, habe deshalb einen Service für alle Tankstellenkunden entwickelt. Wenn die Zapfsäule die 100-Dollar-Marke erreicht, ertönt eine beruhigende Stimme:
„Keine Sorge. Der Präsident entschuldigt sich nicht.“
Bei 120 Dollar:
„Sie müssen damit leben.“
Bei 150 Dollar:
„Vielen Dank, dass Sie das Richtige finanzieren.“
Und wenn die Karte abgelehnt wird, erscheint die wichtigste Botschaft der neuen Energieära:
„Transaktion gescheitert. Politik erfolgreich.“
Das ist Amerika.
Vier Dollar pro Gallone.
Null Dollar Entschuldigung.
Und eine unbegrenzte Menge Selbstlob im Tank.
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